Therapiehund

Ben ist ein „Schülerflüsterer“ auf vier Pfoten

„Lesen mit Ben“:Hund und Schüler teilen sich ein geräumiges Körbchen – und die Zweibeiner lesen dem Vierbeiner etwas vor. Nicht nur Tom (links) und Hendrik (rechts) finden das tierisch gut... Foto:  privat

„Lesen mit Ben“:Hund und Schüler teilen sich ein geräumiges Körbchen – und die Zweibeiner lesen dem Vierbeiner etwas vor. Nicht nur Tom (links) und Hendrik (rechts) finden das tierisch gut... Foto: privat

Neheim.   Gemeinsam mit seinem Frauchen Kristin Bühner fährt der Australian-Shepherd-Rüde Ben täglich von Neheim nach Soest – um zu unterrichten.

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„Lernwillig, sehr aufmerksam, passt auf seine Leute auf, möchte immer arbeiten“ – diese Beschreibung passt perfekt auf einen Musterschüler. Allerdings ist Ben kein Schüler, sondern Lehrer – und ein besonderer obendrein.

Gemeinsam mit seinem Frauchen Kristin Bühner fährt der Australian-Shepherd-Rüde täglich von Neheim nach Soest; zur Hannah-Arendt-Gesamtschule. Dort unterrichtet das Duo – und Ben ist ganz offiziell als Schulhund „angestellt“.

Inklusion

Inklusion genießt an dieser ­Gesamtschule einen hohen ­Stellenwert, sicher ein Grund, warum es zu dieser – in der Region wohl einmaligen – Konstellation kommen konnte. Derzeit gehören zwei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu Kristin Bühners 24-köpfiger Klasse 6 – und Ben tut ­den Beiden gut.

Den übrigen Schülern natürlich auch; und wenn Frauchen Kurse außerhalb ihrer Klasse gibt – die Neheimerin unterrichtet Deutsch, Biologie und Naturwissenschaften, ist ihr Kollege auf vier Pfoten ebenfalls dabei, kommt auch bei den älteren Jahrgängen sehr gut an.

Harte Arbeit

Das „Team Neheim“ in Reihen des Lehrerkollegiums hat hart arbeiten müssen, damit es soweit kam. Vor eineinhalb Jahren hatte Kristin Bühner die Idee, ihren Liebling zum Wohle der Schüler ins Spiel zu bringen – und fragte bei der Schulleitung nach. Es gab grundsätzlich „grünes Licht“. Fast ein Jahr lang büffelten Kristin und Ben dann – an Wochenenden und außerhalb der Arbeitszeit – beim Münsteraner Institut für ­therapeutische Fortbildung und tiergestützte Therapie (mittt) nach der Steinfurter Pädagogik-/Therapiebegleithund-Methode (siehe Infokasten unten).

Schüler lieben „ihren“ Hund

Das erlernte Wissen wurde von Beginn an in den Schulalltag integriert; Lehrerkollegen und Eltern der Schüler haben das Duo nicht nur akzeptiert, sondern stehen inzwischen vorbehaltlos hinter diesem pädagogischen Ansatz. Und die Schüler lieben „ihren“ Hund. „Mit Ben ist ­alles viel entspannter“ habe ihr eine ältere Schülerin einmal erklärt, so Kristin Bühner. „Das bringt es auf den Punkt“, freut sie sich.

Wie muss sich der Außenstehende den tierischen Schultag vorstellen? Der viereinhalb Jahre alte Rüde ist im Klassenraum anwesend, sitzt gerne auch mal auf einem Stuhl, tigert von Zeit zu Zeit durch die Bankreihen und holt sich eine Streicheleinheit ab.

„Lesen mit Ben“

Spezielle Unterrichtseinheiten mit ihm gibt es natürlich auch: Bei „Lesen mit Ben“ teilen sich Hund und Schüler ein geräumiges Körbchen – und die Zweibeiner lesen dem Vierbeiner etwas vor. „Die Kinder lesen dann viel befreiter, denn Ben hört einfach nur zu, verbessert nicht ständig oder macht dumme Sprüche“, erklärt seine „Chefin“ den Effekt. Ein früher häufig ­stotternder Schüler hat durch den Vierbeiner so viel Selbstvertrauen entwickelt, dass seine Sprachstörung fast abgeklungen ist.

Auch „Übungen mit Ben“ tragen zur positiven Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bei: „Ich kann etwas, er hört auf mich.“

Keine Ablenkung

Abgelenkt werden die Schüler durch die Fellnase übrigens nicht – alle haben sich ja an den tierischen Pädagogen gewöhnt. Seine Anwesenheit erzeugt eine ruhigere Arbeitsatmosphäre – und sorgt für blitzsaubere Klassenräume – denn: „Niemand möchte, dass er aus Versehen etwas verschluckt...“ Seine Klasse hat ihm Spielsachen, Körbchen, Decke und vieles mehr besorgt, „Hundedienst“ (Wassernapf füllen, aufräumen, etc.) ist heiß begehrt. Viele weitere Beispiele könnte man noch geben, doch das Geheimnis des Erfolges bleibt simpel: „Ben ist wertfrei zu allen“, erklärt Kristin – wie es sich für einen (tierisch) guten Pädagogen gehört!

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