Nach Kommunalwahl

Arnsberg/Sundern: Kleiner Frauenanteil in großen Fraktionen

Frauenanteil in den Stadträten von Arnsberg und Sundern - zum Vergleich auch die alte Zusammensetzung der Räte

Frauenanteil in den Stadträten von Arnsberg und Sundern - zum Vergleich auch die alte Zusammensetzung der Räte

Foto: Manuela Nossutta

Arnsberg/Sundern.  SPD und CDU bemühen sich um neue junge Politikerinnen, doch es gibt Hindernisse in Arnsberg und Sundern.

Mit einem sehr niedrigen Anteil von Frauen warten CDU- und SPD-Fraktion im Arnsberger Stadtrat nach der Kommunalwahl auf. Von den 20 Sitzen der CDU entfallen 17 auf Männer und drei auf Frauen; in der 15-köpfigen SPD-Fraktion gibt es zwölf Männer und drei Frauen. Worauf ist dieses Ungleichgewicht von Frauen und Männern in den beiden großen Fraktionen zurückzuführen? CDU-Stadtverbandsvorsitzender Peter Blume erklärt: „Ich hatte mich anfangs für acht Frauen in der künftigen Fraktion ausgesprochen, nach dem Kandidaten-Aufstellungsparteitag der CDU auf Bergheim hatten wir nur noch fünf Anwärterinnen, und jetzt nach der Wahl, als zwei unserer Kandidatinnen ihren Bezirk nicht gewannen, sind nur noch drei Frauen in unserer Fraktion übrig geblieben. Das ist absolut unbefriedigend. Der Frauenanteil für aussichtsreiche Mandate muss bei der nächsten Wahl deutlich höher werden.“

Alle Arnsberger CDU-Sitze über Direktmandate

Da der CDU-Anspruch auf 20 Sitze im Rat bereits durch 20 errungenen Direktmandate erfüllt war, konnten keine zusätzlichen Frauen über die Reserveliste nachrücken. Die Vorsitzende der CDU-Frauenunion Arnsberg, Christina Reuther, wird deshalb dafür kämpfen, den Frauenanteil bei den CDU-Direktmandaten bei der nächsten Wahl zu erhöhen, wobei dann auch „die Klebe von Ratsmitgliedern an ihren Sitzen zu lockern ist“ (so Reuther). Aktuell vorankommen wollen die CDU-Frauen z. B. über sachkundige Bürgerinnen in den Ausschüssen, Vernetzung mit Ratsmitgliedern und Austausch in der Fraktion (die Frauen-Union nimmt als kooptiertes Mitglied an CDU-Fraktionssitzungen teil).

Arnsberger SPD bedauert Absagen von Frauen

Der neu gewählte SPD-Fraktionschef Andreas Posta bedauert den niedrigen Anteil von Frauen in der Fraktion. „Wir hätten gern mehr Frauen in der Fraktion gehabt, doch als wir Frauen gefragt haben, wo wir sie sie auf einen Reservelistenplatz mit guten Aussichten auf ein Ratsmandat setzen könnten, haben uns leider manche Frauen eine Absage erteilt. Oft hörten wir, dass eine intensive politische Arbeit nicht vereinbar sein würde mit der bisherigen zeitlichen Beanspruchung durch Beruf und Familie.“

Posta betonte, dass die SPD rein anzahlmäßig genug Frauen gehabt hätte, um mehr Sozialdemokratinnen in den Rat zu holen. „Aber bei Absagen kann man leider nichts machen!", so Posta. Da 12 von 15 SPD-Sitzen durch eine Reserveliste zugeteilt wurden, ist für SPD-Frauen die Liste der Arnsberger SPD der entscheidende Zugang in den Rat. Bei der CDU ist die Zuteilung eines aussichtsreiches Wahlbezirks für ein Direktmandat ausschlaggebend, denn diesmal wurden alle CDU-Sitze direkt im Bezirk geholt.

Grüne haben haben deutlich mehr Frauen als Männer im Rat

Beim Frauen-Anteil liegt die Fraktion der Grünen sogar schon deutlich über einem ausgeglichenen Zahlenverhältnis zwischen Frauen und Männern. Die Grüne haben fünf Frauen und zwei Männer in ihrer neuen Fraktion. Muss man dann schon über eine Männerquote sprechen? Verena Verspohl (Grüne) sagt: „Die Grünen haben die Besetzung der Reserveliste bundesweit bei Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahl einheitlich geregelt. Frauen stehen grundsätzlich auf den Listen alle ungeraden Plätze (1., 3., 5., 7. etc) zu. Auf den geraden Plätzen können Frauen oder Männer kandidieren. „Diesmal gab es in Arnsberg mehr qualifizierte Frauen als Männer für die Listenplätze, so dass diesmal die Frauen bei uns bei den ersten sieben Plätzen die Mehrheit bildeten.“

Gesamtfrauenanteil im Sunderner Rat liegt bei 35 Prozent

Der Frauenanteil in Sundern könnte höher sein, ist aber bei der jüngsten Wahl von 30 auf 35 Prozent gestiegen. Doch mit den Quoten von FDP und Grünen, die jeweils bei 50:50 liegen, zeigt sich ein Trend. Zwar hatten die Grünen im alten Rat zu Anfang ein 3:0- noch in ein 1:2-Verhältnis zugunsten der Frauen gedreht, liegen nun auf Augenhöhe, das ist der konsequenten wechselnden Besetzung geschuldet.

CDU in Sundern mit einer Frau mehr

„Wir haben es geschafft: Auf den ersten 16 Plätzen der Liste gibt es jetzt einen 50-prozentigen Frauenanteil“, freute sich bei der Aufstellungsversammlung der CDU im Juni der Sunderner Parteivorsitzende Stefan Lange. „Politik braucht die Sicht der Frauen“, hielt er damals weiter fest. Bei der Wahl am Sonntag hat die CDU dann bei insgesamt einem errungenen Direktmandat weniger aber eine Frau mehr in den Stadtrat von Sundern bekommen. Allerdings ist bei einem Verhältnis von 13:4 in der Union-Ratsbesetzung noch einiges zu tun. Erfolgreich war allerdings auch Dr. Elke Drepper-Cramer, die sich einen der wenigen Frauenplätze im Kreistag holte. Fast im Ziel ist die SPD mit einem 4:3-Verhältnis, das sah im bisherigen Rat noch anders aus. Das Personal ist bei dieser Besetzung aber komplett gleich geblieben.

KOMMENTAR von Martin Schwarz

Jungen Frauen Platz machen!

Die Parteien stehen in einem Dilemma: Einerseits haben sie altbekannte Polit-Kämpen in den Stadtteilen mit guten Aussichten auf gute Wahlergebnisse, andererseits ist ein Generationswechsel zu jüngeren Leuten (insbesondere Frauen) nötig. Frauen sind aber seit vielen Jahren in Stadtparlamenten unterrepräsentiert, ihnen ist Platz zu machen! Die Einsicht dazu ist an Stadtverbands- und Fraktionsspitzen von SPD und CDU zwar schon längst angekommen, doch dies auch gegenüber Ortsverbänden durchzusetzen, in denen alte Polit-Kämpen gut vernetzt sind, bleibt schwierig. Dies zwingt Frauen dazu, noch mehr Gas zu geben, aber auch mehr Frauen dafür zu gewinnen, auf schwerem Polit-Acker zu arbeiten.

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