Corona

WP-Redaktion Brilon mit Kind, Hund und Laptop im Homeoffice

Sarina Pohl ist die Neue im WP-Team. Sie hält zurzeit noch in der Redaktion die Stellung.

Sarina Pohl ist die Neue im WP-Team. Sie hält zurzeit noch in der Redaktion die Stellung.

Foto: WP

Brilon.  Homeoffice: Mitarbeiter der WESTFALENPOST schildern ihren Arbeitsalltag in den eigenen vier Wänden - und das ganz ohne James.

Wir arbeiten von zu Hause und machen Zeitung. Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Aber wir sind froh, dass wir – im Gegensatz zu manch anderen Branchen – nach wie vor unserer Beschäftigung nachgehen können. Und wir sehen es als Verpflichtung, unsere Leser auch in diesen unruhigen Zeiten bestmöglich zu informieren. Das Arbeiten ist anders als sonst, die Situation ist ungewohnt, aber alles spielt sich mehr und mehr ein.

Unsere WP-Redaktion hat sich in einzelne Satelliten aufgeteilt und die kreisen nach wie vor um den Hauptsitz unserer Lokalredaktion in Brilon. Dort hält Redaktionsleiter Boris Schopper die Fäden zusammen, koordiniert und plant die Seiten in Absprache mit den Blattmachern am Südwestfalendesk in Hagen. Obwohl auch die in diesen Tagen von zu Hause arbeiten. Blattmacher – das sind Mediengestalter, Grafiker und Redakteure, die u.a. für Layout und Optik sorgen. Außerdem steht der Redaktionsleiter einmal am Tag mit allen anderen Lokalredaktionen und der Chefredaktion per Videokonferenz in Kontakt. Man tauscht sich aus, diskutiert, spricht sich ab.

Das, was in der Zeitung drin steht, ist aber nach wie vor handgemacht. Der Weg mit der Kaffeetasse in der Hand zur täglichen Redaktionssitzung entfällt, das Streicheln von Redaktionshund James auch. Aber dank digitaler Technik verlieren wir uns und das Produkt nicht aus den Augen. Facetime, WhatsApp, Skype und wie sie alle heißen gewähren nicht nur ungeahnte Einblicke in das persönliche Umfeld der Kollegen. Sie ermöglichen auch den gedanklichen Austausch, der für kreatives Arbeiten so wichtig ist.

Annette Dülme im Ein-Frau-Büro

Es ist einsam geworden. Auf dem Weg zur Arbeit und erst recht in meinem Büro in der Bahnhofstraße in Marsberg. Als Außenstelle bin ich ja eine gewisse Einsamkeit im Büroalltag gewohnt. Was durchaus auch Vorteile haben kann. Kontakt halte ich mit den Kollegen täglich per Telefon. Aber auch das ist jetzt auf ein Minimum zurückgefahren. Die meisten arbeiten im Home-Office. Dass sich mein Ein-Frau-Büroalltag noch zuspitzen könnte, hätte ich nie gedacht. Unsere treuen Leser halten sich an die Kontaktsperre. Niemand kommt vorbei. Niemand erzählt mir persönlich, worüber es sich lohnen würde, in unserer Zeitung zu berichten. Ich könnte glatt darauf verzichten, die Eingangstüre abzuschließen. Aber sie ist verschlossen auch das hat es vorher noch nie gegeben. Ich brauche sie nur noch einmal auf- und zuzuschließen, wenn Feierabend ist. Denn ich brauche ja auch nirgends hin, weil es keine Außentermine mehr gibt. Ich bin also komplett auf mein Bürodasein reduziert. Recherchiert wird vom Telefon aus und im Internet. Wie lange dieser Zustand wohl noch anhält?

Thomas Winterberg und sein Kollege mit Fell

Mein derzeit einziger Kollege, der mit mir im Raum ist, hat braunes Fell und bernsteinfarbene Augen. Beim Gegenlesen von Texten ist er mir keine große Hilfe, aber immerhin bin ich nicht allein im Homeoffice, mein Hund ist dabei.

