Gesundheit

Arnsberg: Ärzte raten zur Vorsorge im Jugendalter

Nach den U-Untersuchungen für Kinder folgt die J1-Untersuchung für Jugendliche ab 12 Jahren. Ärzte raten dazu, sie wahrzunehmen, um eventuelle Probleme in der Entwicklung frühzeitig erkennen zu können

Nach den U-Untersuchungen für Kinder folgt die J1-Untersuchung für Jugendliche ab 12 Jahren. Ärzte raten dazu, sie wahrzunehmen, um eventuelle Probleme in der Entwicklung frühzeitig erkennen zu können

Foto: Martin Möller

Arnsberg/Sundern.  Viele Teenager sehen nur selten einen Arzt – dabei ist die Früherkennung im Jugendalter besonders wichtig, erklären Mediziner.

Die Teenager im Hochsauerlandkreis sind Vorsorgemuffel – zumindest, wenn es um die freiwilligen Jugenduntersuchungen geht. Das geht aus Daten der Krankenkasse AOK vor. Unter den versicherten Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren nahm im vergangenen Jahr nur rund jeder Sechste die Untersuchungen bei seinem Hausarzt wahr.

Bei den Jugenduntersuchungen J1 und J2 handelt es sich um medizinische Checks, die sich an die U-Untersuchungen für Kinder anschließen. „Im Vergleich zu den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder werden die Jugenduntersuchungen deutlich weniger genutzt. Dabei sind Gesundheitsangebote im Jugendalter für eine gesunde Entwicklung besonders wichtig und sollten unbedingt wahrgenommen werden“, so AOK-Serviceregionsleiter Dirk Schneider.

Aus einer aktuellen Auswertung der Krankenkasse geht hervor, dass im vergangenen Jahr nur 17,5 Prozent der dort versicherten Jugendlichen das kostenfreie Angebot wahrnahmen. Im Vorjahr waren es 21,6 Prozent. Die J1 für Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren gehört zum Leistungskatalog aller gesetzlichen Krankenkassen. Die J2 hingegen finanzieren manche Kassen als freiwillige Zusatzleistung.

„Zwischen den U-Untersuchungen für Kinder und den Vorsorgeuntersuchungen für Erwachsene sollte bei den Angeboten für Jugendliche keine Lücke entstehen“, sagt Dr. Peter Kleeschulte. „Daher werden die Untersuchungen aus Sicht des Gesundheitsamtes als sinnvoll erachtet.“

Impfstatus und Blutuntersuchung

Im Rahmen der J1 werden Größe, Gewicht und der Impfstatus sowie Blut und Harn überprüft. Bei der körperlichen Untersuchung klärt der Arzt die pubertären Entwicklungsstadien sowie den Zustand der Organe, des Skelettsystems und der Sinnesfunktionen ab. Fehlhaltungen aufgrund von Wachstumsschüben sowie chronische Krankheiten können bei den Jugenduntersuchungen frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden. Auch auf eventuelle Hautprobleme und Essstörungen wie Magersucht oder Übergewicht wird eingegangen. Bei Bedarf empfiehlt der Arzt individuelle Präventionsmaßnahmen.

Die Jugenduntersuchung J2 zielt zusätzlich unter anderem auf das Erkennen von Pubertäts- und Sexualitätsstörungen, Haltungsstörungen und Diabetes-Risiko ab. „Zu den Terminen sollten die elektronische Gesundheitskarte und der Impfpass mitgebracht werden“, informiert der Experte der Krankenkasse.

„Beide Untersuchungen bieten neben einem Gesundheits-Check auch immer die Chance, ausführlich mit dem Arzt zu sprechen. Denn in dem Alter ist es wichtig, nicht nur die körperliche Entwicklung zu kontrollieren, sondern auch über die geistigen und sozialen Kompetenzen sowie eine gesundheitsfördernde Lebensführung zu beraten. Das persönliche Gespräch ist selbstverständlich vertraulich.“

Dass die Untersuchungen eher selten wahrgenommen werden, bestätigt auch Dr. Hans-Heiner Decker als Bezirksleiter der Kassenärztlichen Vereinigung: „Die Untersuchungen sind nicht sehr populär, es kommen eher selten Anfragen dazu.“ Das sei ein Problem, denn weil gerade Jugendliche nur zum Arzt gingen, wenn sie akut krank seien und ansonsten jahrelang nicht erschienen, fehle der Kontakt zwischen Arzt und Patient in einer entscheidenden Entwicklungsphase. Daher empfiehlt auch Decker die J1 zu nutzen.

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