“Echte Körper“

Umstrittene Leichen-Schau findet in Arnsberg statt

Mit diesem Plakat wird die Ausstellung beworben

Mit diesem Plakat wird die Ausstellung beworben

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.   Die umstrittene Show „Echte Körper - von den Toten lernen“ öffnet ab Freitag in Arnsberg ihre Türen. Meschede prüft dagegen ein Verbot.

Am Freitag wird in der Festhalle Promenade die dreitägige anatomische Wanderausstellung „Echte Körper – von den Toten lernen“ eröffnet.

Eine Ausstellung, die in anderen Städten bereits einigen Wirbel verursacht hat: In Bonn und Erfurt wurde sie verboten, im Rathaus der Nachbarstadt Meschede, die nächste vorgesehene Station, wird gerade ein solches Verbot geprüft.

Die Würde der Toten wird bei der Präsentation beachtet

In Arnsberg dagegen, so Robert Sperlich als Juniorchef des Veranstalterunternehmens „Körperausstellung Leon Sperlich“ (Parchim), habe es dagegen keinerlei Probleme gegeben. „Deshalb werden wir wie geplant eröffnen und bis einschließlich Sonntag die Exponate zeigen.“

Bei der Zurschaustellung der Präparate werde aber die Würde der Toten beachtet – unter anderem durch den bewussten Verzicht auf reißerische, unnatürliche Posen und Effekthascherei.

Meschede prüft Ausstellungs-Verbot oder Auflagen

Während in Arnsberg bei der Genehmigungserteilung alles glatt lief, wird derzeit in Meschede geprüft, ob diese anatomische Präsentation von Körpern und Körperteilen Verstorbener verboten werden muss.

Denn dafür gelten ganz besondere gesetzliche Auflagen. Möglicherweise könnte eine Erlaubnis auch mit Auflagen verbunden sein - zum Beispiel in Sachen Jugendschutz, so heißt es aus Meschede.

Bestattungsgesetz verlangt Einverständniserklärungen

Nach dem Bestattungsgesetz des Landes NRW müssen für eine solche Zurschaustellung die Einverständniserklärungen der Personen vorliegen, deren Körper bzw. Körperteile nach deren Tod präsentiert werden sollen.

Aber alle „Echte Körper“-Exponate stammen aus den USA. Deshalb tauchte in manchen Kommunen – wie jetzt in Meschede – die Frage auf, ob diese Erklärungen tatsächlich in Gänze vorliegen und sich auch allen Körperteilen zuordnen lassen.

Die Städte Bonn und Erfurt haben Ausstellung verboten

Wohl angesichts dieser Unsicherheiten hatten die Städte Bonn und Erfurt die Reißleine gezogen und die Ausstellung, die nach Anspruch des Veranstalters allein medizinisches Wissen vermitteln soll, verboten. Andere Kommunen haben dagegen ihr Okay gegeben.

Juniorchef Robert Sperlich kann sich diese Aufregung nicht erklären. „Wir ziehen seit fünf Jahren mit dieser Dauerausstellung durch Deutschland. Und erst seit etwa einem Jahr gibt es nun mitunter Schwierigkeiten. Die Gründe dafür kann ich mir nicht erklären.“

Zoll hat alles geprüft

Dies auch, weil die erforderlichen Einverständniserklärungen vorliegen sollen. Zwar nicht als Originale – die befänden sich in den USA – sondern als von einem deutschen Notar beglaubigte Kopien. „Von einem Leipziger Notar.“

Ohne entsprechende Erklärungen, so Unternehmenssprecher Thomas Müller auf weitere Nachfrage unserer Zeitung, „hätte man die Präparate nie nach Deutschland einführen können. Sie wären überhaupt nicht durch den Zoll gekommen, der die Papiere mit großer Akribie geprüft hat“.

Den Plastinaten fehlt alles Organische

Zudem vertritt Müller die Auf­fassung, dass für eine solche Ausstellung ohnehin keine behördliche Genehmigung erforderlich sei. Denn bei den in Glasvitrinen befindlichen Körpern und Körperteilen handele es sich um Plastinate. Ein Konservierungsprozess, der alles Organische abbaue.

Und was die ausgesprochenen Verbote in Bonn und Erfurt anbelange, da habe man in Erfurt alle geforderten Papiere nachliefern können und in Bonn, so Müller, „haben wir uns nicht auf einen Rechtsstreit eingelassen, weil wir mit unserer Aus­stellung nur drei Tage dort waren“.

Auf lehrplanrelevante Themen zugeschnitten

Die Ausstellung mit rund 200 Exponaten, sagt Robert Sperlich, diene allein der Vermittlung von ­Wissen, befasse sich unter anderem mit allen lehrplanrelevanten Themen der Klassenstufen 6 bis 12 und leiste außerdem einen Beitrag zur Weiterbildung in medizinischen Berufen.

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