Kino

Arnsberg: Hoffen auf Kino-Nostalgie fürs Zuhause

Papa Gerhard Kuhnert schraubt mit Sohn Dennis an den Stühlen, Tochter Mareike und Nichte Nele sorgen für Beleuchtung im Kinosaal.

Papa Gerhard Kuhnert schraubt mit Sohn Dennis an den Stühlen, Tochter Mareike und Nichte Nele sorgen für Beleuchtung im Kinosaal.

Foto: Frank Albrecht / WP

Arnsberg.  Rund 100 Kinostühle wechseln im Residenzkino Arnsberg den Besitzer. Der Verkaufserlös wird der Aktion Lichtblicke gespendet.

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Lange Schlangen vor der Eingangstür zum Arnsberger Residenz-Kino am Sonntagmorgen zur besten Frühstückszeit: Nicht die Aussicht auf gute Unterhaltung auf der Leinwand treibt die Menschen an, ihre Betten zu verlassen, ausrangierte Kinostühle sind in das Visier geraten. Im Kinosaal 3 soll es neue geben, und für die alten Sessel haben sich schon Hunderte Interessenten gefunden.

Es ist Sonntag, kurz nach Zehn, ein guter Zeitpunkt für die Aktion. An einen normalen Einlass in das Arnsberger Kino ist an diesem Morgen nicht zu denken: Im kompletten Eingangsbereich stehen die Stuhl-Jäger und warten auf ihre Chance. Die Schlange ist lang, und um die Ecke herum kann man ihr Ende nicht absehen. Für Familie Tillmann aus Arnsberg geht es nur langsam vorwärts, und mit jedem Schritt in Richtung Eingangstür steigt die Spannung: Ob es wohl noch für uns reicht?!

Vater und Mutter, Jörg und Heike Tillmann, begleiten Sohn Philipp, der Motivator für die Aktion war. „Die Stühle sollen für unsere Kellerbar sein“, lacht Mutter Heike – immer noch voller Hoffnung, dass es auch wirklich klappen kann. Nein, mit dem Ausbau von Kinostühlen hat die Familie noch keine Erfahrung, aber die Vorbereitung stimmt: Ein kleiner Werkzeugkoffer begleitet die Drei Stück für Stück nach vorne. Ein bisschen Kino-Nostalgie fürs Zuhause, das wär’s doch.

Nur in kleinen Gruppen in den Saal

Bestimmt schon einige Male haben sie auch in diesen Sesseln gesessen und einen Film geschaut, aber die Erinnerung an die Ausstattung des Saals ist etwas verblasst. Wie war das noch mal mit der Farbe? Türkis! Na, ja wird schon, denken sich die Eltern, und etwas Überraschung soll schließlich auch noch sein.

Mit der Zeit schreitet auch die Ungeduld der Wartenden voran. Ganz klar, Interessenten an dem seltenen Angebot werden immer nur in kleinen Gruppen in den Saal gelassen – und erst, nachdem alle brav die Summe für ihre Stühle gezahlt haben. Ein Stück Krepp-Band am Arm zeigt, wie viele Sessel sie im Saal abschrauben dürfen.

Kinobetreiber Hubert Nieuwdorp ist selber vor Ort und begleitet die Aktion. „Wir hoffen wieder auf eine gute Spendensumme“, sagt er. So wie vor ein paar Jahren schon, da wurden die Stühle im „Resi 2“ verkauft, und rund 2000 Euro konnten im Anschluss an Lichtblicke überwiesen werden. Nicht lange wird der Saal ohne Sessel bleiben, schon in diesen Tagen kommen die Neuen, so der Betreiber.

Im Saal 3 ist es dunkel, aber die Hilfsbereitschaft ist groß. Während Papa Gerhard Kuhnert auf den Knien werkelt, leuchtet Tochter Mareike Kuhnert mit einem Handy. Von einem anderen Schrauber bekommen sie eine LED-Lampe geschenkt, seine Stühle sind schon abmontiert. Zwillingsbruder Dennis ist auch am Start, und die Nichte Nele schaut zu.

Acht Stühle bei der Aktion erworben

Vater und Sohn haben sich einiges vorgenommen – insgesamt acht Stühle haben sie bei der Aktion erworben, vier für jeden der beiden Haushalte. „Es ist das erste Mal, dass wir uns darum bemühen“, schmunzelt Tochter Mareike. Aber Sorgen gibt es nicht – Papa ist Heizungsbauer, der Bruder als Industriemechaniker tätig. Der Umgang mit Werkzeug und Technik gar kein Problem. „Wir waren heute morgen die Zweiten in der Schlange“, verrät Sohn Dennis. Schon um 9 Uhr habe man sich vor die Tür gestellt, das Warten hat sich gelohnt. Und die Farbe der Stühle passt auch, da sind sich alle sicher.

Schnell gehen die beiden Handwerker im Saal 3 zu Werke, und auch für den Abtransport der wuchtigen Sessel in Türkis ist alles vorbereitet. Ein Anhänger wartet vor der Tür. Mit vier Kinostühlen soll das ehemalige Kinderzimmer von Nele zu einem Medienraum werden, die vier restlichen Stühle kommen als Schmuckstück in die Kellerbar. Ein bisschen Retro-Look ist genau das, was hier noch gefehlt habe.

Während das Jagdfieber weiter im Saal zu spüren ist, wächst die Ungeduld vor der Tür. Familie Tillmann hat es leider nicht mehr geschafft, zu groß war der Andrang auf die Stühle, zu lang die Schlange. Aber die nächste Möglichkeit kommt bestimmt. Es hat sich herum gesprochen, dass demnächst, irgendwann, auch die Sessel im Saal 1 getauscht werden. Dann heißt es wieder früh aufstehen, um auf die Jagd zu gehen.

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