100 Jahre Gymnasium

Winterberger Gymnasium feiert sein Jubiläum

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium Winterberg feiert sein 100-jähriges Jubiläum.

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium Winterberg feiert sein 100-jähriges Jubiläum.

Foto: Rita Maurer / wp

Winterberg.  Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Winterberg wird 100 Jahre alt. Heute gab es eine berührende und mitreißende Jubiläumsfeier.

„Die Schüler, die durch die Schultore gehen, sind unsere Zukunft. Und wenn ich heute die Schüler des Gymnasiums Winterberg sehe, ist mir um diese Zukunft nicht bange!“ Nicht nur Regierungspräsident Hans-Jochen Vogel zeigte sich beim Festakt zum 100. Geburtstag des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Winterberg-Medebach begeistert: Angefangen beim Lehrer-Schüler-Orchester über den Chor aus Schülern der Klassen 5 und EF, mehrere Sportkurse und die Schülervertretung bis hin zur selbstkomponierten und -getexteten Schulhymne „GSG wunderbar“ sorgten Schüler und Lehrer gemeinsam für eine berührende und mitreißende Jubiläumsfeier.

Kein steifer Festakt

Schulleiter Ulrich Cappel hatte mit seinem Team bewusst keinen steifen Festakt, sondern ein buntes Programm organisiert, das einen lebendigen Brückenschlag von den Anfängen des Gymnasiums bis in die heutige Zeit bot. Im Anschluss trafen sich viele Ehemalige zum Feiern und Schwelgen in alten Geschichten.

Ein Blick in 100 Jahre Geschichte

„Was nützen unseren Jungens die lateinischen Brocken?“ Vor 100 Jahren war diese Frage existenziell für das Winterberger Gymnasium. Nach jahrelangen Planungen und Widerständen wurde es am 24. April 1919 als „Private katholische Rektoratsschule“ mit 21 Jungen gegründet - in Räumen, die teilweise vom Krankenhaus oder sogar von Kneipen abgezwackt wurden und auf vom Schützenverein geliehenen Biertischen. Doch nicht nur äußere Umstände und mangelhafte Verkehrsanbindungen brachten die neue Schule immer wieder fast ins Aus.

Energischer Widerspruch

Energische Widersacher waren über Jahrzehnte Bürgermeister und Stadtrat von Winterberg, die die altsprachliche Rektoratsschule für unnütz und zu teuer hielten. Die engagierten Rektoren und Lehrer schafften es über Jahrzehnte nur mit großen Anstrengungen und privatem Verzicht, das Gymnasium vor dem Aus zu bewahren.

Ab 1936 durften auch Mädchen die Schule besuchen, außerdem wurde erstmals Englisch gelehrt. 1940 gab es 105 Schüler, davon 26 Mädchen. 1949 legten zum ersten Mal Schüler die Mittlere Reife ab. Wer das Abitur machen wollte, musste nach Brilon, Fredeburg oder Attendorn wechseln. Die Stadt Winterberg, die weiterhin lieber eine Mittelschule statt ein Gymnasium wollte, kündigte im März 1950 allen Lehrern. Eltern, Lehrer und Kirche schafften es nur mit Mühe, den Erhalt ihrer Schule durchzusetzen. Durch diese Querelen wurde der heutige Förderverein gegründet, der die Existenz des Gymnasiums damals mit Spenden sicherte.

Am 1965 wurde die Schule zum Vollgymnasium mit 318 Schülern, zwei Jahre später machten die ersten Oberstufenschüler ihr Abitur – ein Meilenstein! Zehn dieser Jubel-Abiturienten waren am Freitag beim Festakt in Züschen dabei.

1993 Neubau am Mittelsberg

Weil das „Städtische Neusprachliche Gymnasium“, wie es nun hieß, aus allen Nähten platzte, wurde 1973 das heutige Gebäude neu erbaut. 1994 gab das Gymnasium seinen Werten mit dem Namen „Geschwister-Scholl-Gymnasium“ offiziell Ausdruck. Die bisherigen musisch-kulturellen Schwerpunkte wurden zudem durch eine gezielte Sportförderung begabter Schüler ergänzt, aus der bekannte Sportler wie Bob-Bundestrainer René Spies oder Skeleton-Weltmeisterin Jacqueline Lölling hervorgingen. 2005 erhielt das Gymnasium die Auszeichnung zur „Elite-Schule des Sports“, 2013 zu einer von nur 18 „NRW-Sportschulen“ des Landes.

723 Schüler und 66 Lehrer

Heute hat das Gymnasium 723 Schüler und 66 Lehrer; seit 2010 wird es von Ulrich Cappel geleitet. Passend zum Jubiläum gab es im Juni mit 94 Abiturienten einen neuen Rekord, nach den Sommerferien werden 105 Fünftklässler ihre Schulzeit am Gymnasium beginnen. Doch es gibt nicht nur freudige Ereignisse im Jubiläumsjahr: Morgen wird der Gymnasiums-Standort in Medebach schließen.

Statt in Existenznöten liegen die Herausforderungen neben dem Schulalltag nun eher in schulpolitischen Gegebenheiten. Aber mit der Energie, die das Geschwister-Scholl-Gymnasium durch die vergangenen 100 Jahre getragen hat, wird es sich bestimmt auch in seinem zweiten Jahrhundert behaupten!

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