Klinikum

Bau des Hüstener Notfallzentrums soll im Herbst beginnen

Das Modell zeigt hinten  das geplante „Zentrum für Notfallzentrum“, das am Hüstener Karolinen-Hospital entstehen soll. Vorn links wird das Hochhaus (das ehemalige Schwesternhaus) dargestellt.

Das Modell zeigt hinten das geplante „Zentrum für Notfallzentrum“, das am Hüstener Karolinen-Hospital entstehen soll. Vorn links wird das Hochhaus (das ehemalige Schwesternhaus) dargestellt.

Foto: Martin Schwarz

Hüsten.   Das Klinikum Hochsauerland wartet auf Baugenehmigung für Notfallzentrum am Hüstener Hospital. Kalkulierte Kosten steigen von 60 auf 70 Mio. Euro

Das Klinikum Hochsauerland hofft, im September 2019 am Hüstener Karolinen-Hospital mit dem Bau des geplanten „Zentrums für Notfallmedizin“ zu beginnen. Denn die Stadtverwaltung Arnsberg hat dem Klinikum eine Bebauungsplanreife bis September 2019 in Aussicht gestellt. „Sollte die erforderliche Baugenehmigung dann bis September 2019 seitens der Stadt erteilt werden, wäre der Baubeginn unmittelbar möglich“, teilte jetzt auf Anfrage unserer Zeitung der Geschäftsführer des Klinikums Hochsauerland, Werner Kemper, mit.

Neues Verkehrsgutachten

Das Klinikum hatte zu Planungsbeginn einen früheren Baustart für das Notfallzentrum angestrebt, doch das im Sommer 2018 vorgestellte Verkehrsgutachten, dass die künftige Entwicklung des Straßenverkehrs im Umfeld des dann deutlich erweiterten Karolinen-Hospitals prognostiziert, musste noch mal überarbeitet werden, weil Experten auf ein Vorgutachten 2014 Bezug nahmen, deren Daten sich auf allgemeine Daten aus der Fachliteratur stützten. Das war zwar zulässig, aber nicht realitätsnah. Daher war ein zweites Verkehrsgutachten nötig, was das Verfahren aber deutlich verzögerte

Nunmehr liegt dieses zweite Verkehrsgutachten vor, das nach Informationen des Klinikums wiederum ein planungsrechtlich zulässiges Verkehrsaufkommen prognostiziert. Wie allerdings aus der Analyse des Gutachters ein konkretes Verkehrskonzept wird, ist Sache der Stadtverwaltung. An diesem Konzept arbeitet die Stadt seit einiger Zeit.

Beide Verkehrsgutachten wurden von der Stadt in Auftrag geben, allerdings wurde das erste Gutachten vom Klinikum bezahlt, weil - so Kemper - „im laufenden Stadt-Etat dafür möglicherweise nicht kurzfristig Mittel bereitgestanden hätten“. Damit das Verfahren nicht verzögert wird, finanzierte das Klinikum das erste Gutachten, den Gutachter suchte aber die Stadt aus. Das zweite Gutachten hat die Stadt beauftragt und auch bezahlt. Die Stadtverwaltung kündigte bereits 2018 an, das überarbeitete Verkehrsgutachten in einer weiteren Bürgerversammlung vorzustellen. Der geplante Bau des „Zentrums für Notfallmedizin“ hat sich mittlerweile deutlich verteuert. Nachdem anfangs von 60 Millionen Euro die Rede war, spricht Klinikum-Geschäftsführer Werner Kemper nun von etwa 70 Millionen Euro. Gründe für die Kostensteigerungen seien zwischenzeitlich geänderte Richtlinien für den Betrieb in Krankenhäusern sowie gestiegene Baupreise.