Weil er sonst auch mit ins Büro geht, liegt er auch jetzt brav unter meinem Schreibtisch. Er vermisst seine zweibeinigen Kollegen, die ihm immer wieder mal ein Leckerchen zustecken. Aber er schläft auch viel und fordert nur zu den gewohnten Zeiten seinen Spaziergang. Ich selbst habe mir klare Regeln gesetzt. Überpünktlich gehe ich mit ein paar Keksen (für mich und für James) und einer Kanne Tee an den Schreibtisch und dann gibt’s heiße Ohren vom vielen Telefonieren; die Mittagspause gibt mein Vierbeiner vor. Ansonsten verläuft der Tag ähnlich wie sonst. Trotz aller technischen Möglichkeiten vermisse ich den Dialog mit den Kollegen, das „Tom, kannst Du mal eben gucken!“ oder das „Möchtest Du auch einen Kaffee?“. Aber das wäre Klagen auf hohem Niveau.

Kevin Kretzler und seine geliebte Couch

Homeoffice. Klingt doch gut. Eigentlich. Denn schon im Gespräch mit Arbeitspsychologe Jan Dettmers wurde mir klar, dass ich nahezu keine der wichtigen Voraussetzungen für effektives Homeoffice erfülle. Ein Arbeitszimmer? Nein. Schreibtisch? Nö. Tisch zum dransetzen? Fehlanzeige? Stuhl? Niet. Ich sitze auf der Couch und hole mir eine Nackenstarre.

Auf Dauer keine Lösung. Da ich alleine wohne, gibt es wenigstens keine Kinder, die stören könnten. Zumindest nicht die eigenen. Der cholerische Nachbarsjunge hat ganz eigene Pläne und sorgt für zahlreiche Entschuldigungen meinerseits, wenn ich wieder telefonieren muss, während von nebenan Schimpftiraden Richtung Internet gebrüllt werden. Wenigstens ist die Aussicht schön. Blauer Himmel, Sonnenschein, grüne Wiese.

Der Rasen könnte auch mal wieder gemäht werden. Dafür darf ich Musik hören und bin nicht auf das Redaktionsradio angewiesen. Stevie Nicks dankt es mir gerade und ich ihr. Aber ich mag es auf der Couch beziehungsweise in meiner Wohnung. Dieses Arbeiten, das zum Teil unter meinen Bedingungen stattfindet. Nur das Spaßhaben mit den Kollegen fehlt. Dafür würde ich sogar wieder auf Stevie verzichten.

Jana Naima Schopper und der kleine Mann

Ich arbeite keine Stunde am Stück. Manchmal sind es 20 Minuten, bis unser kleiner Mann seine klebrigen Marmeladenfinger auf die Tastatur klatscht, manchmal auch 45, bis er „Bobo“ sagt und den kleinen Siebenschläfer auf dem iPad bewundern will.

So ist Homeoffice mit Anderthalbjährigem. Schon als die Betreuung wegfiel, durfte ich meinen Arbeitsplatz am Esstisch aufschlagen. Von hier aus telefoniere und schreibe ich. Die Seiten befüllen, unser Onlineportal organisieren, das klappt im Moment nicht, weil ich nicht ins System komme. Leitungsschwierigkeiten bei so vielen, die von daheim arbeiten. Also schreibe ich einfach einen Artikel nach dem nächsten. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an jeden, der das Hintergrundgequietsche am Telefon so verständnisvoll weglacht – wir sitzen alle im selben Boot.

Sarina Pohl - das neue Gesicht bei der WP in Brilon

Liebe Leser, an dieser Stelle ein neues Gesicht, das die meisten wohl noch nicht kennen. Ich bin Sarina Pohl und trete die Stelle der Redaktionsassistenz an, als Nachfolge der lieben Melanie. Seit letzter Woche darf ich nun schon die Redaktion unterstützen. Also genau seit dem Zeitpunkt, als durch Corona mehr oder weniger alles lahmgelegt wurde. Für mich bedeutet das eine grundlegende Veränderung der Normalität im Alltag.

Das fängt im Büro an. Wo normalerweise Redakteure fleißig ihre Artikel schreiben, herrscht nun gähnende Leere vor den Bildschirmen. Nur zwei von uns sind noch hier, Boris Schopper und ich, in voneinander abgeschlossenen Räumen. Mehr ist nicht erlaubt.

