Wettersäule

Arnsberger Wettersäule steht vor Wiedergeburt

Die Wettersäule in den 1950er Jahren am Stadtbad.

Die Wettersäule in den 1950er Jahren am Stadtbad.

Foto: Archiv Wolfgang Becker

Arnsberg.  Der Arnsberger Heimatbund möchte ein Stück Stadtgeschichte, die alte Wettersäule, an der Sekundarschule am Eichholz neu errichten.

Geht es nach dem Wunsch des Heimatbundes, werden Ruhrradweg und Stadt bald um eine echte Attraktion reicher sein: Geplant ist, die vielen älteren Arnsbergern noch bekannte Wettersäule zu rekonstruieren und gegenüber dem Haupteingang der Sekundarschule am Eichholz aufzustellen. Kooperationsbereitschaft gibt es seitens der Schülerinnen und Schüler, die in regelmäßigen Abständen die dann erhobenen Wetterdaten erfassen und auswerten wollen.

Stadtgeschichtlich war die Wetterstation nur ein kleiner Mosaikstein im großen Gefüge technischer Neuerungen des 19. Jahrhunderts. 1874 hatte sie der „Arnsberger Verschönerungsverein“ auf der Westseite des Neumarkts errichtet. Zusammen mit dem Kriegerdenkmal von 1875 und den Grünanlagen mit Brunnen schmückte sie den Platz, der dann aber 1933 von den Nationalsozialisten zum Aufmarschstützpunkt umfunktioniert wurde.

Wettersäule musste weichen

Auch die Wettersäule musste weichen und bekam ihren Platz am linken Ruhrufer der Promenade, direkt in unmittelbarer Nähe der alten Badeanstalt. 1969, mittlerweile war das Sauerlandtheater gebaut worden, endete das „Schicksal“ der Arnsberger Wettersäule, die fast 100 Jahre lang das lokale Wetter aufgezeichnet hatte, mit dem Abriss.

Ein privater Interessent wollte die Station auf eigene Kosten demontieren, aber dazu kam es nicht mehr, die Wettersäule war irgendwann spurlos verschwunden. Jahre später war selbst bei der Stadtverwaltung nicht mehr bekannt, wann und von wem die Säule abgebaut worden war.

Heimatbund und Stadtarchiv starteten im Frühjahr dieses Jahres einen Aufruf in unserer Zeitung, um das Rätsel des Verbleibs der Wettersäule zu lösen – mit Erfolg.

Folgendes konnte festgestellt werden: Die Messinstrumente übernahm 1969 das Optikergeschäft Averbeck am Brückenplatz, die Wettersäule selbst, so berichtet der Sohn eines ehemaligen Mitarbeiters des städtischen Bauhofs, sei abgetragen, auf einen Lkw geladen und auf der damaligen „Müllkippe“ an der Sunderner Straße entsorgt worden.

Diese neuen Informationen über den Verbleib des historischen Häuschens waren für den Heimatbund Anlass und Ansporn, die Rekonstruktion der Wettersäule in Angriff zu nehmen. Nach einigen Überlegungen wurde mit dem Platz unweit der Sekundarschule ein passender Standort gefunden.

Bei einem Ortstermin trafen sich jetzt Werner Bühner und Torsten Kapteiner vom Arnsberger Heimatbund sowie der beauftragte Architekt Hans Bierbaum und die stellvertretende Schulleiterin Patricia Ihme. „Die Wettersäule wird die gleichen Maße haben wie das Original, auch die Höhe bleibt mit 2,90 Metern unverändert“, verspricht Architekt Bierbaum. Denn glücklicherweise existieren noch im Maßstab 1:20 die alten Baupläne von 1874, an denen Bierbaum sich bei seinen Zeichnungen orientieren konnte.

Entgegen der alten Bauweise aus Steinen wird die neue Wettersäule allerdings komplett aus Beton gegossen und dann mit Putz glatt gestrichen.

In den vier Fenstern wird „Panzerglas“ verbaut, da normales Glas schnell durch Steinschlag verkratzt würde. Was an Messinstrumenten in die Wettersäule kommt, ist noch nicht sicher. Sinnvoll wäre eine Kombination zwischen analoger und digitaler Technik, z.B. Thermometer und Barometer in der üblichen Form zum Ablesen und gleichzeitige Speicherung der Werte auf ein digitales Medium.

Natur-AG greift ein

Hier kommen nun die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule mit ins Boot, die das regelmäßige Ablesen der Messwerte übernehmen wollen. „Die Natur-AG unserer Schule beschäftigt sich seit langem mit dem Leben und der Natur in und rund um die Ruhr, die Betreuung der Wettersäule würde sehr gut in dieses Konzept passen“, erklärt Patricia Ihme.

Was noch drückt, ist das Geld. „Wir haben bereits das Angebot eines heimischen Bauunternehmers vorliegen und auch schon zahlreiche Sponsoren für dieses Projekt gewinnen können, würden uns aber über jede weitere Spende freuen“, so Heimatbund-Vorsitzender Werner Bühner. Denn es könne mit der neuen Wetterstation, so Bühner weiter, „eine wichtige Dokumentation zur Entwicklung der klimatischen Veränderungen in unserer Heimatstadt entstehen“.

Hilfreich für Touristen

Besonders für Touristen wäre die neue Wettersäule am stark frequentierten Ruhrradweg ein idealer Standort, um sich beim vorbei Radeln oder beim Spaziergang über die aktuellen Wetterdaten zu in­formieren.

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