Engagement

Wenn Jungschützen im Sauerland die Sektbar flott machen

Die Schützenbruderschaft St. Vitus Westheim bedankt sicht für die Spende des Fördervereins Dortgemeinschaft "Unser Westheim" über 4000 Euro.

Die Schützenbruderschaft St. Vitus Westheim bedankt sicht für die Spende des Fördervereins Dortgemeinschaft "Unser Westheim" über 4000 Euro.

Foto: Verein

Hochsauerlandkreis.   Schützenvereine im Hochsauerland müssen viel Geld in die Hand nehmen, um zukunftsfest zu bleiben. Es gibt kreative Ansätze. Ein paar Beispiele.

Wir machen etwas ganz Neues daraus machen, sagten sich in Elkeringhausen acht Jungschützen und Tine: Sie renovierten in nur fünf Wochen und pünktlich zum Schützenfest die Sektbar - und das ohne handwerkliche Vorkenntnisse. So spontan, das ist etwas Besonderes, aber insgesamt steht in allen Schützenbruderschaften bei anstehenden Arbeiten das Thema Eigenleistung ganz vorne. Und Investitionen gibt es genug, wie wir nachfolgend zeigen.

Stellvertretend für alle Bruderschaften seien hier nur einige Beispiele genannt, was Schützen so zu stemmen haben. Das Thema Vogelstange und Kugelfang beschäftigt wegen der neuen Richtlinie für Schießstände nahezu alle. Hierfür werden sie schon einmal fünfstellige Beträge in die Hand nehmen müssen.

Von Madfeld bis nach Hallenberg

Siehe Madfeld, 15 000 Euro soll die neue Vogelstange kosten, auch darum wird der Bierpreis erhöht. Siehe Hallenberg: Die Schützengesellschaft Hallenberg 1827 erneuert nicht nur Herren- und Damentoiletten. Sie baut die neue Vogelschießanlage, sogar an neuer Stelle. Ein Bergstand soll in den Hang vor der Schützenhalle gebaut werden.

Von Helmeringhausen bis nach Westheim

St. Hubertus Helmeringhausen brachte über Sponsoren 4200 Euro für eine neue Fahne auf und schrieb erstmals wieder schwarze Zahlen.“ Wenn auch nur im kleineren dreistelligen Bereich, dennoch braucht das Defizit nicht mehr aus dem Überschuss beim Dorffest an Himmelfahrt ausgeglichen zu werden. Die Vogelschießanlage ist abgenommen, die Bruderschaft hat „erstmal wieder einige Jahre Ruhe“.

Bei der Schützenbruderschaft St. Vitus Westheim standen ca. 18 000 Euro für die Vogelstange an. Der Förderverein Dorfgemeinschaft „Unser Westheim” unterstützte das Projekt mit 4 000 Euro und überreichte jetzt an den Schützenvorstand einen Scheck. Fördervereinsvorsitzender Weiffen: „Dies ist nur möglich, weil der Förderverein über 500 Mitglieder zählt und von vielen Sponsoren unterstützt wird.“

Von Gevelinghausen bis nach Niedersfeld

Die Gevelinghauser sind just zum Fest fertig geworden. Ebenfalls 15 000 Euro haben der neue Kugelfang und die Stange gekostet, der Kraftakt ist gemeistert. Gerade wird Schützenfest gefeiert!

Die Niedersfelder haben sich einen „Maßnahmen- und Veranstaltungsplan“ gegeben für Investitionen in Dorfhalle und Vogelstange sowie für so einige Veranstaltungen als Einnahmequelle.

Von Obermarsberg bis nach Brunskappel

In Obermarsberg wurde 2016 der Kühlkeller saniert, der Speiseraum erneuert und neues Mobiliar angeschafft. Kostenpunkt für alles: 21 000 Euro.

Die St.-Sebastian-Schützenbruderschaft Brunskappel erneuerte die Damentoiletten größtenteils in Eigenleistung und stemmte Veranstaltungen wie das Jungschützenfest „Rock den Vogel“ und die Mai-Time-Party.

Von Assinghausen bis nach Radlinghausen

St. Liborius Assinghausen ist gerade mit der Heizung fertig, hat die Sporthalle renoviert und plant nun, bei den Duschräumen der Umkleidekabinen weiterzumachen. Es fehlt ein Dachlüfter. Außerdem soll das Hallendach mit Aluminium-Blechen versiegelt werden. Und: Der Hallenboden muss bald komplett ausgetauscht werden, weil er an einigen Stellen zu dünn wird. Und dann noch die neue Schießanlage. Beginn der Baumaßnahmen. Je nach Liquidität.

Radlinghausens Schützen erneuern die Heizung und überarbeiten das Fachwerk im Eingang.

Und dann war da noch Nehden

Mit einer sensationellen Summe schießt allerdings Nehden den Vogel ab: Die Schützen bauen einen komplett neuen Toilettentrakt. Kosten: Rund 150 000 Euro. Sie belaufen sich zu gleichen Teilen auf vorhandenes Eigenkapital, Eigenleistung und Fremdkapital. Wie das klappt: siehe Interview unten.

Für alle Vereine gilt: Das Schützenfest kommt als Einnahmequelle weniger nicht in Betracht: Schon die Festmusik kostet einen mittleren vierstelligen Betrag, bei größeren Festen auch schnell fünfstellig.

In Elkeringhausen hat sich der Einsatz auf jeden Fall gelohnt und es kamen noch Zusatzeinnahmen rein: Die Schützenfestbesucher honorierten das gelungene Werk beim Schützenfest gebührend. An allen Abenden war die Sektbar gesteckt voll, schon nach zwei Tagen alle Vorräte ausverkauft. Und die derart motivierten Elkeringhauser Jungschützen suchen ein neues Ziel.

>>>>> Interview: „In Nehden helfen sich die Vereine untereinander“

Stolze 150 000 Euro! Mit dieser geplanten Investitionssumme schießen die St.-Hubertus-Schützen Nehden sprichwörtlich den Vogel ab. Eine neue Toilettenanlage soll ab Ende August an die Halle angebaut werden. Wie schafft ein Verein in diesem kleinen Dorf das? Das erklärt Matthias Wegener, Vorsitzender, im WP-Interview.

Sie machen sich gar nicht wirklich bange vor der Investition, warum?

Matthias Wegener: Weil der Zusammenhalt in Nehden so gut ist und alle mit anpacken. Wir haben bei 490 Einwohnern insgesamt 380 Mitglieder im Schützenverein. Davon sind 20 im Vorstand. Viele Mitglieder wohnen inzwischen außerhalb, unterstützen uns aber immer noch gern. Und in Nehden helfen sich die fünf Vereine untereinander. Es ist ein Geben und Nehmen. Der Sportverein hilft, er nutzt im Gegenzug die Toiletten mit, weil der Sportplatz in der Nähe liegt. Und für die Feuerwehr haben wir ein Wegerecht eingerichtet.

Dennoch, ist die Summe nicht unglaublich?

Das ist die größte Einzelinvestition, die der Schützenverein bisher gemacht hat. Die 150 000 Euro stehen im Raum, wenn wir alles fremd machen lassen würden. Zum Glück wohnen auch einige Handwerker im Dorf und wir planen einiges an Eigenleistungen, setzen aber zu gleichen Teilen auf Eigen- und Fremdkapital. Was in der Vergangenheit nicht so gut funktioniert hat, war, eine Umlage von den Mitgliedern zu nehmen. Als wir vor Jahren mal Küche und Dach der Halle renoviert haben, haben wir beschlossen, alle Schützenbrüder sollten einmalig 150 Euro bezahlen. Das hat leider auch zu Austritten geführt.

Was genau planen Sie?

Wir bauen die neuen Toilettenanlagen südöstlich an die Schützenhalle an und gestalten den jetzigen Toilettenbereich für einen Versorgungsraum und eine behindertengerechten Toilette um. Dadurch bekommen wir drinnen mehr Platz, zum Beispiel für eine Cocktailbar. Durch den Anbau können bis zu 700 Personen die Schützenhalle für Stangenabend, Hasenparty, Stadtschützenfest und für größere Vermietungen nutzen.

Geht es auch darum, sich die Halle als Einnahmequelle zu sichern?

Das geht gar nicht anders. Wir brauchen Veranstaltungen hier und die Mieteinnahmen aus der Halle. Zu unserer eigenen Hasenparty an Ostersonntag kommen zum Beispiel jedes Jahr rund 600 Besucher. Außerdem hat der Briloner Schalke-Fan-Club, der größte Deutschlands, bei uns sein Jubiläum gefeiert. Viele Privat-Feste finden hier statt. Jeden Sommer vermieten wir die Halle für Jugendfreizeiten. Und wir Schützen sind auch als Thekenteam immer wieder in der Halle aktiv. So haben wir zum Beispiel beim Sparkassen-Jubiläum in unserer Halle gekellnert.

Ist bei Ihnen wie in anderen Schützenvereinen zu beobachten, dass insgesamt die „Best Ager“ sehr im Einsatz sind?

Die 40- bis Mitte-50-Jährigen sind sicherlich die Generation, die anpackt. Wir haben aber das Glück, das auch die jüngere Generation sehr aktiv ist. Zum Beispiel ist unser jüngstes Mitglied im Vorstand 21 Jahre alt. Auch unser amtierendes Königspaar ist gerade einmal Mitte 20 Jahre. Aktuell haben wir keine Nachwuchssorgen.

Was ist für Sie die Basis für das tolle Engagement aller?

Da zählt nur eins: Heimatverbundenheit. Die Jugendlichen und jungen Männer, die dies spüren, nehmen sich gerne Zeit für die Vereine.

Folgen Sie der Westfalenpost im Altkreis Brilon auch auf Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben