Interessenausgleich

Arnsberger Automobilzulieferer denkt an Standortschließung

Das Betriebsgelände der Ernst Keller GmbH & Co. KG

Foto: Ted Jones

Das Betriebsgelände der Ernst Keller GmbH & Co. KG Foto: Ted Jones

Arnsberg.  Ernst Keller GmbH&Co. KG strebt Interessenausgleich über Standort-Schließung an. 47 Mitarbeiter sind betroffen.

Der Automobilzulieferer Ernst Keller GmbH & Co. KG sieht sich veranlasst, Verhandlungen mit dem Betriebsrat für einen Interessenausgleich mit Arbeitnehmern aufzunehmen. Die Mitarbeiter wurden darüber am Freitagvormittag informiert. Das Unternehmen sieht in einer vollständigen Standortschließung in der Arnsberger Sauerlandstraße eine „realistische Maßnahme“. Wie Prokurist Gerhard Specht aus der Betriebsleitung mitteilt müssten die Gespräche mit dem Betriebsrat aber „ergebnisoffen geführt werden“. Betroffen sind alle 47 Mitarbeiter.

Noch keine Kündigungen

Die Arbeitnehmer - viele von ihnen sind seit vielen Jahren im Unternehmen - reagierten dem Vernehmen nach geschockt. „Das sind ja Dinge, die erlebt man nicht gerne“, zeigte sich auch Prokurist Gerhard Specht betroffen. Das gelte sowohl für Geschäftsführung wie Belegschaft. Er betont ausdrücklich, dass noch keine Kündigungen ausgesprochen seien. Die Ernst Keller GmbH & Co. KG stellt Seilkomponenten für die Personensicherheitstechnik an Fahrzeugsitzen her. Diese Produkte stünden nach Auskunft des Unternehmens seit Jahren unter erheblichem Preis- und Wettbewerbsdruck, insbesondere durch internationale Hersteller in Ländern mit niedrigem Lohn-/Gehaltsniveau wie Polen oder der Türkei.

Dies habe in den letzten Jahren zu einer Halbierung des Umsatzes der Ernst Keller GmbH & Co. KG geführt. „Die Entwicklung hat sich aktuell dadurch nochmals verschärft, dass Großaufträge weggefallen sind, da die Kunden diese Aufträge zu Preisen an Konkurrenten vergeben haben, die deutsche Hersteller nicht mehr darstellen können“, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens.

Alle Optionen ausgeschöpft

„Wir haben inzwischen alle Optionen der Kostenreduzierung und der Produktionsoptimierung ausgeschöpft, aber diese Maßnahmen haben sich als nicht mehr ausreichend dargestellt, so dass auch unsere Reserven erschöpft sind“ erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Detlev Guht, „ich habe mich schweren Herzens entschließen müssen, Gespräche mit dem Betriebsrat aufzunehmen und diesen darüber zu informieren, dass eine vollständige Schließung des Betriebs eine durchaus realistische Maßnahme sein kann“. Eine Insolvenz wolle das Unternehmen verhindern. Vielmehr solle der Arnsberger Standort sozialverträglich und geordnet abgewickelt werden. Wert legt das Unternehmen in diesem Prozess auf größtmögliche Transparenz. Der Standort in der Slowakei mit derzeit rund 120 Mitarbeitern sei davon mittelbar nicht betroffen.

Sozialverträglicher Weg angestrebt

„Sofern der Weg der Betriebsschließung unausweichlich ist, möchten wir diesen Weg in Kooperation mit dem Betriebsrat sozialverträglich für unsere insbesondere langjährigen Mitarbeiten gestalten“, versichert Detlev Guht. In diesem Falle würden auch die Kündigungsfristen eingehalten werden müssen. Der Betriebsrat habe nun alle erforderlichen Unterlagen zur Einsicht erhalten. Auch zwei Gesprächstermine seien bereits vorgeschlagen worden. Der Betriebsrat sucht nun das Gespräch mit der IG Metall, während das Unternehmen auch schon die Agentur für Arbeit über den anstehenden Interessenausgleich informiert habe.

Für den Bevollmächtigten Wolfgang Werth von der IG Metall kommt das alles nicht ganz überraschend, doch wollte er den anstehenden Interessenausgleich am Freitag noch nicht öffentlich kommentieren. Ein erstes Gespräch mit den Vertretern der Mitarbeiter sei für den kommenden Montag vereinbart worden. „Wir werden den Betriebsrat bei den Verhandlungen mit der Geschäftsführung unterstützen“, sagt Wolfgang Werth. Die Mitarbeiterschaft im Unternehmen hätte, so Werth, einen starken gewerkschaftlichen Organisationsgrad.

Sollte es zu einer Standortschließung kommen, so Werth, müsse bei den Verhandlungen ein Sozialplan herauskommen, der die sozialen Nachteile der Mitarbeiter auszugleichen hat. „Solche Gespräche können sich ein paar Wochen hinziehen“, schätzt der Gewerkschaftsfunktionär. Käme es zu keiner einvernehmlichen Lösung, müsste am Ende eine externe Einigungsstelle angerufen werden.

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