Integration

Arbeit ist der beste Weg

Geflüchtete aus Sundern in Arbeit Ahmad Shhadeh

Geflüchtete aus Sundern in Arbeit Ahmad Shhadeh

Foto: Privat

Sundern.   Es gibt in Sundern gute Beispiele für Integration durch Arbeit. Unsere Zeitung hat einige zusammengestellt.

In beispiellosem Engagement haben sich 2015 die Sunderner in allen Ortsteilen um die Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge gekümmert. Unterkunft, Kleidung, Essen, medizinische Betreuung und dann Sprachkurse, das waren die drängenden Aufgaben. „Klar war uns allen, dass die Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden müssen, damit sie selbständig in Deutschland leben können“, sagt Wilfried Haake, Helfer aus dem Willkommens-Netzwerk.

Heute, drei Jahre später, gibt es dazu etliche gelungene Beispiele, die unsere Zeitung vorstellt.

„Gib mir mal das Messgerät rüber – wieviel Volt liegen denn auf dem vorderen Signaleingang?“ Ahmad Shhadeh (28) kniet vor einer Faltschachtelklebemaschine bei der Tillmann Wellpappe und untersucht zusammen mit einem Kollegen, warum die Maschine nicht mehr arbeitet. Seit November 2016 ist der Mechatroniker in der Instandhaltung des Stockumer Verpackungsherstellers tätig.

Betriebsleiter am Bahnhof

Er wuchs in der syrischen Stadt Latakia auf, machte dort Abitur und studierte fünf Jahre an der Universität Damaskus Mechatronik, nach seinem Bachelor-Abschluss begann er als Betriebsleiter des örtlichen Bahnhofs in Latakia seine Berufslaufbahn. Kurz vor der Einberufung zum Kriegseinsatz floh Ahmad zusammen mit seinem jüngeren Bruder. Nach 17 Tagen und zehn verschiedenen Ländern, die sie durchreisten, kamen sie im Oktober 2015 im Sauerland an: „Zunächst absolvierte ich ein Praktikum bei Kaiser & Waltermann in Amecke, es folgten dann zwei Praktika bei den Firmen Tillmann Wellpappe und Zöllner-Wiethoff,“ erinnert sich Ahmad.

Wissbegierig und eifrig

Weil er sich bei allen drei Betrieben als wissbegierig und eifrig auszeichnete, erhielt er im November 2016 bei der Firma Tillmann Wellpappe einen „richtigen“ Arbeitsvertrag. Kürzlich wurde er nach entsprechender Ausbildung zum Laserschutzbeauftragen bestellt. Nun möchte er berufsbegleitend ein Masterstudium an der Fern-Uni in Hagen aufnehmen.

Erfahrung im Schweißen gefragt

Auch bei L&R Kältetechnik in Hachen ist einer der 120 Mitarbeiter aus

seiner Heimat geflohen, um neue Lebensperspektiven zu finden. Der 29-jährige Asghar Jahangire-Kharji aus dem Iran war bereits in seiner Heimat als Schweißer tätig. Besonders sein Know-how bei der Herstellung von Edelstahl-Verrohrungen ist bei L&R gefragt. Sobald er in der deutschen Sprache sicherer ist, soll er als Schweißerfachkraft ausgebildet werden. „Nicht nur für ihn, sondern auch für seine Kollegen ist die Zusammenarbeit eine besondere Herausforderung. Er bemüht sich sehr, unsere Sprache schnell zu erlernen. Gerade am Anfang hieß es in der Kommunikation oft zu improvisieren, Mit gutem Willen auf beiden Seiten kommt Asghar jedoch gut voran“, beschreibt Geschäftsführer Sebastian Rüßmann den Arbeitsalltag.

Der 22-jährige Sohail Razai hat als erster seiner Familie, bedroht und angegriffen von den Taliban, im Juni 2014 seine Heimat Herat in Afghanistan verlassen. Im August 2014 hat er den Asylantrag in Deutschland gestellt. Er begann Sprachkurse zu absolvieren und konnte 2017 bei der Firma BKB Profiltechnik in Amecke ein Praktikum absolvieren, drei Monate später wurde er dort fest eingestellt. Seit August ist er nun Auszubildender zum Maschinen- und Anlagenführer und besucht zusätzlich zum Berufsschulunterricht noch einen Sprachkurs bei Kolping in Arnsberg-Neheim.

Zur Verbesserung der Sprachkompetenz ist zusätzlich der Besuch eines

außerschulischen Sprachkurses für Azubis geplant. Sein Asylantrag wurde mehr als drei Jahre nach Einreichung abgelehnt, wogegen er Klage erhoben hat. Dieses Verfahren läuft zurzeit noch – ein Termin für eine Entscheidung ist nicht abzusehen. Schwer verständlich: Sein aktueller Aufenthaltstitel ermöglicht ihm die Arbeitsaufnahme, die Teilnahme an Integrationskursen aber nicht. Seine Eltern sind einige Zeit nach ihm in den Iran geflohen – seitdem hat er keinen Kontakt mehr zu ihnen.

Alexandra Bültmann-Keller, Geschäftsführerin von BKB, ist überzeugt von Sohail Razai: „Da er ein gutes technisches Verständnis mitbringt, haben wir die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer befürwortet. Seine Einstellung und sein Engagement sind beispielhaft, was mich gerade vor dem Hintergrund seines Lebenswegs sehr beeindruckt.“

Stolz auf Mitarbeiter

Die Geschäftsführer Sunderner Produktionsunternehmen, die sich in der Initiative einsU zusammengeschlossen haben, sind sich einig in ihren positiven Erfahrungen und stolz auf Mitarbeiter wie Ahmad Shhadeh, Asghar Jahangire-Kharji und Sohail Razai, die als Flüchtlinge in die Region kamen und nun Teil der Sunderner Gesellschaft sind. Insgesamt sind derzeit mehr als 30 Flüchtlinge als Azubis, Festangestellte oder Praktikanten in den einsU-Unternehmen tätig.

„Die einsU-Unternehmen sind fest mit dem Standort Sundern verbunden und stellen sich gemeinsam den Aufgaben, die alle betreffen. Dazu zählt auch die Integration unserer neuen Mitbürger“, erklärt Koordinatorin Barbara Vielhaber die Motivation. „Trotz der positiven Erfahrungen haben wir noch einen langen Weg vor uns. Für den Spracherwerb wollen wir innerhalb von einsU selbst aktiv werden und gemeinsam zusätzlichen berufsbezogenen Sprachunterricht organisieren. Auch für Mitarbeiter, die schon länger in Deutschland leben und hier Unterstützung brauchen.“ Dringendster Wunsch: „Von Seiten der Politik und der Behörden schnelle Entscheidungen und pragmatische Herangehensweisen.“

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