Handwerk

Ärger um zweiten Meistertitel

Frisch gebackener Doppelmeister: Jan Markus Reuter aus Sundern ist seit Ende Mai Dachdeckermeister, und seit wenigen Tagen auch Spenglermeister., beides an der Lorenz-Burmann-Schule in Eslohe.  

Frisch gebackener Doppelmeister: Jan Markus Reuter aus Sundern ist seit Ende Mai Dachdeckermeister, und seit wenigen Tagen auch Spenglermeister., beides an der Lorenz-Burmann-Schule in Eslohe.  

Foto: privat

Sundern/Eslohe.   Die Behörden sehen den zweiten Meistertitel als Luxus an, Jan Markus Reuter fehlte aber letztlich das Geld in der Tasche.

Der Sunderner Jan Markus Reuter (27) ist mit Leib und Seele Dachdecker. Vor einigen Tagen ist ihm ein toller zukunftsweisender Erfolg gelungen, mit dem er vor einigen Jahren selbst noch nicht gerechnet hätte: Er ist nun Dachdeckermeister und zugleich auch Spenglermeister, kann also auch die anfallenden Arbeiten rund ums Dach wie Dachrinnen und andere Aufbauten selbst vornehmen.

Der 27-jährige Doppelmeister hat bis zur Meisterschule einen klassischen Weg hinter sich gebracht: Nach der Hauptschule am Sunderner Bildungshügel ging er bei Dachdeckermeister Thorsten Berg in die Lehre und legte dann die Gesellenprüfung ab. In der Folge war er sechs Jahre bei Ingo Mönig in Wenholthausen als Geselle angestellt. Dann entschloss er sich den Meistertitel zu machen: „Man muss ja an seine Zukunft denken, und ich möchte nicht ewig auf dem Dach arbeiten“, gesteht der junge Meister beim Besuch unserer Zeitung am Ahornweg.

Ab 2017 auf der Meisterschule

Also besuchte Jan Markus Reuter ab Herbst 2017 die Meisterschule: „Das ist bei den Dachdeckern ausschließlich in Vollzeit in der Lorenz-Burmann-Schule in Eslohe möglich“, erklärt er. Dazu hatte er so einiges vorbereitet,

denn in der Zeit ist Arbeiten nicht möglich: „In der Freizeit muss man außerdem viel lernen.“ Damit er finanziell über die Runden kam, beantragte er für acht Monate das „Meister-BAföG“. Und da er mit dem Gedanken spielte, direkt im Anschluss noch den Spenglermeister zu machen, informierte er sich auch da schon über den weiteren Weg und die Finanzierung: „Der Meisterkurs direkt an den Dachdeckermeister dauer viereinhalb Monate“, berichtet der Sunderner. Auch bei den Ämtern signalisierte man ihm: „Ein gute Idee.“ Das sieht er auch nach wie vor so, denn mit dem zusätzlichen Meistertitel vergrößern sich die Chancen, um als Ausbilder in einem Betrieb zu arbeiten oder sogar an der Lorenz-Burmann-Schule in Eslohe.

Freude getrübt

Doch inzwischen wurde die Freude von Jan Markus Reuter getrübt, und die der stolzen Eltern dazu. „Ich denke an meine Zukunft, wie es überall empfohlen wird, lerne, und dann werden mir solche Steine in den Weg gelegt“, berichtet der 27-Jährige über die finanzielle 0-Nummer. „Denn für die zweite Meisterschule gab es kein BaFöG, ich musste so über die Runden kommen.“ Ganz übel fand er die Empfehlung, dass er sich doch mit einem 460-Euro-Job etwas zur Meisterschule hinzuverdienen solle: „Das geht aber nicht bei Internats-Meisterschule.“ Geld gab es trotz mehrere Einsprüche nicht. „Ich habe sogar an den Petitionsausschuss des Landes appelliert“, berichtet Vater Markus Reuter. Aber auch von dort gab es letztlich nur eine unverbindliche Absage.

Kräftige Lücke

Nach Recherchen unserer Zeitung bei der Handwerkskammer verhält es sich allerdings mit der zweiten Meisterschule wie mit einem zweiten Studium: Es wird nicht gefördert. Im Falle von Jan Markus Reuter klaffte in den viereinhalb Monaten eine kräftige Lücke, die zum Teil die Eltern stopften. Wohngeld, das bei der Stadt Sundern beantragt wurde, wurde ebenfalls verweigert. Der neue Doppelmeister hat sich nicht entmutigen lassen, für seine Zukunft gelernt und sparsam gelebt. Aber er findet es dennoch nicht richtig: „Alle fordern, dass es wieder mehr Handwerker geben soll, aber eine Förderung gibt es nicht. Ich habe langfristig gedacht, aber die Behörden geben mir zu verstehen, dass eine zweite Meisterausbildung, Luxus sei“, grollt der junge Meister.

Lockt jetzt Australien?

Derzeit arbeitet er bei einem Sunderner Dachdecker-Unternehmen als Geselle: „Während andere direkt nach der Urkundenausgabe feiern gingen, stand ich am anderen Morgen auf dem Dach.“ Nun überlegt er nach Kanada oder Australien zu gehen: „Dort wird deutsches Handwerk wertgeschätzt.“

Mehr Informationen aus Sundern unter www.wp.de/sundern

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