Ehrenamt

Arnsberg: Tafelvorsitzender befürchtet steigende Altersarmut

Peter Hoscheidt ist neuer Vorsitzender der Arnsberger Tafel.

Peter Hoscheidt ist neuer Vorsitzender der Arnsberger Tafel.

Foto: Katrin Clemens / WP

Neheim.  Der neue Vorsitzende der Arnsberger Tafel glaubt, dass die Lebensmittelausgabe in der Stadt noch lange gebraucht wird.

Bei rund 3000 Menschen kommen nach Berechnungen der Arnsberger Tafel Lebensmittel auf den Tisch, die aus der Ausgabestelle an der Möhnestraße kommen. Dort geben ehrenamtliche Mitarbeiter Waren aus, die von Supermärkten, Bäckereien und anderen gespendet werden. Seit einigen Wochen ist Peter Hoscheidt neuer Vorsitzender der Arnsberger Tafel. Er übernimmt den Posten in einer Zeit der Herausforderungen.

Wie sind Sie zur Tafel gekommen?

Peter Hoscheidt: Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen kann, den Vorsitz zu übernehmen. Die Tafel kannte ich natürlich, war aber noch nie selbst vor Ort. Nach meinem ersten Besuch in der Ausgabestelle war ich direkt überzeugt. Die Arbeit der Tafel ist einfach wichtig. Der Andrang zu den Ausgabezeiten ist groß, daran sieht man, wie groß die Not in Deutschland ist. Mir macht das Engagement hier sehr viel Spaß und ich lerne noch jeden Tag dazu. Es funktioniert zwar alles ehrenamtlich, aber ansonsten ist die Tafel mit 60 Leuten fast so etwas wie ein mittelständischer Betrieb.

Ihnen steht mit dem Umzug der Ausgabestelle direkt eine große Aufgabe bevor.

Ja, es wird sich eine Menge verändern. Es gibt viel zu tun im Gebäude am Güterbahnhof, dem neuen Ziel. Es müssen ja unter anderem auch die großen Kühlaggregate umziehen. Deshalb steht noch kein konkretes Datum fest. Aber ich kann sagen: Wir werden nicht am Ende des Jahres ohne Räumlichkeit dastehen. Etwas Zeit ist noch, wahrscheinlich wird der Umzug Mitte 2020 stattfinden. Zum Glück gibt es unter anderem sehr viel handwerkliches Know-how im ehrenamtlichen Team, so dass wir da gut aufgestellt sind. Trotzdem werden wir einiges an Geld aufbringen müssen, wofür wir auf Spenden angewiesen sind.

Im Vorstand hat sich nicht nur der Vorsitz verändert, sondern auch einige andere Posten sind neu besetzt. Was war der Grund?

Genau, wir sind gerade dabei, ein neues Team aufzubauen. Ein Kassierer fehlt noch, aber ich bin zuversichtlich, dass auch dieser Posten bald wieder besetzt ist. Ansonsten hatten die Wechsel im Vorstand jeweils persönliche Gründe, es gab keinen Streit im Hintergrund oder Ähnliches, was jetzt einige vermuten. Und es sind weiterhin Ehrenamtliche im Vorstand, die langjährige Erfahrung haben und auf deren Wissen wir setzen können.

Welche Ziele haben Sie sich für ihr neues Amt gesetzt?

Ich habe eine Liste mit vielen Aufgaben, an erster Stelle steht da der Umzug. Wir wollen aber zum Beispiel auch den enormen Verbrauch an Plastiktüten senken. Größere Mengen an Backwaren zum Beispiel verpacken wir in Plastiktüten und jeden Tag werden auch Tüten mit verschiedenen Produkten gepackt, die für einen Euro an die Kunden abgegeben werden. Dabei kommt eine Menge an Plastik zusammen, die wir verringern wollen. Dafür suchen wir gerade nach Lösungen. Außerdem suchen wir dringend zusätzliche Fahrer, die Waren von Supermärkten, Bäckereien und so weiter abholen, im Stadtgebiet, aber auch ab und an in der weiteren Region. Wer da Interesse hat, kann sich gerne bei uns melden.

Welche Voraussetzungen sollten die Ehrenamtlichen dafür mitbringen?

Einen Führerschein der Klasse 3, Zeit an Vormittagen und ein Interesse an dem interkulturellen Miteinander, das wir hier leben. Von der Tafel profitieren etwa 3000 Menschen aus verschiedenen Nationen. Es ist eine große integrative Aufgabe, die wir hier erfüllen.

Wie blicken Sie in die Zukunft der Tafel?

Für die Arnsberger Tafel hoffe ich, dass sich die Bedingungen in der Ausgabestelle durch den Umzug verbessern. Ansonsten würde ich mir natürlich wünschen, dass weniger Menschen auf die Tafel angewiesen sind, denn die Kunden stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Aber angesichts der drohenden Altersarmut fürchte ich leider, dass die Arbeit der Tafeln noch lange gebraucht werden wird. Unsere Aufgabe ist daher eher, die Hemmschwelle bei den Menschen zu senken, damit sie die Angebote auch in Anspruch nehmen. Und dann wollen wir noch einmal auswerten, woher die Kunden unserer Ausgabestelle eigentlich kommen und uns fragen, ob langfristig eine einzige Ausgabestelle im Stadtgebiet ausreichen kann.

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