Einkaufen vor Ort

Wo man in Sauerland fast jeden Sonntag shoppen gegen kann

Winterberg und Willingen leben vom Tourismus – und viele Touristen aus dem Ausland sind es gewohnt, dass Geschäfte die ganze Woche über geöffnet sind.

Winterberg und Willingen leben vom Tourismus – und viele Touristen aus dem Ausland sind es gewohnt, dass Geschäfte die ganze Woche über geöffnet sind.

Foto: Rita Maurer

Winterberg/Willingen.   In den Urlaubsstädten Winterberg und Willingen kann man fast jeden Sonntag einkaufen gehen. An bis zu 40 Sonntagen pro Jahr öffnen die Geschäfte.

Wer sonntags durch Geschäfte bummeln möchte, muss auf verkaufsoffene Sonntage warten. Deren Anzahl unterscheidet sich von Stadt zu Stadt deutlich. In der Region einsam an der Spitze: Winterberg und Willingen. Denn beide Städte profitieren von der Kurorteregelung. Die beiden Kommunen fahren ein Konzept. Die WP hat mit den Verantwortlichen beider Kommunen gesprochen, was Winterberg und Willingen auch für die Zukunft planen.

Anders als andere Kommunen dürfen Kurorte an bis zu 40 Sonn- und Feiertagen pro Jahr öffnen und legen diese auf ihre Hochzeiten. In Winterberg sind die Sonntage im Herbst und Winter die umsatzstärksten, in Willingen die Skisaison, Ostern, Hochsommer und Frühherbst.

Sonderaktionen notwendig, um Kunden zu locken

Sonntags zu öffnen reicht allein aber nicht, um die Massen anzulocken. Beide Städte überlegen sich zusätzliche Aktionen.

Winterberg plant nach dem Erfolg des Moonlight Shoppings im Winter mit den Einzelhändlern und Gastronomen wieder eine bunt gestaltete Meile, bei der Besucher mit musikalischer Begleitung Leckereien in den Geschäften kosten können. „Das könnte dann die ,Längste Einkaufsnacht im Sauerland‘ oder ,Mittsommernacht‘ heißen“, erklärt der Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, Michael Beckmann.

Geringere Umsätze unter der Woche ausgleichen

In Willingen findet am 1. November wieder die Aktion „Willingen im Lichterglanz“ statt und im Dezember „Willingen, ein Wintermärchen“. Im Herbst, verspricht Wirtschaftsförderer Dieter Pollack, findet der 2. Familien-Entdecker-Tag als Gemeinschaftsaktion mit den Freizeiteinrichtungen der Freizeitwelt Willingen statt. „Der Clou dabei ist eine Stempelkarte, die Angebote zu Sonderpreisen anbietet und zu einem Gewinnspiel einlädt. So wird Willingen zu einem Familien-Freizeitpark.“

Die große Zahl an verkaufsoffenen Sonntagen ist wichtig für den Einzelhandel, der in beiden Städten maßgeblich von Touristen lebt – die es aus ihrer Heimat oft nicht gewohnt sind, dass Geschäfte sonntags geschlossen bleiben. „Abgesehen von den Ferien konzentriert sich der Tages- und Übernachtungstourismus bei uns auf die Wochenenden. Sonn- und Feiertagsöffnungen sind deshalb sehr wichtig. Die Wochenenden werden gebraucht, um geringere Umsätze unter der Woche auszugleichen“, stellt Pollack fest.

Online: Konkurrenz und Chance

Nicht zuletzt, weil die Händler die Online-Konkurrenz spüren. In Willingen setzte der stationäre Einzelhandel 2009 noch 35 Mio. Euro um. Seitdem sinken die Umsatzzahlen. „Es gab die Idee, ein eigenes Onlineportal zu installieren. Wir sind aber zu dem Schluss gekommen, dass man damit den weltweiten Anbietern nichts entgegensetzen kann.“ Stattdessen setze man darauf, herauszustellen, was dieser nicht bietet: Einkaufserlebnis, Service und Beratung vor Ort.

Für Verkäufer gehört der Sonntag zur Arbeitswoche

„Das kann der Onlinehandel unseren Geschäften nicht nehmen“, ist sich Michael Beckmann sicher. In Winterberg arbeite man deshalb daran, Online effektiver für sich zu nutzen: „Wir prüfen, wie man die lokale Wirtschaft besser miteinander vernetzen kann, um über die Plattform winterberg.de deren Sichtbarkeit zu erhöhen.“ Der Ausbau der Social-Media-Kanäle soll dabei helfen.

„Wir stimmen alle unsere Ideen in Sachen Digitalisierung eng mit dem Einzelhandel ab.“ Etwa alle acht Wochen setzt man sich zusammen. Dann holen sich die Planer auch Rückmeldungen zum Erfolg von Aktionen. Ähnlich in Willingen: Hier steht der Verein „Aktives Willingen“ hinter Ideen, teilweise in Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Die Sonderregelung zur Sonntagsöffnung bedeutet natürlich auch, dass viele Arbeitnehmer und Selbstständige regelmäßig sonntags arbeiten müssen. Inhabergeführten Läden ohne Mitarbeiter fällt das manchmal schwer, deshalb gibt es in beiden Städten einige wenige Betriebe, die geschlossen bleiben. Größere Kontroversen, wie sie aus anderen Städten bei diesem Thema bekannt sind, gebe es aber nicht. „Die meisten Einzelhändler befürworten die Sonntage und wissen, wie wichtig sie für unsere Stadt sind“, sagt Michael Beckmann.

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