Wohnen

98-Jährige in Senioren-WG: „Ich fühle mich hier sehr wohl“

Annemarie Schulte (98) wohnt in einer Senioren-WG in Alt-Arnsberg.

Annemarie Schulte (98) wohnt in einer Senioren-WG in Alt-Arnsberg.

Foto: Martin Schwarz

Arnsberg.   Annemarie Schulte ist die älteste Bewohnerin einer Senioren-WG in Arnsberg. In kleiner Gemeinschaft zu leben, ist ein Wohnmodell der Zukunft.

Im Alter von 98 Jahren wartet Annemarie Schulte mit einer beneidenswerten geistigen Vitalität auf. Sie ist auf Zack und hat in der Senioren-Wohngemeinschaft deutlich jüngere Bewohner im Blick, damit denen ja nichts passiert. „Wir geben hier untereinander auf uns Acht und helfen uns gegenseitig“, sagt die betagte Arnsbergerin, die seit viereinhalb Jahren in einer vom Caritas-Verband betreuten Senioren-WG an der Arnsberger Ringstraße wohnt. „Ich fühle mich hier sehr wohl und möchte auch meine weiteren Lebensjahre hier verbringen“, blickt die Arnsbergerin in die Zukunft.

Zuvor hatte sie noch eine eigene Wohnung, doch körperlich merkt sie mittlerweile schon den altersbedingten Verschleiß und so nutzt sie den Rollator zur sicheren Fortbewegung. Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert sich Annemarie Schulte an viele Details aus ihrem langen Leben.

Erinnerungen an die Familiengeschichte

Die Familie prägte ihr Leben: 62 Jahre war sie mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann verheiratet. Unzählige Urlaubsreisen sind ihr noch gut im Gedächtnis. Das hohe Alter bringt es mit sich, dass sie mittlerweile schon viele, auch engste Familienangehörige überlebt hat, die zum Teil - noch deutlich jünger als die 98-Jährige - verstarben. Das macht die zweifache Oma und zweifache Ur-Oma dann sehr traurig, wenn sie aus der Familiengeschichte erzählt. Dass ihr aber auch die Bewohner der Senioren-WG ans Herz gewachsen sind, wird deutlich, als sie mit Tränen in den Augen an den Tod von neun Bewohnerinnen erinnert, die seit 2014 in der Senioren-WG verstarben. Dies zeigt andererseits natürlich auch, dass die achtköpfige Senioren-WG auch eine herzliche Gemeinschaft bildet.

WG für alte Leute

Die Senioren-WG ist ein gut nachgefragtes Wohnmodell für alte Leute. Alle acht Bewohner sind Mieter der Arnsberger Wohnungsbaugenossenschaft (AWG), die die Räumlichkeiten für die WG geschaffen hat. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer. Kommunikationsraum ist insbesondere die Küche, wo gemeinsam gegessen und geplaudert wird. Wer sich in diese Räumlichkeiten über die AWG einmietet, kann dann zusätzlich - je nach Bedarf - einen Betreuungsdienst beim Caritas-Verband Arnsberg-Sundern buchen. Im WG-Alltag sieht es dann so aus, dass tagsüber in der Regel zwei Betreuungskräfte vor Ort sind, nachts gibt es eine Nachtwache. „Wir leisten je nach persönlichem Bedarf den WG-Bewohnern individuelle Hilfe. Das können viele kleine alltägliche Dinge wie Ankleiden und Waschen sein“, berichtet Pflegeassistentin Schwester Sandra. Die Betreuungskräfte fördern aber auch die sozialen Kontakte in der Gruppe.

So treffen sich die Senioren auch zum gemeinsamen Spielen oder feiern den Geburtstag eines Bewohners „Dass die Bewohner in einer herzlichen Gemeinschaft leben, unterstreicht auch Schwester Sandra: „Wenn zum Beispiel ein Bewohner erkrankt, erhält er auf seinem Zimmer auch Besuch von anderen Bewohnern. Im Tagesablauf nehmen die Bewohner untereinander Rücksicht auf körperliche Schwächen der anderen.“ Die Senioren-WG versteht sich als offenes Haus. Annemarie Schulte (geb. Vedder) ist noch fit und geht in Begleitung ihrer Schwiegertochter auch mal zum Einkaufen raus. „Ich lebe gern in der WG“, meint die 98-Jährige.

zum Zukunftsrauschen...
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