Literatur

Arnsberg: Joachim Ringelnatz mitten im Wald

Jutta Juchmann und Wolfgang Wirt aus dem Poesiepfad-Team trugen zur Eröffnung Informationen aus dem Leben des Autors sowie ausgewählte Gedichte von ihm vor.

Jutta Juchmann und Wolfgang Wirt aus dem Poesiepfad-Team trugen zur Eröffnung Informationen aus dem Leben des Autors sowie ausgewählte Gedichte von ihm vor.

Foto: Frank Albrecht

Rumbeck.  Darauf hatten viele Literaturfreunde wohl gewartet: Ringelnatz im Wald. Das gab es bei der Wiedereröffnung des Poesiepfades in Rumbeck.

Es gibt wieder neues Leben auf dem Arnsberger „Poesiepfad“ im Mühlbachtal: Bei einem gemeinsamen Rundgang zur Eröffnung der neuen Herbst-Edition wurde das zum Wochenende deutlich zelebriert. Unter dem Motto „Ich bin etwas schief ins Leben gebaut“ sind seitdem ausgewählte Gedichte eines gewissen Hans Gustav Bötticher zu lesen, vielen besser als Joachim Ringelnatz bekannt.

Im Wald an der frischen Luft brauchte es viel Platz, um bei einer rekordverdächtigen Beteiligung von über 40 Freunden des Poesiepfades den Corona-konformen Abstand zu finden und einzuhalten. Ein Wetter, das deutlich besser war als angedroht, sorgte zudem für großen Andrang. Jutta Juchmann, Wolfgang Wirth und Theo Hirnstein hatten gemeinsam die Texte für die Präsentation ausgewählt. Etwas Geduld wurden den Teilnehmern der Eröffnung dann aber schon abverlangt, bevor die typischen Klassiker des deutschen Dichters in Reimform zu hören waren.

Wer war Hans-Gustav Bötticher?

So war es an Wolfgang Wirth, den Interessierten Spannendes aus dem Leben des Herrn Bötticher vorzutragen, der sich erst später den nur allzu bekannten Künstlernamen zugelegt hatte. Einen inhaltlichen

Wandel konnten die Akteure auch beim Gang über den rund drei Kilometer langen Poesiepfad darstellen. Waren die ersten Gedichte noch unter Hans Gustav Bötticher geschrieben und überwiegend von der Ernsthaftigkeit von Liebesschmerz, Trauer und Verzicht geprägt, ließ sich der Wechsel des Namens auch im Inhalt der folgenden Gedichte ableiten.

So erfuhren die Gäste von Wolfgang Wirth, dass es der spätere Joachim Ringelnatz mit dem Arbeiten nicht so streng gehalten haben soll. Seine Absicht, als Matrose zur See zu fahren, haben genau seinem Ansinnen entsprochen, nicht für ein geregeltes Arbeitsleben geschaffen zu sein. Und das, obwohl er sich großspurig um Jobs beworben habe, zu denen aber häufig die nötige Qualifikation gefehlt haben soll. Der Schriftsteller, Maler und Kabarettist wurde während des gesamten Rundgangs über den Poesiepfad ausführlich von allen Seiten betrachtet, denn es gab kaum eine Gedichttafel, an der nicht wieder Neues und für einige Spannendes aus seinem Leben geschildert wurde.

Augenzwinkern

„Zu den meisten Gedichten muss ich ja wohl nichts sagen“, zwinkerte Wolfgang Wirth den Teilnehmern zu, „sie erklären sich von selbst.“ Und so waren es im zweiten Teil des Weges vor allem die schelmischen Texte, die den Spaßvogel Joachim Ringelnatz zeigten, wie er auch von den meisten erwartet wurde. „Denn deshalb sind Sie ja wohl gekommen“, fragte Wirth in Richtung des Zuhörer. Eine Antwort mussten sie ihm nicht geben.

Humor als Ventil

Schließlich sei mit dem Lebensmotto von Ringelnatz vor allem die eine Aussage verbunden, Humor sei das Ventil bevor der Kragen platzt. Eine Blick auf die Entstehung der Poesiepfad-Edition mochten sich die Erzähler auch nicht verkneifen. Die Eindrücke aus einem Ringelnatz-Museum hätten schließlich die Inspiration für die Auswahl von Ringelnatz-Texten gegeben, so Wirth. Dabei habe vor allem seine Fähigkeit überzeugt, auch über sich selbst zu sprechen und sich zu parodieren überzeugt. „Eine Tugend, über die nicht wirklich viele verfügen“, lobte Wolfgang Wirth. So blieben dann Gedichte wie „Die Ameisen“ oder „Bumerang“, deren gelungener Vortrag durch Jutta Juchmann von den Teilnehmern des Rundgangs mit herzlichem Lachen quittiert wurden. Auch wenn – wie aus der Lebensgeschichte des Protagonisten zu erfahren war – der unter einer Alkoholkrankheit gelitten haben soll, die er aber erst nach seinen öffentlichen Auftritten ausgelebt habe.

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