Windkraft

Willingen ist gegen Windkraft-Vorrangzonen

Viele Bürger aus dem Upland und dem Sauerland kamen zur Windkraft-Infoveranstaltung mit dem Willinger Bürgermeister Thomas Trachte

Viele Bürger aus dem Upland und dem Sauerland kamen zur Windkraft-Infoveranstaltung mit dem Willinger Bürgermeister Thomas Trachte

Foto: Rita Maurer

Altkreis/Willingen.  Die von der Bezirksregierung Kassel im Upland geplanten Flächen würden durch die unmittelbare Grenznähe auch die Bürger in Medebach, Winterberg, Olsberg und Brilon betreffen.

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Draußen wehten Luftballons der Bürgerinitiative „Gegenwind Titmaringhausen“, drinnen hatte sie ein großes Transparent aufgehängt; das Bündnis Winterberg war vertreten und bei der Diskussion meldete sich mehrfach Winfried Rampe von der Bürgerinitiative „Gegenwind Bruchauser Steine“ zu Wort: In der Usselner Schützenhalle bezogen die Sauerländer auf NRW-Seite bei der Info-Veranstaltung von Bürgermeister Thomas Trachte zu den geplanten Windvorrangzonen im Upland deutlicher Stellung als scheinbar viele der betroffenen Willinger Bürger selbst. Über die Haltung der Gemeinde Willingen hat die WP mit Thomas Trachte gesprochen.

Wie stehen Sie und die Gemeinde Willingen zu den im Teilentwurf des Kasseler Regionalplans ausgewiesenen Windkraft-Vorrangzonen?

Wir lehnen alle im Upland ausgewiesenen Flächen aus unterschiedlichen Gründen ab. Die Gründe legen wir in einer ausführlichen Stellungnahme dar, die wir bis spätestens zum 29. Mai in Kassel einreichen werden.

Warum hatten Sie seinerzeit die Flächen am Hohen Pön und am Hopperskopf selbst vorgeschlagen?

In diesem Bereich sollten ursprünglich auf nordrhein-westfälischem Gebiet Windvorrangzonen entstehen. Deshalb hielten wir es in der damaligen Planungsphase für sinnvoll, auf der hessischen Seite kleinere Gebiete anzuschließen und so ein Gemeinschaftsprojekt zu ermöglichen. Dafür sollten andere Flächen im Upland entfallen mit dem Ziel der Konzentration von Anlagen.

Diesen Vorschlag haben wir dem Regierungspräsidium Kassel so gemacht. Das Regierungspräsidium Kassel hat jedoch ohne Rücksprache mit uns die von uns vorgeschlagenen Anschlussflächen erheblich vergrößert und auch alle anderen Flächen im Upland im Plan gelassen. Eine Vorgehensweise, die wir so nicht beantragt und gewollt haben.

Nachdem man auf der NRW-Seite die ursprünglichen Pläne nicht mehr verfolgte und die Flächen nach inzwischen gewonnenen Erkenntnissen aus Naturschutzgründen sowieso nicht mehr in Betracht kommen, werden wir die Herausnahme der Flächen auf der hessischen Seite beantragen.

Werden Sie eine Vorrangzone auf Willinger Gebiet ausweisen?

Aufgrund der im Laufe der Bearbeitung gewonnenen Erkenntnisse halten wir es auch bei der vorgeschriebenen Positivplanung für schwierig, im Upland für Windvorrangzonen geeignete Flächen auszuweisen. Entweder liegen die Flächen in touristischen Kernzonen oder sie sind aus natur- und artenschutzfachlichen Gesichtspunkten nicht geeignet oder sie passen nicht zu den Planungen auf der NRW-Seite. Weiterhin fordern wir größere Abstände zu Siedlungsflächen, weil die gesundheitlichen Risiken, die von Windrädern für Menschen ausgehen können (Stichwort Infraschall) nach unserer Meinung noch nicht sicher geklärt sind.

Aus Gründen der Vorsicht sollte man vorerst größere Abstände vorsehen, wie das anderswo in Deutschland und auch der Welt praktiziert wird. Aber alles das muss noch abschließend geprüft werden.

Gibt es bereits Investoren für die Willinger Windkraftflächen, sind die Flächen in Privateigentum? Welche Argumente werden Sie in Ihrer Stellungnahme an die Bezirksregierung in Kassel anführen?

Natürlich sind auch im Upland Privatinvestoren dabei, die Realisierung von Windparks zu prüfen bzw. zu beantragen. Die benötigten Flächen sind fast vollständig im Privateigentum. Die Gemeinde wird nach heutiger Beschlusslage keine Flächen für den Bau von Windrädern zur Verfügung stellen, da uns der Schutz der Landschaft wichtiger ist als die eventuell möglichen Mehreinnahmen im Haushalt.

Wie gesagt, unsere Bedenken beziehen sich auf Naturschutz, Schutz des Menschen, Landschaftsschutz als Grundlage für einen nachhaltigen Tourismus aufgrund der hohen Tourismusintensität und der Abhängig eines Großteils der örtlichen Wirtschaft von diesem Segment. Wir werden unsere Bedenken sowohl im Raumordnungsverfahren als auch bei Einzelgenehmigungsverfahren vorbringen.

Kürzlich fand eine Zusammenkunft mit den Bürgermeistern der betroffenen HSK-Nachbarstädte und dem Landrat Dr. Karl Schneider statt. Gibt es hier schon Ergebnisse?

Es stehen noch weitere Gespräche aus, um die Planungen in unserer Region grenzübergreifend gut aufeinander abzustimmen. Deswegen kann ich heute noch keine konkreten Ergebnisse nennen.

Wenn man sich die Karte des Teilentwurfs ansieht, fällt auf, dass viele geplante Vorrangzonen genau an der Grenze zu NRW stehen und eventuelle Windräder damit auch die westfälischen Nachbarn betreffen würden. Warum wird so geplant?

Ob und warum das generell so ist, kann ich nicht sagen. Das müssen Sie das Regierungspräsidium in Kassel fragen.

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