Anstatt darüber zu informieren, auf welche Veranstaltungen man sich in den kommenden Tagen freuen darf, fülle ich nun die Seite mit Absagen. Eine nach der Nächsten. Jetzt müssen wir schon darum bangen, dass unsere heiß geliebten Schützenfeste nicht stattfinden. Also mein Appell an dich, Coronavirus, bitte geh doch schnell vorbei und lass uns in Frieden. Es ist doch viel schöner, wenn ich demnächst schreiben kann „Morgen geht´s endlich wieder los mit dem Briloner Musiksommer. Lasst uns alle zusammen eine tolle Zeit unter freiem Himmel, bei Sonne und guter Laune verbringen!“

Boris Schopper und die Zuversicht

Ein Virus verändert unser aller Leben. Radikal. Von einem auf den anderen Tag. Privat sowieso. Und beruflich für die allermeisten von uns auch. Da macht die WP keine Ausnahme. Innerhalb nur eines Tages fiel in der vergangenen Woche die Entscheidung: Wir arbeiten nicht mehr gemeinsam in der Redaktion. Homeoffice für fast alle. Das verändert unseren Arbeitsalltag massiv. Ich sitze fast allein in der Redaktion. Unsere neue Assistentin arbeitet zwei Räume entfernt von meinem Büro. Aber: Wir bekommen das hin. Zusammen, als Team. Das macht mich stolz, das macht uns alle stolz. Und wir werden es auch weiter schaffen, bis dieses Virus sich verzogen hat. Und bis wir alle unser normales Leben zurück haben!

Jutta Klute vermisst den Kollegen mit Fell

Improvisieren, flexibel sein, auf aktuelle Entwicklungen reagieren - das gehört schon immer zu unserem Alltag als Lokalredakteure. Das gilt jetzt natürlich umso mehr. Und so heißt es Pendeln zwischen Homeoffice und einem der WP-Standorte im Altkreis Brilon, damit angesichts der Ansteckungsgefahr möglichst immer nur ein Mitarbeiter in einem Büro ist. Raus zu Terminen - das ist auf das absolut Notwendige reduziert.

Der Großteil der Recherche läuft jetzt übers Telefon und das Internet. Und die sozialen Netzwerke erweisen sich - allen Skeptikern zum Trotz - zurzeit als Ideen-Fundgrube und schnelle Kontakt- und Informationsmöglichkeit. Das wissen nicht nur die vielen Menschen, die jetzt zu Hause sitzen, sondern auch wir Journalisten zu schätzen. Und bei vielen Telefongesprächen merkt man: Die Menschen haben Redebedarf, möchten sich austauschen, erzählen, wie es ihnen geht.

Jürgen Hendrichs und der Espresso zu Zweit

Homeoffice, Woche zwei. So lange am Stück ist die Heizung im Arbeitszimmer bisher in 25 Jahren nicht gelaufen. Endlich bekommt der Raum im Untergeschoss seinen Sinn. Endlich auch mal steuerlich. Ungewohnt die langen Telefonrecherchen mit dem Smartphone an der Backe. Vielleicht sollte ich mir den Bart länger wachsen lassen und ihn als Klettverschluss fürs Handy nutzen? Zwangsweise so Sachen wie Facetime und anderem digitalem Kommunikations-Schnickschnack ausgesetzt. Im Regal oldschool: Eine Stehsatz-Meldung, zwar schwer an Gewicht, aber inhaltlich leichtes Zeug, hatte es Ende der 70er Jahre in Frankfurt nicht in den Druck geschafft. Erinnerung an die Blei-Zeit der Zeitung. Genug in Erinnerung geschwelt. Eine Treppe hoch gibt es Espresso zu Zweit. Das ist schön am Homeoffice.

Nicht zu vergessen

Der Lokalsport wird von Rainer Göbel und Philipp Bülter aus der Sauerlandsport-Redaktion in Neheim betreut. Zudem sind in Hagen die Kollegen Falk Blesken, Phillip Zimmer und Elmar Redemann dabei. Als Mediengestalterinnen sind Theresa Dierkes und Aline Rinke zuständig. Neben der Bildbearbeitung kümmern sich die beiden auch um das Anfertigen von Karten oder um Layout-Fragen. Blattmacherin für die Ausgabe Brilon ist Monika Schulte. Für Grafiken ist Manuela Nossutta zuständig.

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