Trickbetrüger

Wie man sich gegen Abzock-Fallen am Telefon wehren kann

Gerade Senioren werden bei Haustürgeschäften und Telefonabzocke gerne ausgenommen und übers Ohr gehauen.

Gerade Senioren werden bei Haustürgeschäften und Telefonabzocke gerne ausgenommen und übers Ohr gehauen.

Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool

Olsberg.  Ein Rentner aus Olsberg fällt auf einen Trick herein und bestellt ein mutmaßlich wertloses und überteuertes Produkt. Doch er bekommt Hilfe.

Die Masche ist immer die gleiche und sie funktioniert immer wieder: Vor allem ältere Menschen werden angerufen, über irritierende Fragen am Anfang gelangt das Gegenüber an ihre Adresse, sie sagen einmal zu viel „Ja“ - und schon haben sie etwas bestellt, ohne es zu wollen. Wie schnell das geht, musste ein 82-jähriger Mann aus dem Raum Olsberg erfahren.„Die haben abends hier angerufen und mir irgendwelche Vitamintabletten angeboten, die ich überhaupt nicht haben wollte“, erklärt der Olsberger.

Die, das ist eine Firma aus der Schweiz mit deutschem Standort, wie sich später rausstellt. Dann nämlich, als er die Tabletten samt Überweisungsträger erhält. Er soll 98,85 Euro zahlen. Sein Schwiegersohn recherchiert im Internet, liest von mehreren Betrugsfällen dieser Art und auch der Firma.

Verbraucherzentrale: Wir haben diese Fälle jeden Tag

Er wendet sich an die Verbraucherzentrale des HSK in Arnsberg. Das war im Januar. Jetzt, fünf Monate, zwei Briefe und keine Reaktion später, kann der Senior davon ausgehen, dass nichts mehr kommt. Allerdings: verjährt ist die Forderung noch nicht - wenn es denn eine wäre.„Wir haben diese Fälle jeden Tag“, sagt Angelika Walter, Beraterin bei der Verbraucherzentrale. Sie ergänzt: „Diese Art von Angeboten per Telefon ist nicht zulässig, das verstößt gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.“ Man dürfe nicht aus heiterem Himmel angerufen werden, sondern nur, wenn es vorher einen Kontakt gegeben habe und eine Einwilligung des Kunden, dass weitere Angebote gemacht werden dürfen. Trotzdem kann dies passieren, weil jemand einfach an die Nummer gekommen ist. Anrufe, wie sie der Olsberger erhalten hat, seien so genannte „Kaltanrufe“.

Die Datenschutzgrundverordnung, die vor einem Jahr in Kraft trat, habe ja bewusst auch darauf gezielt, dass Telefonnummern und Adressen nicht mehr weitergegeben werden, umso mehr erstaune es sie, dass immer noch so häufig Menschen einfach angerufen würden, sagt Walter.

Gezielt Namen aus dem Telefonbuch suchen, die nach Senioren klingen

Sie vermutet, dass die Firmen die Nummern aus dem Telefonbuch suchen und dann nach den Vornamen gehen: Franz, Berthold, Rudolf... alles, was auf ältere Personen hindeutet, wird angerufen.

Auch der Olsberger passt in dieses Raster. Und er sollte nun künftig sogar jedes Vierteljahr eine Dreimonatspackung der Vitamintabletten zugeschickt bekommen, dieses speziell günstigen Angebots, natürlich könne er jederzeit telefonisch kündigen. „Die Frau hat mich einfach nicht in Ruhe gelassen. Nachher hat sie gesagt, sie würde mir die Tabletten zum Testen völlig unverbindlich und kostenfrei senden. Und dann kam eine dicke Rechnung von fast 100 Euro. Das war überhaupt nicht vereinbart und besprochen.“

Es ist kein rechtskräftiger Vertrag zustande gekommen

Die Verbraucherzentrale habe ihm zum Glück helfen können.„Wir haben das Unternehmen angeschrieben und mitgeteilt, dass es sich bei der Rechnung um eine unberechtigte Forderung handelt. Der Kunde habe keinen Vertrag abgeschlossen“, sagt Angelika Walter. So ist das Unternehmen in der Pflicht, es müsste nachweisen - zum Beispiel durch eine Tonbandaufnahme des Telefongesprächs -, dass doch ein rechtskräftiger Vertrag zustande kam. Ende Februar schrieb die Verbraucherzentrale das Unternehmen zum zweiten Mal an, setzte eine Frist bis Ende März für eine Antwort. Es kam nichts.

14 Tage Widerrufungsrecht bei Fernabsatzverträgen

„Man kann davon ausgehen, dass sie sich nicht mehr melden“, sagt Angelika Walter. Verjährt sei die Forderung allerdings erst drei Jahre nach Sicht der Ware. Am gleichen Tag habe sie zum Beispiel eine Frau am Telefon gehabt, die Wein gekauft habe: „Sie wollte eigentlich gar nicht. Aber am anderen Ende der Leitung klangen sie so freundlich, kannten sich so gut aus und schon hat sie sich beeinflussen lassen und die Ware bestellt.“ Erst nach dem Gespräch kommen die Zweifel, das ungute Gefühl. Da die Kundin keine Telefonnummer, keine Adresse hat, muss sie warten, bis der Wein da ist. Danach hat sie, sollte sie wirklich einen Vertrag abgeschlossen haben und auch in einem beiliegenden Schreiben darüber informiert sein, 14 Tage Widerrufungsrecht, weil es sich um einen Vertrag nach dem Fernabsatz handelt.

Man sei nie auf ein solches Gespräch eingestellt und immer leicht zu überrumpeln, beruhigt die Beraterin jene, die drauf reingefallen sind und sich nun fragen, warum ihnen das passiert ist. So auch der 82-jährige Olsberger. Er sollte die Ware zur Sicherheit noch eine Weile verwahren, für den Fall der Fälle. Denn oft enthalten die Musterbriefe Sätze wie „Die zugesendete Ware liegt zur Abholung bereit, holen Sie sie ab, sonst entsorge ich sie.“Und wie lässt sich der Ärger vor vorneherein komplett vermeiden? „Sich konsequent nicht auf Geschäfte am Telefon einlassen, nicht aus Freundlichkeit schwach werden“, sagt Walter. Und wie? „Einfach nur sofort sagen: Kein Interesse und auflegen. Bloß nicht in ein längeres Gespräch verwickeln lassen!“

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