Schulen

Arnsberg: Grundschulen fordern geringere Klassenstärke

Setzt auf eine Absenkung der Klassengrößen in der jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase für das Schuljahr 2021/2022: Kirsten Braukmann, Leiterin der Grundschule Adolf-Sauer in Arnsberg.

Setzt auf eine Absenkung der Klassengrößen in der jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase für das Schuljahr 2021/2022: Kirsten Braukmann, Leiterin der Grundschule Adolf-Sauer in Arnsberg.

Foto: Frank Albrecht

Arnsberg.  Um die Ziele der Inklusion zu erreichen, setzen Norbertus- und Adolf-Sauer-Schule auf eine Reduzierung der Schülerzahl in den Eingangsklassen.

Inklusion - der gemeinsame Unterricht mit Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und/oder Migrationshintergrund - erfordert große Sorgfalt, Sensibilität und vor allem eine auf diese Bedürfnisse abgestimmte Lernatmosphäre.

Um diese Voraussetzungen optimal erfüllen und die gesteckten pädagogischen Ziele erreichen zu können, fordern Norbertus- und Adolf-Sauer-Schule (beide Arnsberg) in getrennten Anträgen eine Absenkung der Klassengrößen in der jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase für das Schuljahr 2021/2022. Darüber soll am kommenden Mittwoch, 7. Oktober, im Stadtrat entschieden werden.

Die Entscheidung im Stadtrat könnte spannend werden

Eine Entscheidung, die spannend werden könnte. Denn die Verwaltung fährt in ihren Beschlussvorschlägen zu den genannten Anträgen zweigleisig:

Auf der einen Seite wird den Ratsvertretern empfohlen, die Deckelung auf eine konkrete Schülerzahl bereits vor dem Zeitpunkt der Anmeldung der Schulanfänger für das Schuljahr 21/22 - wie von den genannten Schulen gefordert - abzulehnen. Eine Festlegung sei vielmehr erst nach Abschluss der Anmeldungen sinnvoll.

Auf der anderen Seite steht der Verwaltungsvorschlag, den Anträgen der beiden Schulen wie vorgelegt zuzustimmen.

Schüler mit besonderem Förderbedarf benötigen entsprechende Lernatmosphäre

Die Norbertusschule ist seit dem Schuljahr 2007/2008 Stützpunktschule für gemeinsames Lernen. Und immer mehr Eltern, heißt es im Antrag der Schule, würden sich auf Grundlage des Inklusionsgedankens dafür entscheiden, dass ihr Kind gemeinsam mit Regelschulkindern unterrichtet werden soll.

Aber diese Schüler mit besonderem Förderbedarf benötigten neben einer zusätzlichen personellen Begleitung durch eine Sonderpädagogin auch eine „Lernatmosphäre, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist“.

Hoher Unterstützungsbedarf bei Kindern der Norbertus-Schulgemeinde

Eine Qualitätsanalyse aus Mai 2013 bestätigt der Norbertusschule eine gute Unterrichtsqualität und ein inklusives wertschätzendes Lernklima. Und eben diese Qualität gelte es, zu erhalten. „Das kann nur gelingen, wenn die äußere Rahmenbedingung, die Klassengröße mit einem Klassenfrequenzrichtwert von 22 (Schülern/Redaktion), weiterhin in der Schuleingangsphase auch im Schuljahr 2021/22 an der Norbertusschule“ umgesetzt werde, argumentiert die Schule.

Immerhin liege der Anteil der Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarfen in der Norbertus-Schulgemeinde geschätzt bei über 50 Prozent.

Auch in dem zitierten Qualitätsbericht werde festgehalten, dass eine hohe Quote von Kindern beim gemeinsamen Lernen eine große Herausforderung für die pädagogische Arbeit der Grundschule darstelle.

Festschreibung der Klassengröße schon vor der Anmeldung der Schulanfänger gefordert

Um auch weiterhin ein gutes Fundament für die weitere Schullaufbahn der Kinder nutzen zu können, fordert die Schule daher die Absenkung der Bandbreite der Klassengröße in der jahrgangsübergreifenden Schuleingangsphase auf 15 bis maximal 22 SchülerInnen.

Mit Festschreibung vor dem Zeitpunkt der Anmeldung der Schulanfänger im November. Was der Schule auch mehr Planungssicherheit geben würde.

In der Vergangenheit wurden seit dem Schuljahr 2014/15 von der Norbertusschule regelmäßig inhaltlich gleiche Anträge gestellt, die stets bewilligt wurden.

Schulleiterin: „Inklusion darf kein abstraktes Ziel sein“

Die Sauer-Schule verlangt für das Schuljahr 2021/22 für die jahrgangsübergreifende Schuleingangsphase eine Klassenstärke von maximal 24 Kinder - und zwar ebenfalls vor dem Zeitpunkt der Anmeldung.

Nur so könnten im gemeinsamen Unterricht, heißt es seitens der Sauer-Schule, die besonderen Bedürfnisse von SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten berücksichtigt werden. Ohnehin werde die Situation erschwert, da kaum Sonderpädagogen auf dem Markt zu finden seien.

Denn: „Inklusion soll nicht nur ein abstraktes Ziel bleiben, sie soll bei uns gelebt werden,“ sagt Schulleiterin Kirsten Braukmann. Und dafür benötige es die entsprechende Lernumgebung, „die den Einschränkungen der Schüler und Schülerinnen gerecht wird, und die es ihnen ermöglicht, ihr Handicap zu überwinden“.

Stadt: Über Begrenzung der Schülerzahl erst nach der Anmeldung entscheiden

Die Stadtverwaltung weist aber in den Beschlussvorlagen für die Ratssitzung auf das in 2015 erstellte Förderbedarfskonzept für die Grundschulen hin. Danach solle für die Begrenzung der Schülerzahl in der Schuleingangsphase keine generelle Regelung, sondern vielmehr eine Entscheidung im Einzelfall auf Antrag der Schule erfolgen. Dies allerdings immer erst nach Ablauf des offiziellen Anmeldezeitraums.

Ein weiteres Problem bei einer Festschreibung der Schülerzahl vor dem Zeitpunkt der Anmeldung sieht die Stadtverwaltung darin, dass an anderen Grundschulen möglicherweise größere Klassen gebildet werden müssten, um die von Norbertus- und Adolf-Sauer-Schule abgewiesenen Kinder aufnehmen zu können. Was wiederum dort zu Problemen führen könnte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben