Tourismus

Illegale Ferienwohnungen: Winterberg sucht schwarze Schafe

Ungewöhnliche, aber umso eindrucksvollere Perspektive: Blick auf Winterberg mit dem Astenturm im Vordergrund.

Ungewöhnliche, aber umso eindrucksvollere Perspektive: Blick auf Winterberg mit dem Astenturm im Vordergrund.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Winterberg/Brilon.  Wer in Winterberg Ferienquartiere anbietet, muss das bei der Stadt als Gewerbe anmelden. Aber es gibt schwarze Schafe, die nun aufgespürt werden.

Schwarze Schafe gibt es immer und überall. Und nach schwarzen Schafen, die in Winterberg Ferienquartiere anbieten ohne sie bei der Stadt gemeldet zu haben, wird inzwischen offiziell gefahndet. Für eine Übergangszeit bis Ende 2020 ist in der Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH (WTW) seit Mai eine Arbeitskraft abgestellt, die im Internet recherchiert, nach säumigen Betrieben sucht – und auch schon einige gefunden hat.

Es geht um Kurbeiträge

„Das Thema beschäftigt uns schon seit Anfang 2018. Die verpflichtende Einführung des elektronischen Meldescheins ermöglichte eine Übersicht über die durchschnittliche Auslastung größerer Betriebe“, sagt Tourismusdirektor Michael Beckmann.

Wenn ein Großteil der Häuser zu 70 Prozent belegt war und ein an sich gesunder Betrieb nur auf eine 15-prozentige Auslastung kam, wurde nachgefragt. Bauarbeiten oder eine vorübergehende Schließung seien nachvollziehbare Gründe. „Liegt der Rückgang aber einfach daran, dass die Gäste bei uns nicht gemeldet wurden, dann hat das Konsequenzen. Ein Betrieb wird dann rückwirkend auf Basis der durchschnittlichen Auslastung veranlagt.“

Lizenz zum Vermieten

In diesem Zusammenhang fiel den Touristikern aber auch auf, dass es zahlreiche Wohnungsanbieter bei Internetportalen gibt, die - vereinfacht gesagt - keine Lizenz zum Vermieten haben. Mitunter sind die Leute offenbar sehr einfallsreich. Ein und dasselbe Objekt wird auf unterschiedlichen Portalen unter verschiedenen Namen angeboten – nur bei der Stadt ist es nicht als Quartier gemeldet. Beckmann: „Das zu recherchieren und die Wohnungen aus der Anonymität heraus zu holen, war und ist eine derart aufwändige Arbeit, dass sich bis Ende nächsten Jahres eine Person bei uns vornehmlich damit beschäftigen wird.“

Zwei Millionen Euro jährlich

Für eine Stadt wie Winterberg ist solch ein Aufwand nachvollziehbar und lohnend: Mehr als 600 kurbeitragspflichtige Betriebe von der Ferienwohnung bis zum Hotel sind im Kurort registriert und bescheren dem Tourismusbetrieb Einnahmen in Höhe von jährlich zwei Millionen Euro. Beckmann: „Es ist nicht zuletzt auch eine Frage der Solidarität. Das sind Gelder, die den Tourismusbetrieb finanzieren und mit denen touristische Infrastrukturen geschaffen und erhalten werden.“ Da würden auch Gastgeber kein Pardon kennen und schwarze Schafe anschwärzen. Wird ein säumiger Anbieter aufgespürt, gibt es eine Anhörung und im schlimmsten Fall muss der Kurbeitrag rückwirkend für die Dauer der unangemeldeten Vermietungstätigkeit gezahlt werden.

Mal eben die Dachkammer der verstorbenen Großmutter zur Ferienwohnung umrüsten oder die Kellerwohnung des Sohnes, der zum Studium weggezogen ist, als Urlaubs-Appartement anbieten – so einfach geht es nicht.

„Wer vermieten möchte, sollte zunächst beim Bauamt nachfragen, ob an der Stelle überhaupt ein Fewo-Betrieb zulässig ist. Dann muss eine Vermietung als Gewerbe angemeldet werden und man sollte mit uns, der Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH, Kontakt aufnehmen“, erklärt Beckmann das Procedere. Denn je nach Lage des Objektes ist ein Kurbeitrag fällig: In der Kernstadt sind das 2,50 Euro pro Gast und Nacht; in den Ortsteilen ist es günstiger. Wer darüber hinaus z.B. ins Gastgeberverzeichnis aufgenommen werden möchte, ist ab einem Grundbeitrag von 219 Euro pro Jahr dabei. Wird das Objekt über das Winterberg-Portal gebucht, fällt noch einmal eine Buchungsgebühr von zwei Euro an.

70 neue Ferienwohnungen

Auch in der Stadt Brilon, so Oliver Dülme, Mitgeschäftsführer der BWT Brilon, werde über das Thema Schwarz-Vermarktung diskutiert. „Es ist einfach ungerecht denjenigen gegenüber, die ihren Betrieb ordnungsgemäß gemeldet haben.“ Komme man diesen Spielregeln nach, spreche ja auch nichts dagegen, auf allen Kanälen für sein Objekt zu werben. Olsberg kommt auf 43, Brilon auf 40 gemeldete Betriebe, die Urlauber in der Pension, der Fewo, im Hotel oder im Gasthof beherbergen. Hier gelten ähnliche Spielregeln wie in Winterberg.

Ab 185 Euro Jahresbeitrag (plus Mehrwertsteuer) kann der Vermieter der Tourismusorganisation beitreten und seinen Betrieb darüber vermarkten lassen. Auch in Brilon fallen – je nach Lage – Kurbeiträge an. „Letztlich sind die Zertifizierungen der Wohnungen auch ein Garant dafür, dass man auch wirklich die erwartete Qualität bekommt“, so Dülme.

Die Schwarze-Schafe-Recherche in Winterberg hat übrigens schon Wirkung gezeigt: Welch ein Wunder: Bei der WTW wurden über 70 neue Ferienwohnungen gemeldet.

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