Karneval

Wo die Karnevals-Kostüme im Sauerland einzigartig sind

Zwischen Piraten, Drachen und Vampiren: Die Kunden von Silvia und Uwe Kemmerling können mit ihnen in fantastische Welten abtauchen.

Zwischen Piraten, Drachen und Vampiren: Die Kunden von Silvia und Uwe Kemmerling können mit ihnen in fantastische Welten abtauchen.

Foto: Laura Baer

Thülen.   Silvia und Uwe Kemmerling haben in ihrem Haus in Thülen Karnevalsladen „KemmisKramKiste“ eröffnet. Persönliche Beratung ist ihnen sehr wichtig.

Das Treppenhaus ist das, was in großen Modehäusern Showroom heißt, die umgebaute Garage dient als Verkaufsraum: In ihrem Haus in Thülen haben sich Silvia und Uwe Kemmerling einen Karnevalsladen eingerichtet. In „KemmisKramKiste“ glitzert und funkelt es an jeder Ecke, die selbstgebauten Regalsysteme biegen sich unter Schmuck, Sonnenbrillen und Perücken. Hinter den Kleiderstangen voller Kostüme sind die Wände der ehemaligen Garage kaum noch zu erkennen. „Mein kleines Paradies“, sagt Silvia Kemmerling über ihr Karnevalslädchen, das tatsächlich wirkt wie die magische Verkleidungskiste aus Kindertagen – nur eben in riesig und begehbar.

Die Idee

Was eigentlich ein nebengewerblicher Handel mit Elektro-B-Ware werden sollte, endet im Sommer 2017 spontan in einem deutlich farbenfroheren Projekt. „Mein Mann und ich waren schon länger auf der Suche nach einem nebenberuflichen Gewerbe. Der Schein war auch schon beantragt. Als ich dann eines Tages nach Hause gekommen bin, stand der Laptop auf dem Tisch, vom Bildschirm leuchteten mir bunte Karnevalsartikel entgegen. Mein Mann sagte zur Begrüßung nur: ‘Ich hab es’“, erinnert sich Silvia Kemmerling.

Kurzentschlossen ruft das Ehepaar den Online-Händler an, der sich von seinem Karnevalssortiment trennen möchte. Der stellt für den Verkauf allerdings eine Bedingung: In zwei Tagen müssen die Kostüme abgeholt sein. Ein Umstand, der den Kemmerlings die Entscheidung für ihr neues Nebengewerbe schließlich abnimmt. Mit Bulli, Anhänger und dem Neffen im Schlepptau machen sie sich auf den Weg zum Händler. Als sie nachts wieder in Thülen ankommen, sind Auto und Anhänger bis an die Decke gefüllt.

Die Entwicklung

Beim Auspacken am nächsten Tag dann der erste Schreck: Unter den Produkten sind fast ausschließlich Kinder- und Halloween-Kostüme. „Das war ein Dämpfer. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen“, sagt Uwe Kemmerling. Seine Frau und er suchen nach weiteren Lieferanten. Eine italienische und eine spanische Firma schenken dem Ehepaar ihr Vertrauen – „Das war nicht selbstverständlich, weil unser kleines Saisongewerbe nicht mit großen Kaufhäusern und Fachhändlern vergleichbar ist“, so Uwe Kemmerling. Mit den neuen Lieferanten, kommen auch die fehlenden Kostüme für Männer und Frauen. Das Projekt Karnevalsladen nimmt nach und nach Form an.

Als am 11. November 2017 mit einem Tag der offenen Tür die Eröffnung von „KemmisKramKiste“ gefeiert wird, ist die Garage am Haus bereits umgebaut. Ein prasselndes Kaminfeuer spendet Wärme, während die ersten Jecken in den zwei Umkleidekabinen in die Kostüme schlüpfen und zwischen den zahlreichen Kleiderständern in bunte Fantasiewelten abtauchen. „Die Eröffnung lief zwar gut, aber bis Weihnachten 2017 dachten wir noch, dass unsere Idee ein Reinfall ist“, sagt Silvia Kemmerling. Doch mit dem Ende der Weihnachtszeit kommen auch die Kunden: „An dem Tag, an dem der Tannenbaum fällt, schaltet der Kopf auf Karneval um“, weiß Uwe Kemmerling heute.

Das Angebot

Mittlerweile sind die Kemmerlings acht Wochen vor Rosenmontag im Dauereinsatz: Neben ihren Hauptberufen hat „KemmisKramKiste“ von montags bis freitags zwischen 16 und 21.30 Uhr geöffnet, der Samstag ist Karnevalsgruppen vorbehalten. Im Verkaufs- und Schauraum reihen sich 120 Kinderkostüme aneinander – und keines gleicht dem anderen. Erwachsene können zwischen rund 400 verschiedenen Modellen wählen. Die Preisspanne ist weit: „Kinderkostüme gibt es auch schon ab acht, Verkleidungen für Erwachsene ab zwölf Euro. Aber wir können auch Prinzenkostüme für 400 Euro bestellen. Dass Verkleidungen für mehr als 60 Euro verkauft werden, ist aber selten“, sagt Uwe Kemmerling.

Viel wichtiger als der Preis ist den Ladenbesitzern ohnehin die Atmosphäre in „KemmisKramKiste“: „Online-Shopping ist ja schön und gut, aber viele Kunden wollen die Kostüme anprobieren, anfassen und setzen auf die persönliche Beratung bei uns“, so Silvia Kemmerling. Dass dieses Konzept ankommt, zeigt die Rückmeldung der Kunden: „Gerade seitdem Spielwaren Jacobi in Brilon zugemacht hat, gibt es im Umkreis kaum noch Anlaufstellen für Kostüme. Das zeigt sich unter anderem daran, dass unser Einzugsgebiet mittlerweile auch Oberschledorn und Medelon einschließt.“

Die Kunden

Rosenmontags- oder Tanzgruppen, Familien, Jugendliche und Einzelpersonen: Wer immer eine Idee für ein Karnevalskostüm hat oder sucht, kommt mittlerweile zu den Kemmerlings. „Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel eine Frauengruppe, die das Thema ‘Wolke’ umsetzen wollte“, erinnert sich Silvia Kemmerling. Bei einem Glas Sekt suchte sie mit der Truppe blaue Tüllröcke und geringelte Strümpfe aus, die das mit Watte besetzte weiße Oberteil und somit das Kostüm schließlich komplett machten.

„Wenn größere Gruppen zu uns kommen möchten, vereinbaren wir vorher immer einen Termin, damit die Beratung funktioniert. Und es gibt dann auch immer ein Bierchen, einen Sekt oder Glühwein für die Kunden.“ Besonders wichtig ist diesen die Einzigartigkeit ihrer Kostüme. Die Kemmerlings haben sich ganz im Sinne dieses Anspruchs der Verschwiegenheit verpflichtet: Entscheidet sich eine Gruppe für eine Verkleidung, wird die aus dem Verkauf genommen. „In der Nachbartschaft gibt es so viele Rosenmontagszüge, da will man sein Kostüm nicht doppelt und dreifach sehen“, sagt Uwe Kemmerling. Ein bisschen ist das wie mit den Schützenfestkleidern...

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