Sanierung

Arnsberg: Test für die Barrierefreiheit im Alten Rathaus

Barbara Köster-Ewald, Herbert Kleine Wolter, Doris Feindt und Susanne Schmidt unternehmen mit Fachdienstleiter Jürgen Kilpert von der Stadt (hinten) einen Test-Rundgang durch das Alte Rathaus.

Barbara Köster-Ewald, Herbert Kleine Wolter, Doris Feindt und Susanne Schmidt unternehmen mit Fachdienstleiter Jürgen Kilpert von der Stadt (hinten) einen Test-Rundgang durch das Alte Rathaus.

Foto: Frank Albrecht

Arnsberg.  Ein Aufzug an der Außenfassade, eine bessere Akustik im Rittersaal: Wie das Alte Rathaus in Arnsberg barriereärmer wird.

Wie barrierefrei ist das Alte Rathaus in Arnsberg? Dieser Frage gingen jetzt Vertreterinnen und Vertreter der Interessenvertretung von Menschen mit Behinderung (BIV) auf den Grund.

Zusammen mit Jürgen Kilpert, Fachdienstleitung Gebäudemanagement der Stadt Arnsberg, begleiteten auch die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung der Stadt Arnsberg, Doris Feindt, Barbara Köster-Ewald, Delegierte der BIV, Susanne Schmidt vom Schwerhörigenbund und Herbert Kleine-Wolter vom Blinden- und Sehbehindertenverein NRW (BSV) den Rundgang durch das derzeit im Abschluss der Sanierung befindliche Gebäude. Um es gleich vorwegzunehmen: „Bei alten Gebäuden ist eine hundertprozentige Barrierefreiheit im Prinzip unmöglich“, erläuterte Jürgen Kilpert.

Speziell für die Sanierung des Alten Rathauses in Arnsberg habe man aber Förderanträge für den barrierearmen Umbau und die energetische Sanierung gestellt. Dem Abbau von Barrieren für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist man bei der Sanierung des Gebäudes schon ein Stückchen näher gekommen, wovon sich die Interessenvertreter überzeugen konnten. „Die Überwindung der verschiedenen Ebenen im Rathaus stellte für uns eine der größten Herausforderungen dar“, so Kilpert.

Lange habe man nach einem wirklich brauchbaren Ersatz für die alten „Treppenraupe“ gesucht, mit der bislang Menschen aus dem Rollstuhl in eines der oberen Stockwerke gelangen konnten. Die Raupe sei dann auch der Ansporn gewesen, einen geeigneten Platz für das Herzstück des barrierearmen Umbaus zu finden – den Aufzug. Lange wurde im Rathaus nach einer passenden Lösung gesucht, die auch nicht den Denkmalbestand des Gebäudes gefährdet.

Fündig geworden ist man an einer seitwärts des Haupteingangs gelegenen Fensterfront, an der ein Aufzug-Schaft angesetzt werden konnte. Vom Keller des Hauses bis zum Dachgeschoss, in dem nach der Sanierung auch wieder das Kulturbüro der Stadt zu finden ist, können jetzt bereits alle Ebenen mit dem Aufzug erreicht werden. Dass es darin einen Spiegel auf der geeigneten Höhe gibt, damit auch Rollstuhlfahrer bei der Ein- und Ausfahrt den Überblick behalten, konnte Susanne Schmidt von der BIV würdigen. Auch die Anordnung der Schalter sei auf einer Höhe, die den Bedürfnissen eines Rollstuhlnutzer angemessen sei.

Bessere Akustik im Rittersaal

Bei einer Testfahrt in den obersten Stock fiel aber vor allem die Stockwerk-Ansage sehr positiv auf. Damit können auch Menschen mit einer Sehbehinderung das richtige Stockwerk finden. Einen Minuspunkt musste Herbert Kleine-Wolter vom BSV doch verteilen: Die Türen des Aufzugs lassen sich nicht per Knopfdruck öffnen, was sicher leicht nachgerüstet werden könne.

Lob von allen Seiten gab es dagegen für das Behinderten-WC auf der Ebene des Rittersaals, der selbst nur zum Teil barrierefrei umgerüstet werden kann – z.B. mit einer Induktionsschleife für besseres Hören. Für Susanne Schmidt, die ein spezielles Hörgerät trägt, stehen vor allem die Akustikdecken und -stellwände in den hohen Räumen des Alten Rathauses im Fokus. „Sie sind wichtige Voraussetzung für besseres Hören, vor allem wenn mehrere Menschen in einem Zimmer arbeiten und telefonieren“, so Schmidt.

Mit dem Stand des Erreichten sind die Vertreterinnen und Vertreter der BIV aber noch nicht komplett zufrieden. „An einigen Stellen muss sicher noch nachgerüstet werden“, so Kleine-Wolter, aber ein erster Schritt in die richtige Richtung sei gegangen worden.

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