Borkenkäfer

Arnsberger Stadtwald: 2020 stirbt letzte Fichte

Die Fichtenbestände im Stadtwald (hier unterhalb des Rusch) mussten vielfach schon gerodet werden. Das Bild wurde mit dem Kopter aufgenommen.

Die Fichtenbestände im Stadtwald (hier unterhalb des Rusch) mussten vielfach schon gerodet werden. Das Bild wurde mit dem Kopter aufgenommen.

Foto: Luftbild Joachim krutmann

Arnsberg.  Der Arnsberger Stadtwald ist im Wandel. Die Fichte als „Brotbaum“ wird Ende nächsten Jahres verschwunden sein. Neue Konzepte sind nötig.

Die schlechte Nachricht: „Annähernd alle Fichtenbestände des Arnsberger Stadtwaldes sind vom Borkenkäfer befallen“, sagt Stadtsprecherin Stefanie Schnura auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Gute: Der Stadtwald Arnsberg hat einen Fichten-Anteil von nur knapp 27 Prozent. Große Hoffnung auf eine Wende hat im Arnsberger Stadtforst niemand mehr. „In dieser Situation geht der städtische Forstbetrieb davon aus, dass Ende kommenden Jahres alle Fichten im Stadtwald durch den Borkenkäfer zum Absterben gebracht worden sein werden“, erklärt Stefanie Schnura.

Der Borkenkäfer breitet sich weiter aus. Als Ursache für den massiven Borkenkäferbefall wird die extreme Trockenheit des Jahres 2018 - und auch der Sommer 2019 war deutlich zu trocken - genannt. Die Fichten können von Natur aus das Einbohren der Borkenkäfer unter ihre Rinde, im Bereich ihrer Wasser- und Nährstoffversorgungsbahnen, abwehren. Sie bilden Harz, in dem die Käfer stecken bleiben und erst gar nicht weiterfressen können. Durch das fehlende Wasser im Boden konnten und können die Fichten jedoch kein Harz bilden. Die Borkenkäfer fressen und vermehren sich unter der Rinde rasant. Innerhalb eines Jahres hat ein einzelner Borkenkäfer eine Nachkommenschaft von 100.000 Käfern, ein einzelner von Käfern befallender Baum eine Nachkommenschaft von 1,5 Milliarden Käfern pro Jahr. Der Befall mit 200 Käfern reicht, um eine Fichte zum Absterben zu bringen.

Export nach China

Erst vor den Sommerferien berichtete Stadtförsterin Petra Trompeter dem Betriebsausschuss über die Lage: Das Holz aus den Kalamitäten - den unfreiwillig gefallenen oder zu schlagenden Bäumen - werde aufgrund des Überangebotes auf dem Markt zu schlechten Preisen verkauft. „Gleichzeitig fehlen in den nächsten Jahren Einnahmen aus Durchforstungen, die in den geraubten Fichtenbeständen über Jahre noch durchgeführt worden wären“, so Trompeter gegenüber der Politik.

„Der wirtschaftliche Schaden lässt sich aktuell noch nicht beziffern, da der Befall nach wie vor besteht und laufend weitere Flächen betroffen sind“, sagt die Stadt Arnsberg. Einzige Möglichkeit der Vermarktung der betroffenen Bäume sei aktuell der Export nach China. „Dies erfolgt zum aktuellen Marktwert, der verständlicherweise weit unter dem sonst üblichen Marktpreis liegt“, so die Erklärung der Stadt. Minderwertige Sortimente ließen sich nicht exportieren. Diese würden gelagert, um hier in später weiterverarbeitet zu werden, beispielsweise zu Hackschnitzeln.

Die Planungen des Stadtforstes sind durcheinandergebracht. Der reguläre Jahreseinschlag über alle Baumarten, so erklärte Petra Trompeter vor den Ferien, liege bei 11.286 Festmetern, der für Fichte bei 4443 Festmetern. Die nun angefallene Kalamitätsmengen durch den Windwurf Friederike im Jahr 2018 schon bei 12.928 Festmeter, durch den Borkenkäfer 2018 bei 2860 Festmetern, durch den Windwurf des Sturms „Eberhardt“ im Jahr 2019 bei 1911 Festmetern und durch den Borkenkäfer im Jahr 2019 bereits bei 4.500 Festmetern. „Erhebliche Mengen werden noch folgen“, kündigte Petra Trompeter gegenüber der Politik an.

Klimawandel im Wald angekommen

Der Klimawandel ist in den Arnsberger Wäldern angekommen: Verschiedene Baumarten haben unterschiedliche Ansprüche an Wärme, Niederschlagsmenge und Nährstoffversorgung. „Mit den sich ändernden Klimabedingungen kommen unsere heimischen Baumarten unterschiedlich gut klar“, so die Stadt Arnsberg. Aktuell leide vor allem die Fichte, teilweise auch die Buche. Auf den betroffenen Flächen würden sich von Natur aus wieder Bäume ansiedeln und ansamen. „Diese sogenannte Naturverjüngung wird übernommen. Frei bleibende Teilbereiche werden aufgeforstet“, so der Stadtforst.

Jetzt heißt es Zukunft pflanzen: Mit Blick auf den Klimawandel will der Stadtforst Baumarten auswählen, die nicht zu flach wurzeln und sich somit voraussichtlich ausreichend mit Wasser versorgen können. Der städtische Forstbetrieb kündigt an, dabei möglichst viele Baumarten wie zum Beispiel Douglasie, Küstentanne, Lärche, Eiche, Esskastanie und Robinie zu beteiligen. Aktuell machen Eiche 16 Prozent, Buche noch 39 Prozent und die Lärche gerade einmal 4 Prozent aus.

Vielfalt im Wald der Zukunft

Monokulturen sind nicht erwünscht. Auch deshalb, „weil eine Voraussage bezüglich künftiger Klimaverhältnisse und Schadorganismen auf einen Wuchszeitraum von bis zu 200 Jahren schwer möglich ist“. Die Vielfalt der Baumarten soll eine Art Lebensversicherung des Stadtwaldes werden: Sollten einzelne Baumarten also zukünftig „Schwierigkeiten“ kriegen, so die Verantwortlichen des Stadtforstes, gäbe es ausreichend andere Bäume, die im Wald überleben. Die Politik äußerst bereits konkrete Forderungen an die Strategie des Stadtwaldes: „Wir dürfen in Zeiten des Klimawandels den Wald nicht mehr rein wirtschaftlich betrachten“, sagte Thomas Wälter, Ratsfraktionssprecher von Bündnis 90/Grüne..

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