Arnsberger Kunstsommer

Arnsberger Kunstsommer ist immer wieder eine Herausforderung

Kirsten Minkel vor einer orangen Leuchtinstallation im Foyer des Sauerland-Theaters. Besucher des Kunstsommers können dort die großen Wände mit Spezialstiften bemalen.

Kirsten Minkel vor einer orangen Leuchtinstallation im Foyer des Sauerland-Theaters. Besucher des Kunstsommers können dort die großen Wände mit Spezialstiften bemalen.

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.  Der Arnsberger Kunstsommer steht unmittelbar bevor. Kulturbüroleiterin Kirsten Minkel spricht über Organisation und Improvisationen.

Offiziell läuft er erst am Sonntag, 18. August, an, der Arnsberger Kunstsommer 2019. Doch die erste Aktionen steigen bereits am Donnerstag. 15. August. Dazu ein Gespräch mit Cheforganisatorin Kirsten Minkel, der Leiterin des Kulturbüros der Stadt Arnsberg.

Der Kunstsommer steht unmittelbar vor der Eröffnung. Alles unter Dach und Fach?

Während die Eckpfeiler natürlich schon länger stehen und mit den Künstlern Verträge geschlossen wurden, ist die Dezentralität des Kunstsommers mit seinen verschiedenen Spielorten immer wieder eine neue Herausforderung, für die es keine Blaupause gibt.

Lange war nicht klar, welche Örtlichkeiten in diesem Jahr bespielt werden können, so dass Orte gefunden werden müssen, die dann entsprechend vorbereitet werden. Genehmigungen, Technik, Infrastruktur, Reparaturen, Materialbeschaffung (und, und) müssen für jeden Workshop, jedes Konzert, jede Ausstellung, jede Performance den individuellen Anforderungen entsprechend vorbereitet werden.

Bis zum letzten Moment sind es (nicht nur) viele Kleinigkeiten, die organisiert werden müssen. Schlussendlich bringen gerade Kulturveranstaltungen immer wieder auch unvorhergesehene Ereignisse mit sich, die auch Improvisationen erforderlich machen, aber den Kunstsommer damit auch zu einer sehr lebendigen Plattform werden lassen.

Ist die Organisation neben dem stets weiterlaufenden ganzjährigen Kulturbetrieb überhaupt mit Ihrem relativ kleinen Team optimal zu stemmen?

Insbesondere in diesem Jahr funktioniert es nur, weil die Kollegen sehr erfahren sind und in langen Jahren schon allerlei Problemstellungen gelöst haben.

Tatsächlich stehen die Dimension des Kunstsommers und die vorhandenen Zeitressourcen nicht im Einklang.

So hat die Baustelle „Sauerland-Theater“ viel zusätzlichen Aufwand verursacht, so dass wir ohnehin schon nicht von einem „normal laufenden Kulturbetrieb“ sprechen konnten.

Wichtig ist allen Kollegen aber, dass es für unsere Gäste ein gelungener Kunstsommer wird, auch wenn ganz beliebte Spielorte nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen - wie Auferstehungskirche, Rittersaal oder Kloster Wedinghausen.

Terminüberschneidungen mit Veranstaltungen außerhalb des Kunstsommers lassen sich meist nicht vermeiden. Ist das ein Problem in Sachen Resonanz?

Natürlich ist es an der Resonanz zu bemerken, wenn zeitgleich ein großes Volksfest oder eine Kulturveranstaltung stattfinden. Auf der anderen Seite ist der Kunstsommer auch ein Format, welches planungsoffen ist.

Die eben nicht vorhandene Blaupause ermöglicht uns, sogenannte Zielgruppenkonflikte weitestgehend zu vermeiden. Unserer Erfahrung nach gibt es im kulturellen Bereich sehr unterschiedliche Geschmäcker und wir nehmen es zum Anlass, neue Formate für ein anderes Publikum auszuprobieren. Man kann auch sagen: Da ist einfach mal viel los!

Sie haben in der Vergangenheit stets Schüler und Studenten als Mitarbeiter während des Kunstsommers eingesetzt. Funktioniert das weiterhin?

Nach unserer Erfahrung wird das immer schwieriger. Das hängt möglicherweise mit der Umstellung auf G8 zusammen, aber sicherlich auch an den viel größeren Möglichkeiten der Feriengestaltung.

Wir sind darauf angewiesen, dass die sogenannten Volunteers auch frühzeitig verlässlich eingeplant werden können - zum Beispiel zur Betreuung der Ausstellungen.

Diese Festlegung für einen bestimmten Zeitraum deckt sich nicht mit dem Freizeitverhalten. Und natürlich ist uns klar, dass junge Leute die Ferien auch gerne nutzen, lukrative Ferienjobs anzunehmen – der Einsatz im Kunstsommer ist bestimmt interessant, aber eben auch sehr freiwillig. Wir befinden uns da in einer ähnlichen Situation wie die Vereine.

Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich verändert. Schlägt sich das auch im Kunstsommer nieder? Bei den Anmeldungen zum Beispiel?

Wir stellen insgesamt im Kulturbetrieb fest, dass Menschen sich lieber erst sehr kurzfristig festlegen. Diese Form der Unverbindlichkeit ist sicherlich auch Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels.

Wir sind alle über die digitalen Medien viel besser über einen größeren Radius informiert und insgesamt mobiler geworden. Es gibt einfach ein „Mehr an Möglichkeiten“.

Tatsächlich merken wir, dass selbst ein Frühbucherrabatt nicht mehr die erhofften Reaktionen erzeugt. Für die Planung eines Kunstsommers ist das natürlich nicht optimal, weil wir gerade im Workshop-Bereich erst sehr kurzfristig entscheiden können, ob Kurse tatsächlich stattfinden können.

Heimische Künstler wie Barbara Anneser sind treue Aktive der Kulturveranstaltung. Schafft das mehr Identifikation vor Ort?

Auf jeden Fall – vor allem dann, wenn wie bei Barbara Anneser immer auch ein interaktiver Prozess wesentlicher Bestandteil des Gesamtwerks ist.

Hinter 50 Fotografien stehen 50 persönliche Geschichten von Menschen aus der Region, die Bestandteil des Kunstsommers sind.

Kulturarbeit sollte immer mit Menschen stattfinden.

Während wir das aus dem Bereich des Theaters schon länger kennen, arbeiten auch die bildenden Künstler viel häufiger mit diesen Ansätzen.

Die diesjährigen Kunstsommerausstellungen sind allesamt Ergebnis eines kommunikativen Prozesses oder als offenes Angebot zur Kommunikation konzipiert.

Teilhabe ist längst nicht nur über Workshops zu bewerkstelligen und das Engagement heimischer Künstler vermag tatsächlich Berührungsängste abzubauen.

Alles wird teurer, nur der Etat für den Kunstsommer bleibt unverändert. Passt das zum Anspruch der Stadt als Kulturstandort?

Ich nehme an, dass es ein Vertrauen darauf gibt, dass es passend gemacht wird. Tatsächlich ist es natürlich so, dass der Kunstsommer schon immer in weiten Teilen aus Drittmitteln getragen wird.

Solange der Kunstsommer nur als weicher Standortfaktor diskutiert wird, muss wohl mit dieser Divergenz gelebt werden.

Faktisch soll Kultur gerade für den Ortsteil Arnsberg aber zum harten Standortfaktor generieren, wobei der Kunstsommer eben auch ein Baustein ist. Wichtig wird sein, wie die Kulturangebote unterschiedlicher Träger zukünftig miteinander verknüpft werden.

Was macht überhaupt einen erfolgreichen Kunstsommer aus?

Ein erfolgreicher Kunstsommer wird getragen von Offenheit, einer entspannten und zugleich lebendigen Atmosphäre und lässt sich nicht mit absoluten Zahlen quantifizieren. So sind es oft die vielen „kleinen Angebote“, die zum Verweilen einladen, und die künstlerischen Gäste aus ganz Europa, die der Stadt ein gewisses Quäntchen „Spritzigkeit“ einhauchen.

Was ist für Sie persönlich das Schönste am Kunstsommer?

Tatsächlich sind es nicht einzelne Veranstaltungen. Ich freue mich besonders, wenn uns auswärtige Gäste um diese Stadt beneiden.

Wir vergessen im Alltagsgeschehen ja oft, wie schön unsere Stadt ist und haben allzu oft nur die Mankos im Blick.

Und ehrlich: Wir haben eine Neigung, manches selbst schlecht zu reden. Der Blick von außen – egal ob Künstler oder Gäste - ist ein anderer:

Wir sind eine Stadt, in der man genießen kann und die man genießen kann. Es wurde viel bewegt in den vergangenen Jahren. Das wissen besonders kulturaffine Gäste sehr zu schätzen.

Wenn Sie einen Wunsch für den Kunstsommer frei hätten, was wäre das?

Wenn es denn nur ein Wunsch sein darf, wünsche ich mir etwas „Großes“, nämlich für die kommenden Jahre eine enge Zusammenarbeit mit den Kulturträgern vor Ort. Als städtischer Fachdienst nutzen wir viele Synergien mit externen Netzwerken.

Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dem Potenzial vor Ort noch viel mehr bewegen können. Ich freue mich insofern auf die Eröffnung des Sauerland-Museums, den Abschluss der Bauarbeiten im Kloster Wedinghausen, wie auch auf die neu konzipierte Auferstehungskirche und wünsche mir (nicht nur) für den Kunstsommer, dass diese Fortentwicklungen als gemeinsame Chance genutzt werden.

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