Windkraft

Windkraftpläne überschreiten Grenzen

Bei der WP-Staffelwanderung war der Blick vom Krutenberg ins hessische Upland noch nicht durch Windräder verstellt.

Bei der WP-Staffelwanderung war der Blick vom Krutenberg ins hessische Upland noch nicht durch Windräder verstellt.

Foto: Rita Maurer

Medebach/Winterberg/Willingen.   Pläne der hessischen Nachbarn, entlang der Landesgrenze zu NRW die Konzentration von Windkraftanlagen vorsehen, sorgen im Raum Medebach und Winterberg für Unmut.

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Eigentlich hatte sich der Sturm zum Thema Windkraft in Winterberg und Medebach erst einmal gelegt. Die Stellungnahmen gegen die Pläne der Bezirksregierung Arnsberg sind geschrieben und werden derzeit ausgewertet. Bis voraussichtlich in 2016 ein überarbeiteter Regionalplanentwurf auf den Tisch kommt, sollte Atempause sein.

Doch jetzt schwappen hessische Windkraftpläne über die Landesgrenze: hier kämpfen Kommunen und Bürger momentan gegen eine massive Konzentration von Windrädern, die die Bezirksregierung in Kassel vor allem entlang der Landesgrenze zu NRW vorsieht.

Alleine in der Gemeinde Willingen sind demnach 560 Hektar Windkraftvorrangzonen geplant, davon über 300 Hektar unmittelbar an den Grenzen zu Medebach und Winterberg.

Mehr als 40 Windräder möglich

In dem Bereich wären dann mehr als 40 Windräder mit einer Höhe von 200 Metern möglich. Besonders ärgerlich für die NRW-Anrainer: die von der hessischen Bezirksregierung angedachten Vorrangzonen grenzen direkt an mögliche Vorrangflächen, die auf NRW-Seite mit hohem zeitlichen und finanziellen Engagement von Bürgerinitiativen bislang verhindert werden konnten. So hatten z.B. Johannes Frese und seine Mitstreiter von der Initiative „Gegenwind Titmaringhausen“ auf eigene Kosten ein Artenschutzgutachten erstellen lassen, das mit dazu beitrug, dass die Investorenfirma die Pläne für die Medebacher Fläche „Krutenberg” zunächst ad acta gelegt hat. Auch die im aktuellen NRW-Regionalplan noch nicht enthaltene landeseigene Fläche „Hillekopf” bei Küstelberg rückt mit den hessischen Plänen wieder in den Medebacher Brennpunkt, da sich hier von Willinger Seite her eine WKA-Vorrangzone anschließen soll.

Ähnlich sieht es in Winterberg aus: mit den hessischen Windrädern würden eine von Bürgern, Rat und Verwaltung bislang abgelehnte Vorrangzone am Niedersfelder Langenberg (Hochheide) sowie eine mögliche Regionalplan-Ersatzfläche am „Hopperkopf” bei Hildfeld erheblich an Brisanz gewinnen.

„Dann droht ein Domino-Effekt“, befürchtet Michael Brinkmann von der Bürgerinitiative „Bündnis Winterberg”. Über Windräder auf hessischer Seite und das dadurch entstehende Argument „massive Vorschädigung“ könnten bisher als ungeeignet eingestufte WKA-Flächen auf NRW-Gebiet in den Fokus rücken. „Erfolgreiche Bemühungen auf der einen Seite nutzen wenig, wenn in Sichtweite im Nachbar-Bundesland trotzdem Windräder gebaut werden. Noch dazu direkt an der Landesgrenze, wogegen sich ein großer Teil der Betroffenen kaum wehren kann.“ Zusätzlich würden die hessischen Windräder weit über die Landesgrenze hinaus in Winterberg und Medebach zu sehen sein.

Thomas Trachte, der parteilose Bürgermeister von Willingen, sieht somit in den nordhessischen Windkraftplänen eine Existenzgefährdung für die Lebensqualität und den Tourismus nicht nur in Willingen, sondern auch im benachbarten Sauerland, wie er im Gespräch mit der WP äußerte.

Stellungnahmen auch aus NRW

Die Gemeinde Willingen wird sich daher ausdrücklich gegen alle geplanten Vorrangzonen aussprechen (Bericht folgt).

Johannes Frese bietet den Willingern aktive Hilfe an, um das über 50 Quadratkilometer große, zusammenhängende Waldgebiet an der Medebacher Nordgrenze mit seinen seltenen Tier- und Pflanzenarten und dem über 60 Kilometer weit reichenden Rundblick zu schützen. „Der Naturschutz macht nicht an Grenzen halt. Wir sind gerne bereit, unsere Untersuchungen und Argumente auf die hessische Regionen zu erweitern.“

Die Zeit dafür wird jedoch langsam knapp: Der Windkraft-Entwurf des Regionalplans Nordhessen ist derzeit nach der ersten Überarbeitung bereits zum zweiten Mal offengelegt. Bis zum 29. Mai können Bedenken und Stellungnahmen auch von westfälischer Seite beim Regierungspräsidium Kassel eingereicht werden.

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