Darlehen und Fördermittel

Während vor einem Jahr Werner Kemper das gesamte Bauvorhaben noch unter den Finanzierungsvorbehalt stellte, gebe es jetzt ein tragfähiges Finanzierungskonzept, Das Klinikum verweist auf ein angestrebtes Gesamtpaket aus Darlehensfinanzierung und Förderzuschuss. „Nach aktuellem Stand der Gespräche kann die Darlehensfinanzierung heute als gesichert angenommen werden, wenn wir den zweistelligen Millionenbetrag, den wir über noch nicht bewilligte Landes- und Bundesfördermittel anstreben, auch realisieren können“, so Kemper. Er wollte aber den möglichen Förderbetrag angesichts einiger Mitbewerber um die Fördertöpfe nicht genau beziffern. Um die Förderung überhaupt erhalten zu können, gehöre auf jeden Fall eine im Herbst 2019 vorliegende Baugenehmigung zu den Grundvoraussetzungen, so Kemper.

Klinikum erzielt Überschuss in Geschäftsjahr 2018

Auf Nachfrage unserer Zeitung, ob sich das Klinikum, das in den vergangen Jahren zahlreiche namhafte Investitionen an verschiedenen Standorten tätigte, mit dem geplanten Bau des Notfallzentrums möglicherweise finanziell überheben könnte, meinte Kemper: „Das Klinikum Hochsauerland ist finanziell solide aufgestellt. Bis auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag, der für eine einzelne Maßnahme nötig war, haben wir keine langfristigen Verbindlichkeiten. Das Geschäftsjahr 2018 schloss das Klinikum - bei einem Umsatz von rund 170 Millionen Euro - mit einem Überschuss ab. Mit dem Bau des Notfallzentrums wären dann allerdings erhebliche Schulden fürs Klinikum verbunden.“

„Fertigstellung Mitte 2022 ist existenziell wichtig“

Klinikum-Geschäftsführer Werner Kemper erinnert an das zentrale Ziel, das das Klinikum mit dem Neubau verbindet: „Angesichts geänderter gesetzlicher Rahmenbedingungen brauchen wir Versorgungssicherheit in der Notfallmedizin im heimischen Raum!“ Die Berufsgenossenschaften hätten dem Klinikum für die Notfallversorgung in den bestehenden Strukturen eine Übergangsfrist bis Mitte 2022 eingeräumt. „Uns steht nur noch ein sehr enges Zeitfenster für die Realisierung des Bauprojekts zur Verfügung“, so Kemper.

Nur ein Baubeginn im Jahr 2019 gewährleiste die notwendige Fertigstellung der dringend benötigten umfassenden Baustrukturen und die Zusammenführung aller im Klinikum vorhandenen und für die Notfallversorgung notwendigen Kliniken am Ort. „Die Einhaltung des Fertigstellungstermins Mitte 2022 ist für das Klinikum Hochsauerland von existenzieller Bedeutung“, so Werner Kemper.

>> Großer OP-Bereich und 66 neue Intensivbetten

Das geplante „Zentrum für Notfallemedizin“ entsteht auf einer Sockelfläche von 85 x 38 Metern und erreicht eine Höhe von 24,5 Metern. Zum Gebäude gehören ein Untergeschoss, ein Erdgeschoss sowie fünf Obergeschosse. Es entstehen insgesamt rund 11.000 Quadratmeter neue Nutzfläche.

Im Erdgeschoss wird sich die zentrale Notfallaufnahme befinden. Im 1. OG wird ein großer OP-Bereich eingerichtet, im 2. OG, wird sich eine große Intensivstation mit 40 Betten (mit Beatmungsoption) sowie 10 Betten (ohne Beatmungsoption) befinden. Im 3. OG entstehen weitere zehn Intensivbetten für Schlaganfallpatienten sowie sechs Intensivbetten für Patienten mit schwerer Herzerkrankung - insgesamt gibt also 66 neue Intensivbetten.

Weitere Räumlichkeiten im 3. OG sowie im 4. und 5. OG werden als Patientenzimmer genutzt. Die Gesamtbettenzahl in Hüsten wird von 250 auf 450 Betten steigen.

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