Natur+Tourismus

Winterberg: Debatte um den Naturschutz in den Skigebieten

| Lesedauer: 3 Minuten
Führung über die Pisten im Skidorf Neuastenberg bei Winterberg mit angeregter Diskussion. Kann Wintersport und Naturschutz im Einklang stattfinden?

Führung über die Pisten im Skidorf Neuastenberg bei Winterberg mit angeregter Diskussion. Kann Wintersport und Naturschutz im Einklang stattfinden?

Foto: wintersport arena sauerland

Winterberg/Willingen.  Entlang der Pisten der Wintersport-Arena Sauerland gibt es großen Artenreichtum. Sind Wintersport und Naturschutz in Einklang zu bringen?

Der besondere Artenreichtum weiter Teile der Pisten der Wintersport-Arena Sauerland macht diese Flächen zu einer Heimat für seltene Pflanzen und Tiere. Die Liftbetreiber in Neuastenberg planen jetzt naturkundliche Führungen. Mit Betreibern der umliegenden Winterberger Skigebiete, des Skigebietes Willingen, Mitarbeitern der Tourist-Information und dem zuständigen Vertreter der Biologischen Station des HSK haben sie sich getroffen, Erfahrungen ausgetauscht und diskutiert.

Lesen Sie auch:Filmpremiere: Winterberger Regisseurin zeigt Erstlingswerk

Teile der Pisten naturschutzrechtlich gesichert

Die überwiegend extensive Bewirtschaftung der Pistenflächen im Sommer schafft die Grundlage für einen besonderen Artenreichtum. Im hoch gelegenen Kerngebiet der Wintersport-Arena Sauerland sind zudem große Teile der Pisten naturschutzrechtlich gesichert. Wie moderner Wintersport, der die Ansprüche der Gäste erfüllt, die dazu notwendige Technik und Naturschutz zusammenwirkt, sollen in Neuastenberg Führungen unter Leitung von Meinolf Pape zeigen. Der Dipl. Geograph führt die Teilnehmer an der Osthang-Sesselbahn vorbei zur unteren Postwiese und von dort über den Westhang und den Bereich Tenne zurück zum Ausgangspunkt. Auf diesem Weg sind Bergwiesen- und Heideflächen zu sehen. Die Teilnehmer hören Erklärungen, wie monokulturell mit Fichtenanbau bewirtschaftete in offene, extensiv bewirtschaftete, artenreiche Flächen verwandelt wurden. Sie bekommen Erklärungen zu Wasserbedarf, -speicherung und -kreislauf. Ebenso zu gesetzlichen Standards und die damit einhergehenden Naturschutzauflagen, denen die Liftbetreiber unterliegen. Unterwegs entdecken die Besucher mit etwas Glück die kleine Ziegenherde, die als „biologischer Rasenmäher“ tätig ist, erfahren, warum dies so wichtig ist, entdecken die für die Bergwiesen und Heiden so typischen Pflanzen.

Sensibilität für Energieeffizienz wird immer größer

Die Führungen gehören zum Projekt „Nachhaltige Wintersport-Arena“. Die Skigebiete in den Sommermonaten mit ihrer naturräumlichen Vielfalt und ihrem Erlebnisreichtum präsent zu machen, ist eines der Ziele. Dies soll unter anderem durch Naturführungen dieser Art geschehen. Interesse zeigen Gäste oftmals an der schönen, oft einzigartigen Natur. Auf der anderen Seite möchten Skifahrer gern wissen, wie im Winter Schnee erzeugt und die Pisten präpariert werden.

Auch die Sensibilität für Energieeffizienz wird immer größer. Auf all dies geht Meinolf Pape ein und beantwortet viele Fragen. Das Besondere an den Führungen in Neuastenberg ist die Kombination der Themen Natur und Technik. Teilbereiche solcher Führungen werden bereits im Skigebiet Willingen und im Skiliftkarussell Winterberg angeboten. Ein Erfahrungsaustausch unter den Betreibern ist darum sinnvoll. So will das Skigebiet Willingen künftig der Natur einen größeren Platz einräumen.

Dr. Axel Schulte von der Biologischen Station HSK hat am Treffen teilgenommen und mitdiskutiert. Immer wieder stand die Frage nach dem Zusammenspiel von Naturschutz und Einsatz technischer Mittel zur Sprache. Ebenso Möglichkeiten der Entwicklung der Skigebiete und die dafür notwendigen Baumaßnahmen, ohne die Flora und Fauna zu schädigen. Der Biologe warnt deutlich vor Neophyten. Das sind Pflanzen, die durch menschliches Einwirken in Gebiete hineingetragen werden, sich dort ausbreiten und die ursprüngliche Vegetation verdrängen. „Der Erhalt von Lebensräumen in Wintersportgebieten ist kein Selbstläufer“, betont Dr. Schulte. „Vorkommen besonders seltener Tier- und Pflanzenarten können hier erhalten werden, wenn die Art der Nutzung, der Pistenpflege und der Baumaßnahmen detailliert abgestimmt und genauso umgesetzt werden.“ Das brauche eine kontinuierliche ökologische Baubegleitung. „Diese Begleitung ist gesetzlich vorgeschrieben und Teil jeder größeren Baumaßnahe“, erklärt Meinolf Pape.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Altkreis Brilon

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben