Wartung

Alle 1200 Pfeifen der Oelinghauser Orgel werden gereinigt

Orgelbauer Gabriel Stähli reinigt eine Zungenpfeife auf der Nonnenempore der Klosterkirche Oelinghausen.

Orgelbauer Gabriel Stähli reinigt eine Zungenpfeife auf der Nonnenempore der Klosterkirche Oelinghausen.

Foto: Martin Schwarz

Oelinghausen.   Historisches Klangbild soll erhalten bleiben. Aus Pfeifen wird Staub entfernt, auch Figuren an Orgelprospekt und Johannesaltar werden gereinigt.

„Durchschnittlich alle 15 Jahre sind Orgelpfeifen zu reinigen, ansonsten verlieren sie ihren feinen Klang.“ Dies berichtet Orgelbaumeister Werner Zehaczek, der nun zusammen mit Mitarbeitern der Schweizer Orgelbaufirma Kuhn die rund 1200 Orgelpfeifen sowie die Windlade der historischen Klosterkirchenorgel in Oelinghausen reinigt.

Es geht um eine Wartung der Orgel

„Es handelt sich um eine Wartung der Orgel - es ist keine Restaurierung!“, betonen Alfred Hilbig und Bernhard Padberg vom kirchlichen Gemeindeteam Oelinghausen. Denn einige Klosterbesucher des wunderten sich bereits, dass schon wieder die Orgel auseinandergenommen wird.

Restaurierung war vor 17 Jahren

Von 1999 bis 2002 war die historische Kirchenorgel umfangreich restauriert worden. Damals kostete dies über 1 Million D-Mark (nach heutiger Währung: über 500.000 Euro) Der Freundeskreis Oelinghausen finanzierte davon 520.000 D-Mark (ca. 260.000 Euro), indem viele Spenden zusammengetragen wurden. Gegenüber einer 500.000-Euro-Restaurierung vor 17 Jahren fallen die nun veranschlagten Kosten in Höhe von 60.000 Euro deutlich niedriger aus.

Kosten in Höhe von 60.000 Euro

Für 60.000 Euro werden die Orgelpfeifen, Windlade und Mechanik gereinigt sowie der Orgelprospekt und der Johannes-Altar gesäubert. Der Johannes-Altar bildet die Rückseite der Orgel in Richtung Nonnenempore. Von den 60.000 Euro muss die Pfarrei St.Petri Hüsten nur 2000 Euro an Eigenmitteln aufbringen, die durch Spenden und Kollekten gedeckt werden. 30.000 Euro steuert die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Monika Grütters, bei (dank der Unterstützung durch den CDU-Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Patrick Sensburg), weitere 28.000 Euro werden durch Kirchensteuermittel aufgebracht.

Die Oelinghauser Klosterkirchenorgel ist eine historische Kostbarkeit. Die Klausing-Orgel ist über 300 Jahre alt (sie wurde vom Orgelbauer Johann Berenhard Klausing in den Jahren 1714 bis 1717 gebaut). Es wurde dabei auf bereits vorhandenes Pfeifenmaterial aus früheren Jahren - seit 1599 - zurückgegriffen.

„Der Registerbestand von 1599 ist insofern bemerkenswert, als er in dieser Vollständigkeit in Deutschland und dem benachbarten Ausland kaum anzutreffen ist“, heißt es seitens der Kirchengemeinde St. Petri .

Pfeifen sind bis zu 2,50 Meter groß

Seit Abschluss der Restaurierung im Jahr 2002 haben sich Staub, Dreck sowie hier und da auch Schimmel in den Orgelpfeifen abgelagert. „Dies beeinträchtigt das Klangbild und daher ist eine Reinigung erforderlich“, erklärt Orgelbaumeister Zehaczek. Zusammen mit seinen Mitarbeitern baut er alle rund 1200 Orgelpfeifen aus und nach der Reinigung wieder ein. Die Pfeifen sind dabei höchst unterschiedlich. Die klingende Länge der Pfeifen reicht von zehn Millimeter bis 2,50 Meter. Bei Bedarf sind Pfeifen auch zu reparieren. Beim Besuch unserer Zeitung zeigt Werner Zehaczek eine kleine Rohrflöte, deren Röhrchen abgebrochen war. Dies wird in der Schweizer Fachwerkstatt der Orgelbaufirma Kuhn instandgesetzt. Man käme nicht auf die Idee, als Ersatz einfach eine neue Rohrflöte in ein historisches Instrument einzusetzen. Denn es geht darum, Altes funktionsfähig zu erhalten.

Arbeiten im Ottilienkeller

Im Ottilienkeller des Klosters Oelinghausen widmet sich die Hildesheimer Restauratorin Johanna Fuchs der Reinigung von Holzfiguren, die normalerweise am Johannes-Altar stehen. Zurzeit hat sie zwei demontierte „Aposteltürme“ mit zwölf Figuren in Arbeit. Sie entfernt mit einem Pinsel den Staub von den über 500 Jahre alten Figuren und saugt ihn mit einem Staubsauger sofort auf, damit er sich nicht neu im Raum verteilt. Kleinere fehlende Attribute an Figuren werden ergänzt. Andere große Teile der künstlerischen Außendarstellung am Orgelprospekt und Johannesaltar werden in der Kirche gereinigt.

Johanna Fuchs betont: „Wenn man die Figuren viele Jahrzehnte nicht reinigen würde, würde sich eine starke Staubschicht mitsamt Feuchtigkeit bilden. Auch Schimmelbildung wäre möglich. Es könnte große Probleme geben, überhaupt den Staub zu entfernen. Farbe könnte abplatzen.“ So ist die jetzige Reinigung auf jeden Fall geboten. Die letzten Arbeiten der Restauratorin beziehen sich auf die Emporenbrüstung. Dies wird in der letzten Februarwoche erledigt.

Offene Orgelwerkstatt für alle Interessierten

Wer sich selbst von der „Großen Inspektion“ an der Oelinghauser Kirchenorgel ein Bild machen will, ist zum Besuch einer „Offenen Orgelwerkstatt“ eingeladen, die am Mittwoch, 30.Januar, von 18.30 bis 20 Uhrim Kloster Oelinghausen stattfindet.

Zunächst zeigt die Restauratorin Johanna Fuchs im Ottilienkeller, wie Holzfiguren des Johannes-Altars gereinigt und - bei Bedarf - Farbe an Skulpturen gefestigt werden. Orgelbaumeister Werner Zehaczek erläutert dann in der Kirche die Technik der Orgelpfeifen- und Windladenreinigung. Alle Interessierten sind willkommen. Der Eintritt ist frei.

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