Junge Familien

Wie Mütter in Marsberg mit dem Kinderwagen trainieren können

Outdoortraining mit Kinderwagen. Praktisch: Die Mütter sind jederzeit für ihre Babys da, wenn sie gebraucht werden.

Outdoortraining mit Kinderwagen. Praktisch: Die Mütter sind jederzeit für ihre Babys da, wenn sie gebraucht werden.

Foto: Katja Voss

Marsberg.  Mit Baby unterwegs: Junge Mütter tun beim Outdoortraining etwas für ihre Fitness, während die Babys im Kinderwagen schlummern. So funktioniert es

Hampelmänner neben dem Kinderwagen machen - so sieht eine Win-Win-Situation für junge Mütter aus. Zu Besuch beim Outdoortraining mit einer Hebamme.

Durchwachte Nächte, zahnende Kinder, übrig gebliebene Schwangerschaftspfunde - gerade das erste Babyjahr ist eine große Umstellung für Familien. Vor allem die Mütter sind nicht mehr ungebunden. Dazu kommt, dass viele Frauen ihren Körper langsam wiederhaben wollen. Da passt das Angebot von Hebamme Petra Gruß aus Messinghausen gut - unter Anleitung draußen mit dem Baby im Kinderwagen trainieren. „Ich möchte ein bisschen fitter werden nach der Schwangerschaft. Aber es ist nicht leicht, etwas für sich zu tun“, sagt Teilnehmerin Silke Bieker. „Das Schöne an dem Training ist, dass ich meine Tochter mitnehmen kann und keinen Babysitter brauche. Und ich fühle mich hinterher wirklich gut.“

Fitness und Motivation

Aber bis Silke Bieker und die anderen Teilnehmerinnen diesen motivierenden Moment erleben, müssen sie sich auch ein wenig quälen: Unter den strengen Augen der Hebamme geht es nach dem Aufwärmen in den Parcours bei der Bürgerwiese Marsberg. Schnelles Gehen, Wechselschritte wechseln sich mit anstrengenden Körperübungen ab. „Das Programm baut auf die Rückbildungsgymnastik auf“, erklärt Petra Gruß etwas außer Atem, denn sie macht alles mit und gibt Hilfestellung, wo sie nötig ist. Den Kurs hat sie im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, weil sie selbst seit einigen Jahren Laufen geht und viele Mütter nach dem Ende der Rückbildung gefragt haben, was sie jetzt machen können. „So bin ich auf die Idee gekommen.“

Bauchmuskeln anspannen!

Unterwegs begegnet die Truppe einigen Herrchen, Frauchen und Hunden sowie zwei Müttern mit Kleinkindern - die beiden haben auch mal mit Petra Gruß trainiert und nutzen die Bürgerwiese immer noch für ihr persönliches Sportprogramm. Immer wieder ruft die Hebamme: „Bauchmuskeln und Beckenboden anspannen. Und das Atmen nicht vergessen.“ Auch vor den Baumstämme des Spielplatzes macht sie nicht Halt und lässt die Mütter darüber balancieren. „Das ist gut für den Beckenboden.“ In einem Jahr werden die Frauen hier vermutlich die Hände ihre Kinder halten, um ihnen beim Laufen zu helfen.

Selbst beim Sport dreht sich vieles um die Babys, von denen die meisten gerade friedlich im Kinderwagen schlummern: Quatschen ist eigentlich erst am Ende erwünscht, aber das Bedürfnis, sich auszutauschen ist in dieser Lebensphase sehr groß. Die kleinen Unterhaltungen zwischen den Übungen drehen sich um den Nachwuchs - von Beikost bis Zähnchen. „Der Austausch und das Mal-vor-die-Tür-kommen ist für die Frauen genauso wichtig wie der Sport“, sagt Petra Gruß. Und ihr ist auch klar: „Die Bedürfnisse der Kinder stehen während des Trainings an erster Stelle.“

Das bedeutet: Wenn ein Baby weint, dann wird getröstet. Wenn ein Baby Hunger hat, dann wird es gefüttert. Aber heute machen die Kleinen ihren motivierten Müttern kaum Probleme: Nach dem anfänglichen Gequengel herrscht meist Ruhe - bis zur Cooldown-Phase mit den Dehnübungen. Dann stehen Kinderwagen wieder länger an Ort und Stelle und die Babys melden sich, als wollten sie sagen: „Mama, das hast du gut gemacht. Jetzt bin ich wieder dran.“

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