Fahrradfahren

Arnsberg: „Fahrradfreundlich ist zu hoch gegriffen“

Rudolf Küster fährt die Fahrradpumpe aus, um Autofahrer an den vorgeschriebenen Abstand zu erinnern. 

Rudolf Küster fährt die Fahrradpumpe aus, um Autofahrer an den vorgeschriebenen Abstand zu erinnern. 

Foto: Achim Gieseke

Arnsberg.  Rudolf Köster hält Verbesserungen in der Fahrradinfrastruktur für angebracht. Und fordert die Autofahrer auf, den korrekten Abstand einzuhalten.

Er ist so etwas wie ein „Pionier des Fahrradfahrens“ in der Bergstadt Arnsberg: Rudolf Küster.

Seit 42 Jahren legt er alle Wege im Stadtgebiet mit dem Fahrrad zurück und hat damit den noch nicht abgeschlossenen Ausbau der Fahrradinfrastruktur von Beginn an hautnah miterlebt. Sein aktuelles Zwischenfazit für den Stadtteil: „Das Prädikat ,Fahrradfreundliche Stadt’ erscheint für Arnsberg derzeit etwas hoch gegriffen. Noch ist alles zu sehr auf das Auto ausgerichtet.“

„Warum gibt es auf der Ringstraße keinen Schutzstreifen für die Fahrradfahrer?“

Klare Worte, die Rudolf Küster jedoch mit Verbesserungsvorschlägen beziehungsweise Hinweisen auf seiner Ansicht nach gravierende Defizite begründet.

Zum Beispiel Ringstraße: „Das ist eine lange Verbindungsstraße in die Stadt hinein und aus der Stadt heraus, die zugleich durch viele große Wohngebiete führt.“ Und damit auch für Fahrradfahrer Bedeutung habe. „Aber warum,“ fragt Küster, „gibt es dort keinen entsprechenden Schutzstreifen?

Hauke Karnath: „Die Straße ist leider zu schmal“

Er selbst greife daher, wenn er auf der Ringstraße unterwegs sei und sich ein Fahrzeug nähere, auf einen Trick zurück, damit zumindest der vorgeschrieben Sicherheitsabstand zwischen Fahrrad und Auto gewahrt werde: „Ich fahre meine lange Luftpumpe seitlich aus. Als Bitte und Aufforderung an die Autofahrer, den Abstand einzuhalten.“ Was jedoch letztlich nur ein Notbehelf, aber keine Lösung sein könne.

Doch einen solchen Angebotsstreifen für Fahrradfahrer wird es dort wohl nicht geben. Aus topgrafischen Gründen: „Die Ringstraße ist leider schlicht zu schmal, um dort einen Schutzstreifen anlegen zu können,“ erklärt der Fahrradbeauftragte der Stadt, Hauke Karnath.

Auch bei einem Schutzstreifen ist der vorgeschriebene Abstand einzuhalten

Zum Beispiel Hellefelderstraße: Der dort aus Richtung Kreisverkehr Teutenburg bis zur Schützenbrücke angelegte Schutzstreifen, so Rudolf Küster, „ist für die Schulkinder, die im Süden Arnsbergs wohnen gut, aber für mich nur die zweitbeste Möglichkeit, weil trotz des Streifens sich viele Autofahrer nicht an den vorgeschriebenen Abstand halten“.

In Sachen Abstand, findet Küster, sollte die Stadt zudem häufiger und mit Nachdruck an die anderen Verkehrsteilnehmer appellieren.

Dazu Hauke Karnath: „Auch bei einem Schutzstreifen ist innerorts zwingend ein Abstand von 1,50 Meter vom Fahrradfahrer einzuhalten. Das ist seit April des Jahres ganz klipp und klar in der Straßenverkehrsordnung geregelt.“ Außerorts seien es sogar zwei Meter.

Einbahnstraßenregelung auf oberer Ehmsenstraße schlecht für Fahrradfahrer

Zum Beispiel obere Ehmsenstraße: Komme man - gerade auch als Anwohner - aus der Innenstadt zurück und wolle über die Ehmsenstraße das Wohngebiet im Hasenwinkel erreichen, dann dürfe man über diese Straße - da Einbahnstraße - nicht einfahren.

„So bleiben vier Möglichkeiten,“ sagt Rudolf Küster: „Entweder verbotswidrig gegen die Einbahnregelung einfahren, verbotswidrig den Bürgersteig nutzen, einen langen Umweg über die für Fahrradfahrer nicht ungefährliche Rumbecker Straße nehmen oder auf der rechten Seite das Fahrrad den Berg hinauf schieben.“

Aber selbst das Schieben, weiß Küster aus eigenem Erleben, sei nicht ohne. „Denn der Randstreifen ist dazu viel zu eng, so dass man automatisch auf die Fahrbahn gerät. Und beim Schieben benötige ich sogar mehr als Raum als beim Hochfahren mit Rad.“

Rudolf Küster: Seit fünf Jahren keine Antwort von der Stadt

Küsters Vorschlag: Entweder die Einbahnregelung für Fahrradfahrer aufheben, das Fahren auf dem Bürgersteig erlauben oder den Randstreifen verbreitern.

Vor fünf Jahren habe ihm die Stadt bereits zugesagt, über diese Optionen nachzudenken. Doch gehört habe er seit dieser Zeit nichts mehr davon. Auch jetzt war von der zuständigen Stelle auf Nachfrage unserer Zeitung keine Antwort dazu zu bekommen.

Karnath: Prädikat „Fahrradfreundlichkeit“ ist verdient

Auch von Hauke Karnath nicht, denn das fällt nicht in dessen Zuständigkeitsbereich. Was aber der Radverkehrsbeauftragte nicht auf der Stadt sitzen lassen will, ist, dass das Prädikat „Fahrradfreundliche Stadt“ für Arnsberg etwas übertrieben sei:

„Die Fahrradfreundlichkeit wird alle sieben Jahren von einem entsprechenden Arbeitskreis überprüft. Und das hat alles einen klaren Hintergrund.“

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