Ernte

Wetter beeinträchtigt Landwirtschaft in Meerhofer Sintfeld

Pflanzenschutzbeauftragter Ferdinand Falke (rechts) und Ackerbaureferent Heinrich Brockerhoff informieren die Bauern an den Landessortenversuchen auf dem Meerhofer Sintfeld über Wachstum und Qualität des Wintergetreides.

Foto: Annette Dülme

Pflanzenschutzbeauftragter Ferdinand Falke (rechts) und Ackerbaureferent Heinrich Brockerhoff informieren die Bauern an den Landessortenversuchen auf dem Meerhofer Sintfeld über Wachstum und Qualität des Wintergetreides. Foto: Annette Dülme

Meerhof.  Ungewohnt warmer Frühling und verlängerter Winter verschiebt Wachstumszeiten von Getreidepflanzen. Was das für die Bauern bedeutet.

Es waren der wärmste April, Mai und Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnung – also seit 150 Jahren. Die Ackerböden sind ausgetrocknet. Es hat viel zu wenig geregnet. Das stellt die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Eine schlechte Ernte droht.

Es gab also keinen tatsächlichen Frühling mit langsam ansteigenden Temperaturen, es ging gleich vom Winter in den Sommern über. „Eine anstrengende Wachstumszeit für das Getreide“, sagen der Pflanzenschutzbeauftragte Ferdinand Falke und Ackerbaureferent Heinrich Brockerhoff, beide von der Landwirtschaftskammer NRW. Die Landwirtschaftskammer führt seit über 30 Jahren im Sintfeld zwischen Meerhof und Fürstenberg Landessorten- und Pflanzenschutzversuche durch.

390 Meter über dem Meeresspiegel

800 Parzellen mit verschiedenen Sorten von Winterraps, Winterweizen, Wintergerste und Triticale (eine Kreuzung aus Roggen und Weizen) betreut die Landwirtschaftskammer dort, beobachtet Wachstum, Qualität, Anfälligkeiten und Reaktionen auf mehr oder weniger Pflanzenschutzmittel. Mit 390 Metern über dem Meeresspiegel sind die Landessortenversuche im fruchtbaren Sintfeld die höchst gelegenen der Landwirtschaftskammer in NRW.

In diesem Sommer ist wegen der Temperaturen alles anders. Rund 60 Bauern aus dem Hochsauerlandkreis, dem Paderborner Land und dem hessischen Nachbarkreis wollen sich in zwei Führungen über den Entwicklungsstand informieren.

Das Getreide leidet

„Im Frühjahr war das Wintergetreide wegen des langanhaltenden Winters, der bis in den März hineinging, zwei Wochen zurück“, so der Getreideexperte Heinrich Brockerhoff. Er ist extra aus der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer aus Köln angereist. „Und jetzt ist das Getreide schon zwei Wochen weiter.“ In kürzester Zeit haben die Getreidepflanzen vier Wochen Wachstumszeit aufgeholt. Und jetzt die Hitze mit bis zu 30 Grad im Schatten. Brockerhoff: „Es ist so, als wenn die Natur einen Fön auf das Getreide hält.“ Das Getreide leide darunter.

Die Wintergerste auf den Versuchsflächen ist schon goldgelb und reif. Die Ernte läuft bereits. 14 Tage früher. Ferdinand Falke: „Das habe ich hier noch nie erlebt.“ Normalerweise ist der Winterweizen zu dieser Zeit in Meerhof noch grasgrün. Auch er ist schon in der Abreife. Brockerhoff demonstriert an einer Ähre den Fruchtstand: Die Anzahl der Weizenkörner ist in Ordnung. Aber die Körner wollen sich nicht füllen. Im Gegenteil.

Es war zu lange zu heiß. Wenn kein Regen kommt, schrumpelt das Korn in der Ähre ein. Ferdinand Falke: „Man spricht von Kümmerkorn.“ Das heißt für die Bauern: weniger Erträge, eine Ernte von minderer Qualität und weniger Verdienst. Wenigstens zehn Prozent. Falke: „Im HSK und hier hält sich der Schaden in Grenzen. Es hat wenigstens ab und an noch geregnet.“ In den Niederungen wie im Raum Delbrück müssten die Bauern sogar mit bis zu 30 Prozent Ernteausfall rechnen.

Weniger Schädlinge in diesem Jahr

Am schlimmsten erwischt hat es auf den Versuchsflächen den Winterraps. Im Herbst bei der Aussaat war es zu nass. So ist er mancherorts spärlich aufgegangen. Am meisten geschadet haben die Februar- und späten Märzfröste dem Raps- und Maisanbau. Brockerhoff zeigt auf die Ränder der Rapsparzellen. „Die Kamille wächst überall dort, wo die Rapssaat nicht aufgegangen ist.“ Bauern müssen beim Raps mit 30 Prozent Einbußen rechnen. Falke: „Oder auch mehr.“

Ein Trost: In diesem Jahr gibt es weniger Blattläuse. Die Bauern können den Pflanzenschutz reduzieren. Auch die Schnecken- und Feldmausplagen der vergangenen zwei Jahre ist erst einmal vorbei.

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Altkreis Brilon.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik