Alkohol am Steuer

Winterberg – Fahrer mit 2,28 Promille hat skurrile Ausrede

Die Polizei machte einen Atemalkoholtest und nahm den Fahrer mit zur Blutprobe.

Die Polizei machte einen Atemalkoholtest und nahm den Fahrer mit zur Blutprobe.

Foto: Andreas Arnold / dpa

Medebach/Winterberg.  Mit 2,28 Promille Alkohol im Blut wird ein Autofahrer in Züschen bei Winterberg von der Polizei erwischt. Seine Ausrede ist abenteuerlich.

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„So’n Mist, das hätte ich nicht machen sollen.“ Das habe der Angeklagte ihm gegenüber immer wieder gesagt, erinnerte sich jetzt ein Polizeibeamter vor dem Medebacher Amtsgericht. Geladen war er dort als Zeuge im Prozess gegen einen 69-jährigen Winterberger. Der Vorwurf: Trunkenheit im Verkehr. Den streitet der Angeklagte aber ab und erzählt vor Gericht eine abenteuerliche Geschichte.

An einem Maiabend hatte dieser an einer steilen Straße in Züschen versucht, sein quer auf der Fahrbahn stehendes Auto nach einer Panne durch Anschieben wieder flott zu machen. Das allerdings mit nicht weniger als 2,28 Promille Alkohol im Blut.

Dann kam die Polizei – alarmiert von einer Zeugin, der die Sache „komisch vorgekommen“ war. Die Beamten überzeugten sich, dass der Wagen tatsächlich nicht mehr zu starten war, ließen den Fahrer ins Röhrchen pusten und nahmen ihn dann gleich mit zu einer Blutprobe. Auch der Führerschein war umgehend weg.

„Das war ein Schock für mich, als die Polizei kam“, so der Angeklagte vor Gericht. „Ich finde es auch erstaunlich, welches Ergebnis bei der Blutprobe herauskam.“ Nach dem Vortest sei nämlich von deutlich weniger Promille die Rede gewesen.

Angeblich in der Wartezeit getrunken

Und dann hörte das Gericht die ganze Version des Angeklagten vom Ablauf jenes Abends. Es sei nämlich alles ganz anders gewesen: Er habe den Oldtimer eines Bekannten auf dessen Wunsch zu einer Bewegungsfahrt herausgeholt, nüchtern wohlgemerkt. Von Hallenberg nach Winterberg sei er gefahren und habe in einem dortigen Discounter eingekauft – unter anderem alkoholische Getränke.

Mit den Einkäufen sei er dann weiter gefahren, bis in Züschen plötzlich der Motor streikte. Zwischen 17 und 17.30 Uhr sei das gewesen. „Da habe ich meinen Bruder angerufen, damit er kommt und mir hilft, das Auto wieder flott zu kriegen.“ Der Bruder hatte kurzfristig aber keine Zeit und war noch nicht eingetroffen, als gegen 19.30 Uhr die Polizei auf der Bildfläche erschien.

In dieser Wartezeit habe er sich dann, „ich kann mir nicht erklären weshalb“, mit dem zuvor gekauften Alkohol auf die 2,28 Promille getrunken. Ganz genau seien es drei Halbliterdosen Bier und sieben kleine Dosen Prosecco gewesen. „Sind Sie solche Mengen Alkohol gewöhnt?“, wollte der Staatsanwalt wissen. „Nein.“

Demontage durch Fakten

Eine Geschichte, die für den Anklagevertreter und auch das Gericht viele Fragen aufwarf. „Was wäre passiert, wenn Ihr Bruder vor der Polizei eingetroffen wäre?“, fragte Richter Seidel. „In dem Fall wäre der Wagen natürlich an Ort und Stelle stehen geblieben“, beteuerte der Angeklagte.

Sein Problem: Außer ihm selbst und seiner Anwältin stützte nichts und niemand diese Geschichte. Eine Zeugin, die in ihrem Pkw zweimal im Abstand von zehn Minuten an dem Pannenort vorbeigekommen war, schilderte die Situation vor Gericht als „seltsam“.

Sie habe jeweils Hilfe angeboten, sei aber abgewiesen worden. Verhalten und Zustand des Mannes hätten ihr zu denken gegeben; sie befürchtete, er könne betrunken, unter Drogen oder dement sein. „Es ist steil da. Es wäre gefährlich gewesen, hätte er das Auto auf die Straße geschoben.“ Sie rief die Polizei.

Kühler war noch warm

Auch die Beamten trafen den Mann noch bei Schiebeversuchen an – der nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt immerhin seit gut zwei Stunden dort stand. Die Polizisten befühlten den Kühler des Oldtimers: warm. Getränkedosen im Auto stellten sie nicht fest. „Das Fahrzeug roch nicht, nur der Herr.“

Nach all diesen Fakten half es auch nichts mehr, dass die Rechtsanwältin des Angeklagten die Wärme im Kühler auf die „lange Sonneneinstrahlung“ während der angeblichen Wartezeit schob. Die vom Richter verlesene Wettermeldung vom fraglichen Tag besagte jedoch: nicht über 9 Grad Celsius im Sauerland.

„Diese Geschichte ist Ihr gutes Recht, aber völlig unglaubwürdig“, fasste der Richter zusammen und verhängte 900 Euro Geldstrafe in 30 Tagessätzen, so wie vom Staatsanwalt gefordert. Seinen Führerschein, auf den der Angeklagte bereits seit dem Vorfall im vergangenen Mai verzichten muss, wird er zudem für mindestens fünf weitere Monate nicht wiedersehen.

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