Inklusion

Arnsberg: „Mannschaft Inklusive“ fährt tollen Erfolg ein

So sehen Sieger aus: Die „Arnsberger Mannschaft Inklusive“ in Joachimsthal. Oben links Trainer Mino Minieri.

So sehen Sieger aus: Die „Arnsberger Mannschaft Inklusive“ in Joachimsthal. Oben links Trainer Mino Minieri.

Foto: Foto: Privat

Arnsberg.  Die „Mannschaft Inklusive“ aus Arnsberg holt beim deutschlandweiten Fußballturnier um den SENI-Cup Gruppenplatz 1. Jetzt geht die Reise weiter.

Das nennt man phantatische Arbeit. Gerade einmal vor einem Jahr gegründet, hat die „Mannschaft Inklusive“ von „Lebenshilfe Wohnen NRW“ Arnsberg und SV 09 einen großartigen Erfolg erzielt:

Als frisch gekürter Gruppensieger beim deutschlandweiten SENI Cup-Turnier in Joachimsthal bei Berlin für Fußballteams mit SpielerInnen mit Handicap vertritt die Elf aus der Regierungsstadt nun vom 3. bis 5. Juli die deutschen Farben beim Europa-Finale in Polen.

„Das ist für das Selbstvertrauen - nicht nur im sportlichen Bereich - unserer insgesamt 16 Spielerinnen und Spieler enorm wichtig,“ freut sich auch der Trainer und Initiator des Projekts „Mannschaft Inklusive“, Mino Minieri, über das Abschneiden bei der finalen Deutschland-Runde des SENI-Cups (Infobox).

„Wir haben nicht geglaubt, dass wir überhaupt ein Spiel gewinnen werden“

„Denn nach unseren bisherigen Ergebnissen in der Landesliga des Behindertenrehabilitationssports NRW, in der wir nur Haue bekommen haben, haben wir nicht geglaubt, dass wir in Joachimsthal überhaupt ein Spiel gewinnen können.“ Doch dann kam alles ganz anders.

Mit etwas Losglück konnten die KickerInnen der „Mannschaft Inklusive“ sofort in den ersten Spielen souveräne Siege einfahren. „Da ging dann die Brust nach vorne und die Mannschaft glaubte an sich.“

Und da Glaube bekanntlich Flügel verleiht, räumte das Arnsberger Team alle weiteren Gegner ab und landete schließlich auf Platz 1 in der Gruppe B. „Da haben sich dann die SpielerInnen in die Arme genommen und vor Freude geweint.“

Der 16-jährige Jannik Daum wird „Spieler des Turniers“

Ganz nebenbei gab es noch einen weiteren tollen Erfolg: Ausgerechnet der jüngste Spieler der Truppe, der 16-jährige Jannik Daum, wurde zum Spieler des Turniers gewählt. Er hatte 16 der 23 Arnsberger Tore erzielt. Da kann sich mancher Bundesliga-Stürmer locker eine Scheibe abschneiden.

Nun geht die Reise weiter: Vom 3. bis 5. Juli tritt die „Mannschaft Inklusive“ als eine von insgesamt drei deutschen Teams beim SENI Cup-Finale auf europäischer Ebene im polnischen Torun (Thorn) an.

„Zugelassen sind zwar dort nur sieben Spieler pro Mannschaft,“ sagt Mino Minieri, „aber wir wollen natürlich versuchen, dass wir alle unsere Spielerinnen und Spieler mitnehmen können. Weil sie es alle verdient haben, dabei zu sein.“

„Lebenshilfe“ und SV Arnsberg 09 unterstützen

Wie berichtet, hatte Mino Minieri das Arnsberger Team im April 2018 mit Unterstützung seines Arbeitgebers, der „Lebenshilfe Wohnen“, und des SV 09 („Der Verein hilft, wo er kann.“) aus der Taufe gehoben.

Das Interesse daran war sofort groß (wir berichteten) - innerhalb kürzester Zeit meldeten sich 15 Spieler und eine Spielerin im Alter von 16 bis 44 Jahren und trainieren seither mit wachsender Begeisterung und ungebrochenem Eifer auf dem Sportplatz des SV 09 im Eichholz, den dieser sofort für das Projekt zur Verfügung gestellt hatte.

Das Interesse ist enorm gestiegen

„Inzwischen ist die Nachfrage weiterer Spielerinnen und Spieler auch über das Stadtgebiet hinaus enorm gestiegen, so dass man über die Gründung einer zweiten Mannschaft nachdenken muss.“

Doch das kann dann allerdings von Mino Minieri nicht mehr allein gestemmt werden, dem zwar bei Training und Betreuung Winfried Schäfer als Vater eines der Spieler zur Seite steht, aber Minieri trainiert zugleich noch die B-Jugend des SV 09. „Mehr geht da kaum noch.“

„Das gute Miteinander und die Freude sind der schönste Lohn“

Obwohl Minieri die Arbeit mit der „Mannschaft Inklusive“ enorme Freude bereitet und er dies nicht mehr missen möchte. „Das ist ein richtiger Ausgleich für mich, denn die Spielerinnen und Spieler sind unwahrscheinlich motiviert, verpassen kein Training.“

Allerdings gestaltete sich das Training schon etwas anders. „Weil man mit Sportlern mit Handicap viele Einzelgespräche führen und immer wieder an das Selbstbewusstsein appellieren muss.“ Daher sei der Arbeitsaufwand - auch im psychologischen Bereich - schon deutlich größer.

Aber das gute Miteinander, die Freude der SpielerInnen seien dafür der schönste Lohn. „Toll ist auch die intakte Gemeinschaft.“ Von daher sei der große Altersunterschied im Team überhaupt kein Problem. „Das funktioniert ganz entspannt.“

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