NATUR

Zwei Drittel der Heideflächen sollen verbessert werden

Tierische Pfleger: Bergheiden bleiben nicht von selbst bestehen, sondern erfordern Nutzung.

Tierische Pfleger: Bergheiden bleiben nicht von selbst bestehen, sondern erfordern Nutzung.

Foto: Privat

Brilon/Willingen/Winterberg.   Programm zur Renaturierung der Landschaft vorgestellt. 790 000-Euro-Projekt startet jetzt. Biologische Station Brilon steuert die Aktion.

Die Bergheiden in den Naturparks Diemelsee und Sauerland-Rothaargebirge sollen von einem knapp 790 000 Euro teuren Projekt profitieren. In Willingen fiel jetzt der Startschuss. Die Ziele: Auf zwei Dritteln der Heideflächen deutliche Verbesserungen zu erreichen, 50 Hektar zu renaturieren, Forschungserkenntnisse über die beste Pflege der Heide zu sammeln und die Flächen besser zu verbinden – mit Schafen als „Taxis“ für Pflanzensamen und Kleintiere, erklärte Dr. Eckhard Jedicke vom Projektteam.

„Wir müssen die Rahmenbedingungen für die Schäfer so schaffen, dass die Schwierigkeiten für sie abnehmen“, sagte Werner Schubert, Wissenschaftlicher Leiter der Biologischen Station Hochsauerland in Brilon. Dazu gehöre ein Triftwegesystem, das breit genug ist, um die Schafe problemlos zu treiben und das etwas zu fressen biete; Trittsteine, an denen sie mit viel Futter innehalten können und angemessene Pferchflächen. Ein wirklicher Verbund dieser Elemente sei wohl nur in Winterberg und Willingen möglich.

Anschluss an Biotop-Projekt

Das Vorhaben in den Bergheiden knüpft an das Biotopverbund-Projekt an: In diesem wurden zahlreiche Maßnahmen entwickelt, um Lebensräume miteinander zu verknüpfen, damit Tiere und Pflanzen in Zeiten des Klimawandels in andere Landstriche ausweichen können. So auch hier: „Von Heide zu Heide reisende Schafe sind ein lebendes Biotop-Verbundsystem“, erklärte Schubert.

Auch bei Konflikten mit Erholungssuchenden gebe es Handlungsbedarf, erläuterte Reinhard Droste von den Bigger Werkstätten, welche die Heide mit zwei Schäfern, 650 Schafen und 65 Ziegen pflegen. Sie zögen zwar auch positives Interesse der Touristen auf sich. Aber unter anderem Straßensperrungen, die Hinterlassenschaften der Tiere und das Abfressen bestimmter Pflanzen sorgen für Zündstoff – gerade mit Beerensammlern gebe es Streit.

Wissen über Methoden zur Verjüngung erweitern

Vor allem sei der Forschungsstand lückenhaft. So sollen etwa Erfahrungen gesammelt werden, wie sich Schoppern und Plaggen, die beiden Methoden zur Verjüngung der Heideflächen, im Vergleich auswirken, erklärte Jedicke. Auch bei den Folgen der Renaturierung liegen bislang nur kurzfristige Kenntnisse vor. Diese solle im Projekt auch in Waldeck ausgeweitet werden, so Dr. Thomas Fartmann von der Universität Osnabrück.

Neue Pläne seien beispielsweise die Überprüfung der Verjüngungsmaßnahmen, Experimente zur Keimung von Heidelbeere, Flachbärlapp und Wacholder und die Untersuchung von Vorkommen etwa der Heidelerche, die in ihrem namensgebenden Lebensraum selten geworden ist.

Folgen Sie der Westfalenpost im Altkreis Brilon auch auf Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben