Pflege

Arnsberg: Hilfe für unheilbar kranke Menschen

Da sein, zuhören, Aufmerksamkeit schenken – darauf kommt es bei der Betreuung schwer kranker und sterbender Menschen vor allem an. Medizinische, pflegerische und psychosoziale Begleitung gehören dabei zusammen.

Da sein, zuhören, Aufmerksamkeit schenken – darauf kommt es bei der Betreuung schwer kranker und sterbender Menschen vor allem an. Medizinische, pflegerische und psychosoziale Begleitung gehören dabei zusammen.

Foto: Sebastian Kahnert

Arnsberg.   Das Netzwerk zur ambulanten Palliativpflege wächst weiter. Viele Patienten und Angehörige wollen die letzten Tage zu Hause verbringen.

Unheilbar kranke Patienten sind auf ein gutes Netzwerk angewiesen zwischen Krankenhäusern, Arztpraxen, Seniorenheimen und Hospizen, aber auch ambulanten Diensten. Denn viele Betroffene und ihre Angehörigen wünschen sich, die letzten Wochen, Tage und Stunden gemeinsam in gewohnter Umgebung verbringen zu können.

Ambulante Palliativpflege ist gefragt, daher bieten auch immer mehr private Pflegedienste sie an. Im Stadtgebiet Arnsberg ist gerade erst ProVita in die ambulante Palliativpflege eingestiegen. „Wir können Patienten auf dem letzten Lebensweg so intensiver versorgen“, sagt Sandra Luckey, Leiterin des Palliativdienstes. „Im Vordergrund steht dabei, die Lebensqualität zu halten oder auch zu erhöhen.“

Bedingungen zu Hause müssen stimmen

Die Fachkräfte sind in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten im Einsatz, um Patienten zu unterstützen, die zum Beispiel unter Schmerzen, Luftnot oder Nebenwirkungen von Chemotherapien leiden. Viele Patienten wollen lieber zu Hause sein als im Krankenhaus – das müssen aber sowohl ihr gesundheitlicher Zustand als auch die Bedingungen zu Hause stimmen – inklusive Unterstützung der Angehörigen.

„Wir machen einen ersten Hausbesuch, wenn die Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden und schauen, ob die Situation sich eignet“, so Luckey. Mehrere Hausbesuche pro Tag lassen sich mit den Krankenkassen abrechnen, sofern die Umstände es nötig und möglich machen.

Die Palliativfachkräfte betreuen ihre Patienten bis zum Schluss. „Meine älteste Patientin bislang war 104 Jahre alt, die Jüngste erst 12“, berichtet Luckey. In der letzten Lebensphase brauchen sowohl Patienten als auch Angehörige psychosoziale Betreuung, jemanden, der sich Zeit nimmt und zuhört.

Ehrenamtliche sind ebenfalls gefragt

Dazu kooperiert ProVita mit dem „Sternenweg“, dem ambulanten Hospizdienst der Caritas. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter wollen unheilbar Kranken und ihren Angehörigen vor allem Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Sie begleiten sowohl zu Hause als auch in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern.

Die Caritas Arnsberg-Sundern bietet außerdem ebenfalls ambulante Palliativpflege an. Bislang gab es dafür einen eigenen Dienst, nun seien die entsprechend qualifizierten Mitarbeiter über die Sozialstationen organisiert, um eine möglichst umfassende Betreuung zu ermöglichen, erklärt Caritas-Sprecherin Miriam Konietzny. „Es geht darum, die letzte Lebenphase für die Patienten so gut wie möglich zu gestalten“, sagt sie und betont ebenfalls, dass dafür ein funktionierendes Netzwerk aller Akteure wichtig ist.

Drei Fragen an Palliativarzt Dr. Paulus Decker



1 Was ist das Palliativnetz Soest-HSK?

Ca. 20 speziell qualifizierte Palliativ-Ärzte haben sich vor zehn Jahren zusammengeschlossen, um die palliativmedizinische Versorgung in den beiden Kreisen Soest und Hochsauerland zu sichern und weiter zu verbessern. Das System, das durch die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung finanziert wird, beruht im Wesentlichen auf zwei Säulen: Einem ärztlichen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst, unabhängig vom üblichen hausärztlichen Notdienst, und zum anderen auf Krankenschwestern mit entsprechender Palliativ-Care-Fachausbildung, die die Patienten bzw. die Angehörigen auf ihren Hausbesuchen beraten und unterstützen. Wir arbeiten dabei eng mit den lokalen Pflegediensten, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Hospizeinrichtungen und den Hausärzten der Patienten zusammen.

2 Was kann die moderne Schmerztherapie bewirken?

Vorweg: Palliativmedizin ist deutlich mehr als nur Schmerztherapie und sie ist nicht nur Krebspatienten vorbehalten. Es geht um Linderung aller Notlagen bei unheilbar Kranken bzw. Sterbenden. Häufig sind es psychosoziale Probleme oder seelische und spirituelle Fragen, die den Patienten leiden lassen. Die Schmerztherapie nimmt dabei natürlich einen sehr wichtigen Platz ein. Ich gehe nicht so weit zu sagen, dass niemand mehr Schmerzen erleiden muss. Die heutige Palliativmedizin ist aber in der Lage, die meisten Schmerzen so zu lindern, dass Patienten auch bei schweren, unheilbaren Erkrankungen lange eine relativ hohe Lebensqualität erhalten können.

3 Welche Bedeutung hat die ambulante Versorgung?

Pflegekräfte und Ärzte müssen da sein, wo die Patienten sind, nicht umgekehrt. Die meisten Patienten mit unheilbaren Krankheiten wollen zu Hause gepflegt werden. Sie sind häufig nicht mehr mobil genug, um noch Fachärzte oder Ambulanzzentren aufzusuchen. Der Hausbesuch ist daher eine Kernaufgabe medizinischen Handelns. Die Herausforderung ist die Sicherstellung eines unbürokratischen, effektiv vernetzten Systems auf der großen Fläche der ländlich geprägten Kreise bei Pflegenotstand und abnehmender Hausärztezahl.

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