Therapieeinrichtung

Winterberg: Wo Suchtkranke Hilfe finden

Das Haus Nordhang liegt in der Innenstadt, unweit des Bahnhofs und des Einkaufszentrums. 24 Menschen leben derzeit hier, weitere zehn in Außenwohngruppen.

Das Haus Nordhang liegt in der Innenstadt, unweit des Bahnhofs und des Einkaufszentrums. 24 Menschen leben derzeit hier, weitere zehn in Außenwohngruppen.

Foto: Caritas

Winterberg.  Seit 25 Jahren bietet das Haus Nordhang Plätze für Menschen mit Sucht- und psychischen Erkrankungen. Manche bleiben sehr lange dort.

Seit 25 Jahren ist das Haus Nordhang in Winterberg Anlaufstelle und Chancengeber für Menschen mit mehreren schweren Problemen. „Wir nehmen Bewohner auf, die neben einer Suchterkrankung auch eine psychische Behinderung haben – zum Beispiel Depressionen, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen“, sagt Hausleiter Christoph Schwake.

Derzeit versuchen 34 Menschen, hier mit der Hilfe von Fachleuten einen Weg zurück in einen eigenständigen und suchtfreien Alltag zu finden. Viele der Bewohner hätten bereits etliche Therapien hinter sich und keinerlei sozialen Rückhalt mehr. Im Haus Nordhang lernen sie wieder einen geregelten Tagesablauf kennen, mit Arbeit, Freizeit und sozialen Kontakten. Auf die Frage, ob das Angebot an Plätzen den Bedarf deckt, meint Schwake: „Wir sind immer voll belegt und haben eine Interessentenliste. Also nein, es reicht nicht.“

24 Personen wohnen im Haupthaus, das Am Hagenblech 53 nahe dem Bahnhof liegt. Wer in seiner Genesung einen Schritt weiter ist, kann in eine der beiden Außenwohngruppen ziehen, die es in Altastenberg und in der Kernstadt gibt und in denen weitere zehn Personen leben. Dort führen sie ein selbstständigeres Leben, sind zum Beispiel für Einkäufe und die Verwaltung ihres Geldes selbst zuständig.

Viele Bewohner bleiben lange

Wie lange die Bewohner bleiben, ist sehr unterschiedlich. Manche nur ein Jahr, andere mehr als ein Jahrzehnt. „Wenn der Kostenträger, in der Regel ist das der LWL, einverstanden ist, können die Bewohner bleiben, solange sie nicht pflegebedürftig sind“, sagt Schwake – denn auch in einer sozialtherapeutischen Einrichtung ist der demographische Wandel spürbar, die Bewohner werden insgesamt älter. Mindestens ein Jahr lang aber soll jeder bleiben. Das sei das Minimum an Zeit, um zur Ruhe zu kommen und sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen.

Das Haus nimmt sowohl Männer als auch Frauen auf, wobei die Männer aber stets in der Überzahl sind. Derzeit sind unter den 34 Bewohnern nur fünf Frauen. Bei den meisten Suchtformen überwiege schlicht die Zahl der männlichen Betroffenen. Manche der Bewohner haben illegale Drogen konsumiert. „Aber in erster Linie ist es der Alkohol“.

Im Haupthaus gibt es seit dem Umzug 2011 (siehe Infobox) nur noch Einzelzimmer mit eigener Nasszelle. Zusätzlich ist ein Krisenzimmer verfügbar, in dem Patienten unterkommen, die in einer Außenwohngruppe rückfällig geworden sind. Apropos Rückfälle: Direkt gegenüber der Therapieeinrichtung liegt ein Discounter, wenige Meter weiter die Innenstadt mit Kneipen und Geschäften. Wie schwierig ist diese direkte Nachbarschaft? Nicht schwierig, meint Schwake. Denn dass die Patienten nie wieder Alkohol begegneten, sei ohnehin unrealistisch. Schließlich sei Alkohol überall erhältlich und präsent. „Die Leute müssen Strategien finden, mit dieser ständigen Versuchung umzugehen. Darauf therapieren wir hin.“

Durchgetakteter Tagesablauf

Das Haus Nordhang ist eine offene Einrichtung, die Bewohner können sich also frei in der Stadt bewegen. Nur wer neu ist, hat 14 Tage lang lediglich begleiteten Ausgang. Bei der Rückkehr ins Haus werden die Taschen kontrolliert und je nach Ausflug auch ein Atemalkoholtest gemacht. Auch der Tagesablauf ist genau strukturiert, von den Mahlzeiten über Arbeit, Therapieangebote, Freizeit und Nachtruhe. „Struktur ist das A und O bei Therapien von Suchterkrankten“, sagt Schwake. „Struktur ist das, was viele unserer Bewohner jahre- oder jahrzehntelang verloren hatten.“

Hausleiter Schwake ist von Beruf Sozialpädagoge und Suchttherapeut. Neben ihm kümmern sich im Haus Nordhang noch 15 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Patienten – Sozialarbeiter, Psychologen, Heilerziehungspfleger, Erzieher, Handwerker mit pädagogischer Zusatzqualifikation und eine Köchin. Im Zwei-Schicht-Betrieb sind sie für die Bewohner da, nachts gibt es einen Bereitschaftsdienst.

Das Haus pflegt auch Kooperationen, unter anderem mit dem Ambulant Betreuten Wohnen in Winterberg, ebenfalls eine Einrichtung des Caritasverbandes Brilon. Denn auch nach dem Auszug – nach wieviel Jahren auch immer – ist nicht jeder Kranke fit für ein völlig eigenständiges Leben. „Im Ambulant Betreuten Wohnen können sie dann eine eigene Wohnung beziehen, werden aber weiterhin begleitet“, erläutert Schwake. Ein weiterer Schritt auf einem langen Weg.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben