Berufsverkehr

40.000 Ein- und Auspendler in Arnsberg und Sundern unterwegs

Foto: Manuela Nossutta

Arnsberg/Sundern.   Berufsverkehr aus, nach und zwischen Arnsberg und Sundern stellt Arbeitnehmer vor manche Hürden. 40.000 Ein- und Auspendler unterwegs.

Arbeitnehmer aus Arnsberg und Sundern müssen mächtig mobil sein. Fast 13.000 Arnsberger und 6800 Sunderner pendeln täglich aus ihren Heimatstädten aus, um zu ihrem Job zu kommen. Das reine Vergnügen ist das nicht für alle. Egal, ob per Bus, Bahn oder Auto - die Themen Mobilität, Verkehr und Beruf sind nicht voneinander zu trennen.

Unsere Zeitung fragte auf ihrer Facebookseite, wie es mit dem Auspendeln den praktisch so klappt. „Nur“ zwischen Arnsberg und Sundern pendelt Peter Schmitz. Er beklagt den schlechten Straßenzustand auf seinen Pendelstrecken. Erst in diesem Jahr erhielt die Landstraße 685 über den Ochsenkopf eine nicht sehr schmeichelhafte Auszeichnung: Die IHK Arnsberg sieht diese Pendelstrecke in besonders maroder Verfassung und kürte sie zu eine „der schlechtesten Landstraßen der Region“.

Die Achse Arnsberg und Sundern ist aber grundsätzlich enorm wichtig für den Berufsverkehr: 2681 Sunderner pendeln täglich nach Arnsberg, 1756 von Arnsberg nach Sundern. Beim gegenseitigen Ein- und Auspendeln belegen die Nachbarstädte im Ranking der Bewegungen jeweils Platz eins. Ein Fakt, den auch die Befürworter einer Reaktivierung der Röhrtalbahn häufig als Argument nutzen. IHK-Verkehrsexperte Hubertus Gössling fordert hingegen mehr Investitionen ins Landstraßennetz mit Blick auf Pendler- und Transportverkehr. „Landstraßen sind die Lebensadern unserer Region“, sagte der Arnsberger Spediteur im Sommer.

Zwei Stunden im Auto

Mit dem Auto unterwegs ist Tanja Gerling. Von Hüsten fährt die Einrichtungsleiterin eines Pflegedienstes 37 Kilometer pro Strecke nach Hamm. Sie verbringt am Tag rund zwei Stunden im Auto, steht oft am Autobahnende in Werl und an der Auffahrt Rhynern zur A2 im Stau. Sie wünscht sich den Weiterbau der A445 nach Hamm. Ebenso geht es Sonja Knobloch aus Neheim. „Schön Stau über die komplette B63“, erzählt sie.

In dieser Verkehrsfalle sitzt auch Vanessa Afellay auf ihrem Weg von Arnsberg nach Werne. „Da wünscht man sich, dass das Auto fliegen kann“, sagt sie. Eine Fahrt über die A44 und A1 sei wegen der Baustellen und den häufigen Staus für sie auch keine Alternative. Nadelöhre gibt es für die Auspendler aus der Region auch anderswo. Aus Sundern muss Markus Breitkopf täglich nach Hagen. „Hemer ist unerträglich!“, sagt er.

Entspannter erlebt das Christoph Berens, der jeden Tag von Sundern nach Meschede zum Job fährt. Er fährt gemütlich über die Landstraße. „Da kann man nach der Arbeit im Auto erstmal abschalten, bevor man nach Hause kommt“, sagt er. Er ist einer von knapp über 600 Sunderner Auspendlern nach Meschede. Problemlos läuft es im Normalfall auch bei Anna Bräutigam aus Oeventrop bei ihrer täglichen Fahrt nach Warstein. „Eigentlich ein Träumchen, weil kaum Verkehr“, sagt sie, „nur im Winter meist kein Vergnügen“.

Staus und Engpässe

Ganz resolut gibt sich Patrick Studhof, der jeden Tag aus dem Sauerland nach Bochum oder Dortmund muss. „Nicht mehr lange“, sagt er fast erleichtert, „dann wird dem HSK der Rücken gekehrt“.

Im internen Verkehr, der sich zu Stoßzeiten ja mit den Ein- und Auspendlerströmen vermischt, beklagen die Leser ebenfalls Engpässe. Markus Koch schimpft über die Staus in Hüsten „Chaos ist noch milde ausgedrückt!“, sagt er. Das sieht der Neheimer Allan Humpert ähnlich mit Blick auf die Staus rund um die Polizei in Hüsten am Zubringer in Richtung Autobahn 46 über die B229n, die er auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz bei den Stadtwerken passieren muss. Michael Banse prophezeit Arnsberg sogar den „Verkehrstod“, wenn weiter weggeschaut werde.

Soweit muss und soll es auch nach dem Willen der Stadt Arnsberg nicht kommen. Der Stadtverwaltung ist bewusst, dass sie sowohl bei der Zahl der Ein- und Auspendler im Hochsauerlandkreis den Spitzenplatz einnimmt. „Analysiert werden die Ein- und Auspendler Arnsbergs und des HSK sowie die Zahlen des Ausbildungsverkehrs. Sie sind Teil der statistischen Auswertungen im Rahmen der Verkehrsplanung“, teilt die Stadt Arnsberg mit. Die Zahlen seien für die städtische Verkehrsplanung wichtig und auch für die ÖPNV-Planungen von Bedeutung.

Vergleich Auto zu ÖPNV

Die Vergleiche Auto zum Öffentlichen Personennahverkehr werden von den Pendlern durchaus in Erwägung gezogen - sie rechnen auch bei unserer Facebook-Umfrage Zeitverbrauch und Kosten gegeneinander auf.

Ein Beispiel von Sebastian Schmitz aus Müschede: Ohne Verkehr braucht der Mitarbeiter einer Firma, die Digitalisierungsprozesse bei Logistikunternehmen unterstützt, mit dem Auto gut 40 Minuten nach Herdecke, morgens dauere es wegen Baustellen am Autobahnkreuz Dortmund/Unna und auf der A1 oft 60 Minuten und länger. „Mit dem Zug wäre ich 80 Minuten unterwegs“, rechnet er vor. Das Abo-Fahrticket, so meint er, würden sich finanziell für ihn kaum lohnen. Zudem schrecken ihn „nicht vorhandene Flexibilität“ und die Gefahr verpasster Anschlusszüge ab.

Bianca Hoffmann fährt täglich mit dem Zug von Arnsberg nach Dortmund zur Arbeit. „Ich würde mir mehr Parkplätze am Bahnhof wünschen“, sagt sie. Den Preis des Monatstickets hält sie für „eine Frechheit“.

Die Fahrt nach Dortmund zum Job ist für Arnsberger keine Ausnahme: Rund 800 Pendler haben die Großstadt als Ziel.

Derzeit mit dem Auto fährt Sasha Relekcög. Der Mitarbeiter einer Justizvollzugsanstalt muss täglich von Arnsberg nach Iserlohn. Mit der Bahn würde er grundsätzlich fahren. „Aufgrund meiner Dienstzeiten ist aber leider kein Umsteigen in Bus und Bahn möglich“, sagt er. Edda Wortmann fährt mit dem Auto von Hüsten nach Soest. „ÖPNV ist annähernd unmöglich und zeitlich völlig unattraktiv“, beklagt sie. Gut 590 Arnsberger arbeiten in Soest.

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