Buchtipp

Wer entscheidet über das Leben von dem komatösen Julius?

Das Buch „Als mein Bruder ein Wal wurde“, richtet sich nicht nur an junge Leser, sondern an alle, die sich mit dem Leben und dem Tod auseinandersetzen möchten.

Das Buch „Als mein Bruder ein Wal wurde“, richtet sich nicht nur an junge Leser, sondern an alle, die sich mit dem Leben und dem Tod auseinandersetzen möchten.

Foto: dpa

Hochsauerland.   Im Buch „Als mein Bruder ein Wal wurde“ erleidet Julius schwere Verletzungen. Die Frage ist, wann machen lebenserhaltene Maßnahmen noch Sinn.

Unser Buchtipp der Woche kommt aus der Stadtbibliothek Meschede. Vorgestellt wird das Buch „Als mein Bruder ein Wal wurde“ von Nina Weger. Es ist im Oetinger Verlag erschienen.

Worum geht es?

Bela und sein großer Bruder Julius wachsen in einer ganz normalen Familie auf. Mutter und Vater betreiben ein Beerdigungsunternehmen, Julius spielt Basketball in einer Auswahlmannschaft und will am liebsten Profi in Amerika werden. Alles ganz normal – bis Julius bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wird und ins Wachkoma fällt. Die Zeit, die nun folgt, wirft alles durcheinander und bringt die Familie bis an den Rand ihrer Kräfte.

Was macht das Buch aus? Wo liegen Stärken und Schwächen?

Ein ernstes Thema, dem sich die Autorin Nina Weger (Jg. 1970, lebt in Hannover) in diesem Kinderbuch annimmt. Eben noch normaler Familienalltag, dann ein tragischer Unfall mit einem Lkw, Julius erleidet ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, wird operiert und fällt ins Wachkoma. Nichts ist mehr wie vorher, und nach zwei Jahren, in denen sich alles um Krankenhaus, Therapie und Reha dreht, steht die Familie vor der Frage, ob die lebenserhaltenden Maßnahmen weiterhin Sinn ergeben.

Aber: Darf man über das Leben eines anderen bestimmen? Und woher soll man wissen, was richtig oder falsch ist, wenn man Julius selbst nicht mehr fragen kann? Belas Freundin Martha würde zum Papst fahren, der muss schließlich wissen, was in so einem Fall, wo es um Leben und Tod geht, zu tun ist. Heimlich schlachten Bela und Martha daraufhin ihre Sparschweine und lassen die Kreditkarte von Marthas Vater mitgehen. Sie begeben sich auf eine abenteuerliche Fahrt nach Rom, um eine Antwort zu finden und Belas Familie zu retten.

Warum empfehlen Sie das Buch?

Vor einigen Jahren war Nina Weger in Meschede zu Gast und hat den Kindern der dritten Schuljahre aus ihren Büchern vorgelesen. Damals habe ich sie kennengelernt als eine Frau, die mit Kindern auf Augenhöhe spricht, die Kinder liebt und sie ernst nimmt und dass in ihren Büchern auch sprachlich sehr gut ausdrücken kann. So war ich sehr gespannt auf ihr neuestes Buch, dessen Titel mich zudem neugierig gemacht hat. Er geht auf eine Vorstellung von Bela zurück, der im Verlauf der Krankheitsphase einmal sagt: „Manchmal, wenn ich abends im Bett lag, stellte ich mir vor, dass Julius wie eine riesiger Wal durch die Tiefen des Ozeans glitt.“ Auf kindgerechte Weise greift Nina Weger in diesem Buch ein schweres Thema auf, dass sie schon seit 10 Jahren bewegt, wie sie selber im Nachwort schreibt. Entstanden ist eine einfühlsame Geschichte, ein existentielles Kinderbuch, das viele Fragen aufwirft, über die Kinder und Eltern miteinander sprechen sollten. Dabei ist kein trauriges Buch herausgekommen, sondern ein tiefgründiges, positives, warmherziges Buch, das sich mit dem Leben auseinandersetzt.

Für wen ist das Buch gedacht?

Für Kinder ab circa 11 Jahren, Jugendliche und Erwachsene, für Betroffene und Interessierte, für alle Familien, die sich mit Fragen von Leben und Tod auseinandersetzen wollen.

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Altkreis Brilon.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben