Aufklärung

Arnsberg: Erkältungstee statt Antibiotika auf Rezept

Sie wollen über Antibiotika aufklären: Frank Göckeler (IKK classic), Dr. Hans-Heiner Decker (Kassenärztliche Vereinigung), Maria Bertelsmann (Pinguin-Apotheke) und Dr. Gisbert Breuckmann (Ärztekammer, von links).

Sie wollen über Antibiotika aufklären: Frank Göckeler (IKK classic), Dr. Hans-Heiner Decker (Kassenärztliche Vereinigung), Maria Bertelsmann (Pinguin-Apotheke) und Dr. Gisbert Breuckmann (Ärztekammer, von links).

Foto: Katrin Clemens

Neheim.  In Arnsberg wollen Ärzte, Apotheker und Krankenkassen gemeinsam über Antibiotika informieren. Sie sprechen eine gemeinsame Sorge aus.

Manchmal sollten Patienten einfach abwarten und Tee trinken – das wollen Ärzte, Apotheker und Krankenkassen mit einer gemeinsamen Kampagne klar machen. In einer bundesweiten Aktionswoche klären sie über Risiken und Nebenwirkungen von Antibiotika auf.

Sorge vor multiresistenten Keimen

„Ein Antibiotikum ist kein Smartie“, warnt Dr. Gisbert Breuckmann, Vorsitzender der Ärztekammer im Verwaltungsbezirk Arnsberg. Ein Breitband-Antibiotikum zerstöre immer auch gesunde Keime, es könne so zu Nebenwirkungen kommen. Und noch gefährlicher sei es, wenn sich Krankheitserreger durch den Einsatz von Antibiotika veränderten: „Unsere große Angst ist es, dass sich multiresistente Keime entwickeln.“

Genau wie sein Kollege Dr. Hans-Heiner Decker von der kassenärztlichen Vereinigung beobachtet auch Breuckmann eine zunehmende Ungeduld unter den Patienten: Viele wollten einen Infekt möglichst schnell loswerden und drängten ihren Arzt zur Verschreibung von Antibiotika. Sei dieser anderer Meinung, würden einige Patienten sogar so lange die Arztpraxen wechseln, bis ein Mediziner ihren Wunsch erfülle.

Vielen sei dabei nicht klar, welche Nebenwirkungen die Medikamente hätten und wie sie wirken: „Antibiotika wirken gegen Bakterien – nicht bei einer Erkältung“, macht die Neheimer Apothekerin Maria Bertelsmann deutlich. Und wenn doch ein Antibiotikum verordnet werden müsse, sei es besonders wichtig, die Dosierung nicht eigenmächtig zu ändern.

Zwar ging die Anzahl der Patienten, denen im Bezirk Arnsberg Antibiotika verordnet wurden, von rund 74.000 im Winter 2015 auf knapp 55.000 im ersten Quartal 2019 zurück, doch die Experten wollen durch die Aufklärung einen weiteren Rückgang bewirken.

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