Rückruf

Wilke vor Wurst-Skandal mit Hygiene-Zertifikat ausgezeichnet

Firmenschilder kennzeichnen die Einfahrt zum Werksgelände des nordhessischen Wurstherstellers Wilke. Die Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Foto:

Firmenschilder kennzeichnen die Einfahrt zum Werksgelände des nordhessischen Wurstherstellers Wilke. Die Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Foto:

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Korbach/Hannover.  Der Wursthersteller Wilke wurde im August 2018 mit einer Art Hygiene-Siegel ausgezeichnet. Der Betrieb war mit „Höherem Niveau“ bewertet worden.

Im Zusammenhang mit der belasteten Wilke-Wurst wird jetzt auch über ein sogenanntes IFS-Zertifikat diskutiert, das Wilke noch im Juli 2018 bekommen hatte. Ob Kontrolleure versagten oder Wilke die Auditoren getäuscht habe, will der IFS-Dachverband nun prüfen.

Anforderungen der Food-Zertifizierung gelten als besonders streng

Die Anforderungen der Food-Zertifizierung gelten als besonders streng: Vorgeschrieben sind demnach unter anderem Reinigungs- und Desinfektionspläne, die auch bewertet werden müssen; die Personalhygiene muss regelmäßig überprüft werden; Abfälle müssen „so rasch wie möglich“ aus Räumen entfernt werden, in denen mit Lebensmitteln gearbeitet wird und „Abfallsammelräume“ müssen so konzipiert sein, dass „sie sauber sind und die Anziehung für Schädlinge minimiert wird“. Auch ist vorgeschrieben, dass sich an Wänden, Mauern und Decken kein Schmutz ansammeln kann, sensible Produktionsbereiche müssen so „betrieben und überwacht“ werden, dass die Produktsicherheit nicht gefährdet ist.

Zertifikat war vor kurzem auf der Internetseite von Wilke zu finden

In allen Bereichen – ob Hygiene, Produktion, Transport, Außenbereich, Lagerung oder Verpackung – gibt es Vorgaben, die von Auditoren für eine Zertifizierung bewertet werden. Für Wilke Wurstwaren hat das die DQS CFS GmbH aus Frankfurt übernommen. Laut Zertifikat, das bis vor kurzem auf der Internetseite von Wilke zu finden war, jetzt aber nicht mehr zugänglich ist, gab es im Juli 2018 ein Audit, also eine Kontrolle. Angekündigt, wie es auf dem Dokument heißt. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Auf „Höherem Niveau“ hat Wilke demnach abgeschnitten. Das nächste Audit hätte, um das Zertifikat zu bestätigen, zwischen Mai und Juli diesen Jahres stattfinden müssen. Es ist unwahrscheinlich, dass es dazu gekommen ist.

Am 26. August 2019 lief das Zertifikat aus. Eine Voraussetzung für den Weiterbetrieb ist ein solches Dokument zwar nicht. Doch in der Lebensmittelbranche ist es üblich, dass Betriebe diese vorweisen, um zu beweisen, dass sie auf Qualität achten.

Wie ist es möglich, dass der Betrieb im Juli 2018 eine strenge Kontrolle bestanden hat und nur knapp zwei Monate später Fotos von schimmeligen Würsten dort aufgenommen wurden? Der Geschäftsführer der Dachorganisation IFS Management, Stephan Tromp, sagte gegenüber welt.de, dass man nun prüfen müsse, ob Wilke eine „große Show veranstaltet und womöglich mit krimineller Energie getäuscht hat oder ob ein Auditorenversagen vorliegt“. Auffällig ist, dass das Audit bei Wilke an nur einem Tag stattfand – in einem Betrieb mit 25 000 Quadratmetern Betriebsfläche und gut 200 Mitarbeitern.

Keim, der genetisch eng verwandt ist mit den Listerien in Wilke-Waren

Unterdessen gibt es möglicherweise gibt es einen weiteren Todesfall durch Produkte von Wilke Wurstwaren. Zwei Niedersachsen, bei denen Listerien nachgewiesen wurden, sind gestorben. Unterdessen wurde bekannt: Dass Unternehmen war zertifiziert für die Einhaltung unter an derem für Hygiene-Standards.

Bei einem Verstorbenen ist laut Landesgesundheitsamt in Hannover nicht sicher, ob die Listerien-Erkrankung zum Tode führte. Bei insgesamt drei Personen seien Listerien nachgewiesen worden, die mit dem Erreger aus der Wilke-Wurst „genetisch eng verwandt“ seien.

Todesfälle: Betroffene sind zwischen 50 und 90 Jahre alt

Das Landesgesundheitsamt in Hannover bestätigte am Dienstag auf Anfrage drei Fälle von Listerien-Erkrankungen. Zwei der Infizierten seien gestorben, ein weiterer schwer erkrankt. Bei einem Verstorbenen wurde festgestellt, dass er nicht an der Listerien-Erkrankung verstorben ist, der zweite Fall ist noch unklar.

Zwei der drei Verdachtsfälle traten bereits im vergangenen Jahr auf. Die Betroffenen sind laut Landesgesundheitsamt zwischen 50 und 90 Jahre alt. Alle drei Fälle wurden vom Landesgesundheitsamt an das Robert-Koch-Institut (RKI) abgegeben.

Leserkommentare (13) Kommentar schreiben