Friedhöfe

Arnsberg: Stadtrat macht Weg für neue Bestattungsformen frei

Baum- und Baumurnenbestattungen werden immer stärker nachgefragt

Baum- und Baumurnenbestattungen werden immer stärker nachgefragt

Foto: Michael Kleinrensing

Arnsberg.   Das Votum auf Antrag von CDU/Grünen ist zugleich auch ein klares Bekenntnis zu den Friedhöfen in den Ortsteilen der Stadt.

Wer die Kirche sprichwörtlich im Dorf lässt, beweist Realitätssinn. Wer auch den Friedhof als wichtigen Baustein örtlicher und dezentraler Infrastruktur versteht, kommt dem Wunsch vieler Bürger aus den Ortsteilen entgegen. Der Rat der Stadt Arnsberg hat den Weg für neue Bestattungsformen auf allen Friedhöfen frei gemacht. Ein klares Bekenntnis zu den Friedhöfen in den Orten.

Dr. Gerhard Webers von der CDU begrüßt diese Entscheidung: „Mit der Einführung von Baumbestattungen auf Ortsteilfriedhöfen setzen wir einen Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger aus den Ortsteilen um“, so der Sprecher der CDU im Betriebsausschuss.

Ortsteile blieben bei Baumbestattungen außen vor

Vor zehn Jahren wurde die Baumbestattung erstmals angeboten, zunächst nur auf dem Waldfriedhof im Rumbecker Holz. Im Jahr 2017 folgte die Möglichkeit der Baumbestattung auch auf dem Friedhof an der Sunderner Straße. Die Ortsteile blieben dabei außen vor.

Das ändert sich jetzt, was auch Thomas Wälter von Bündnis 90/Grüne freut. „Ich bin froh, dass die Friedhöfe auf den Dörfern erhalten bleiben“, sagte er kürzlich im Haupt- und Finanzausschuss. Die Anlagen seien die rund 600.000 Euro jährlich an Bezuschussung wert. „Für Grünflächen geben wir ansonsten schließlich auch Geld aus“, sagte er.

„Friedhöfe am Samstag sind eine einzige Dating-Zone“

Und dann kam ein Satz, der für Erheiterung im politischen Raum sorgte und besser wie kein anderer die soziale Funktion von Friedhöfen erläutert: „Friedhöfe am Samstag sind eine einzige Dating-Zone“, so Wälter.

Die Erkenntnis hinter der einvernehmlich getroffenen politischen Entscheidung: In den vergangenen Jahren hat sich die Bestattungskultur – ebenso wie die Lebensverhältnisse – verändert.

Antrag zielt auf die veränderten Lebensverhältnisse ab

„Viele Ehepaare sind kinderlos. Kinder leben teils nicht mehr am Wohnort der Eltern. Eltern möchten ihren Kindern nicht die jahrzehntelange Grabpflege zumuten. Die Sorge um die spätere Grabpflege verdrängt Traditionen und Wertvorstellungen“, erklärt Dr. Gerhard Webers.

Urnengräber seien pflegeleicht, bei Baumbestattungen erübrige sich die Pflege ganz.

Auf diese veränderten Lebensverhältnisse wollte die CDU mit ihrem gemeinsam mit den Grünen gestellten Antrag Antworten geben und dennoch dem Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger gerecht werden, „auch in Zukunft im eigenen Ortsteil, im eigenen Dorf begraben werden zu können, auch als Familie“, so Dr. Webers.

2018 wählten über 200 Arnsberger die Baumbestattung

Neben Baumbestattungen auf den Ortsteilfriedhöfen - zuletzt wählten in 2018 bereits über 200 Arnsberger diese Bestattungsart für ihre verstorbenen Angehörigen - ermöglicht das neue Friedhofskonzept zudem in den drei großen Ortsteilen auch die Möglichkeit, das Nutzungsrecht an gärtnerisch gestalteten Gräbern zu erwerben.

Baumbestattung auf Ortsteilfriedhöfen erst ab 2020

Die Politik lässt sich das alles etwas kosten: Die Friedhofsverwaltung verweist darauf, dass Baumbestattungen „unweigerlich zu einer Erhöhung des Fehlbetrages“ führen würden. Verwiesen wird auch darauf, dass Baumgräber auf den Ortsteilfriedhöfen aufgrund von nötigen Vorarbeiten erst ab 1. Januar 2020 angeboten werden können.

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