Arbeitswelt

Arnsberg: „Duo Day“ soll für mehr Inklusion sorgen

Wie im Alltag so gibt es auch in der Arbeitswelt Hindernisse für Menschen mit Handicap, die anderen gar nicht auffallen. Der „Duo Day“ soll Verständnis schaffen.

Wie im Alltag so gibt es auch in der Arbeitswelt Hindernisse für Menschen mit Handicap, die anderen gar nicht auffallen. Der „Duo Day“ soll Verständnis schaffen.

Foto: Kerstin Kokoska

Arnsberg.  Der erste Arnsberger „Duo Day“ am 19. November soll Türen öffnen – für Menschen mit und ohne Handicap.

Zum ersten Mal gibt es in Arnsberg in diesem Jahr einen „Duo Day“: Er soll die Inklusion in der Arbeitswelt voranbringen. Am 19. November sollen sich Duos aus Menschen mit und ohne Behinderung zusammentun. Die Hoffnung ist, dass Menschen mit körperlicher, seelischer oder geistiger Beeinträchtigung so Türen geöffnet werden und sie im Gegenzug ihre Partner für das Thema Inklusion sensibilisieren.

Den Aufruf zur Aktion starten Stadtverwaltung und Handwerkskammer gemeinsam. „Wir haben als Verwaltung eine Haltung zu dem Thema und wollen mit gutem Beispiel vorangehen“, so Arnsbergs Bürgermeister Ralf Paul Bittner. Einen Tag lang werden auch Mitarbeiter der Stadt Teil solcher Duos sein. Gesucht werden nun noch Praktikanten und interessierte Handwerksbetriebe.

Dabei müssen nicht zwangsläufig Wege zu Ausbildungs- oder Arbeitsplätzen geebnet werden, es geht darum, die Inklusion zum Thema zu machen, mögliche Vorbehalte und Ängste abzubauen, einander mit Stärken und Schwächen kennzulernen.

„Letztlich muss man sich auch mal fragen, wer von uns nicht irgendwelche Beeinträchtigungen hat“, meint Michael John, der künftig den Fachbereich Soziales leiten wird. „Es ist ein Lernprozess, das wahrzunehmen.“ Er habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Arbeitgeber um langjährige Mitarbeiter bemühten und sie weiter halten wollten, wenn diese irgendwann eine Form der Beeinträchtigung ereile, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder ein Burnout. Das sei aber leichter, wenn die Beziehung bereits bestehe. Neue Kontakte zu knüpfen sei schwieriger und der „Duo Day“ könne einen Beitrag dazu leisten.

Ängste nehmen

Die Hoffnung sei außerdem, dass Arbeitgeber erkennen, welche besonderen Stärken viele Menschen mit Handicap hätten, wie engagiert sie seien. Um sie als Fachkräfte einzustellen, brauche es manchmal nur ein gewisses Umdenken. „Man kann Arbeitsplätze auch umgestalten, es muss nicht alles so sein wie immer“, meint Doris Feindt von der Fachstelle Behindertenhilfe.

Diese Erfahrung durfte Birgit Möller machen. 43 Jahre lang hat sie bei der Bezirksregierung Arnsberg gearbeitet, die letzten Jahre saß sie bereits im Rollstuhl. „Als ich in den 70ern anfing, gab es das Wort Inklusion noch gar nicht“, sagt sie. Trotzdem habe sie immer Vorgesetzte mit viel Verständnis gehabt und das habe sie bestärkt.

„Viele haben Angst, anderen gegenüberzutreten, die gesund sind“, meint sie. Daher sei eine Aktion wie der „Duo Day“ auch aus ihrer Sicht hilfreich. Und nötig: „Ein Mensch mit handicap wird immer noch komisch angeschaut, da müssen wir uns alle nichts vormachen. Sie zu akzeptieren wie sie sind, ist immer noch nicht in allen Köpfen drin.“

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