Interview

Bezirkspolizist vor Ort spürt Ärger der Bürger wegen Raserei

Polizei-Bezirksdienstbeamter Thomas Schneider (54) zeigt Präsenz in der Neheimer Fußgängerzone. Er ist für die Neheimer Innenstadt (plus Siedlung am Totenberg) sowie für Bergheim, Bachum und Voßwinkel zuständig.

Polizei-Bezirksdienstbeamter Thomas Schneider (54) zeigt Präsenz in der Neheimer Fußgängerzone. Er ist für die Neheimer Innenstadt (plus Siedlung am Totenberg) sowie für Bergheim, Bachum und Voßwinkel zuständig.

Foto: Martin Schwarz

Neheim.  Polizeibezirksdienstbeamter Thomas Schneider geht durch Neheimer City, Bergheim, Bachum und Voßwinkel - das hat er in fast neun Monaten gehört ..

Seit knapp neun Monaten ist der 54-jährige Polizeihauptkommissar Thomas Schneider Polizei-Bezirksdienstbeamter für den Bezirk Neheim-Innenstadt, Bergheim, Bachum und Voßwinkel. Er ist Nachfolger seines früheren Kollegen Dietmar Aßhauer, der diesen Bezirk lange Zeit betreute und Anfang 2020 in den Ruhestand trat. Unsere Zeitung sprach mit Thomas Schneider über seine bisherigen Erfahrungen als Bezirksdienstbeamter.

Warum wollten Sie gern Polizei-Bezirksdienstbeamter sein?
Thomas Schneider
: Streifengänge im Bezirksdienst ermöglichen einen viel besseren Kontakt zu den Bürgern, als dies bei Streifenfahrten möglich wäre. Zu Fuß ergeben sich sehr gute Möglichkeiten, mit den Bewohnern im Bezirk ins Gespräch zu kommen. Vom Typ her möchte ich auch ungern nur am Schreibtisch arbeiten. Ich mag es lieber, häufig mit den Menschen persönlich in Kontakt zu treten, um zu hören, wo der Schuh drückt. Ich will wissen, wo ich bei Bedarf helfen kann. Der alte Polizei-Slogan „Die Polizei - dein Freund und Helfer“ gilt auch heute noch.

Wenn Sie in Wohnsiedlungen wie auf Bergheim oder in Bachum Ihren Dienstwagen an einer Straße abstellen, meinen dann viele Anwohner, dass in der Nähe etwas passiert ist?
Ja, das kommt öfters vor, wobei meine Anwesenheit natürlich nicht voraussetzt, dass eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat passiert ist. Ich sage den neugierigen Leuten dann gern: Ich bin da, damit nichts passiert! Generell spüre ich, dass die Präsenz der Polizei vor Ort von den Bürgern wertgeschätzt wird. Ich bin willkommen und bin noch nie übel angemacht worden. Meine positiven Erwartungen an meinen Bezirksdienst haben sich mehr als erfüllt.


Welche S orgen und Probleme sprechen Bürger an, wenn sie mit Ihnen ins Gespräch kommen?
Häufig geht es um Raserei in Wohngebieten. Hierbei stellt sich allerdings oft heraus, dass ein erheblicher Teil der Raser im Wohngebiet wohnt. Es sind deutlich weniger Auswärtige, die durch zu schnelles Fahren auffallen.


Wo drückt sonst noch der Schuh?
Als es auf der B7-Ortsdurchfahrt in Voßwinkel Bauarbeiten gab, wollten einige Autofahrer nicht die ausgeschilderte Umleitung fahren, sondern versuchten, den Staus auf der B7 auf Schleichwegen zu entgehen. Dabei fuhren sie aber über Straßen, auf denen nur Anliegerverkehr erlaubt war. Den so entstandenen Ärger der Anwohner konnte ich gut verstehen. Die Polizei machte dann Verkehrskontrollen und beließ es anfangs bei mündlichen Verwarnungen. Wiederholungstäter mussten aber mit einem Verwarnungsgeld rechnen.


Es ist gut zu hören, dass nicht nur geredet, sondern auch gehandelt wird. Manche Bürger meinen, dass nach Beschwerden häufig nichts passiert.
Selbstverständlich wird auch gehandelt. An den Verkehrskontrollen auf den Voßwinkeler Anliegerstraßen war ich auch selbst beteiligt. Ein weiteres Beispiel: Als sich die Beschwerden über Raserei an der Voßwinkeler Straßeneinmündung B 7 / Echthauser Straße häuften, habe ich dafür gesorgt, dass dort auch eine Tempo-Anzeigetafel einige Zeit installiert war. Dieses Gerät verzeichnet alle Tempo-Verstöße, bei Tempo-Einhaltung erscheint ein Smiley. Konsequenz: Sollte eine hohe Anzahl an Tempo-Verstößen registriert worden sein (die Auswertung des Geräts ist noch nicht erfolgt), wird es wieder Blitzer an der B7-Bushaltestelle in Höhe der Einmündung Neheimer Straße geben.


Wie stark sind Wohnungseinbrüche Thema in Ihren Gesprächen vor Ort?
Die präventiven Maßnahmen gegen Wohnungseinbrüche, wozu Kontrollen nahe der Autobahnauffahrten gehören, haben Wirkung gezeigt und manche Täter abgeschreckt. Die Anzahl der Wohnungseinbrüche ist rückläufig, doch Ärger über einzelne Wohnungseinbrüche gibt weiterhin.


Vor einigen Jahren wurde die Polizei zu mehr Präsenz in so genannten „Angsträumen in der Neheimer City“ (nächtlicher Marktplatz, nächtlicher Busbahnhof, Treppchen am Springufer in der Dunkelheit) aufgefordert. Wie ist die Situation heute?
In einzelnen Gesprächen mit Bürgern und Bürgerinnen wurde ein mangelndes Sicherheitsgefühl in der Neheimer City geäußert. Das ist momentan aber kein Mega-Thema. Der subjektiv empfundene Angstraum basiert häufig nicht auf eigener negativer Erfahrung, sondern eher auf Hörensagen-Berichte in sozialen Medien. Das Handeln nach Hörensagen kann allerdings dazu führen, dass Räume vorbeugend gemieden werden. So gehen einige ältere Leute ungern am stufenlosen Fußweg hinter der IKK her, weil sich dort Jugendliche aufhalten könnten, die Senioren nicht ganz geheuer sind. Ähnliches gilt auch für die Treppenanlage hinter der Deutschen Bank in Neheim und den Neheimer Busbahnhof.


Was empfehlen Sie zu tun?
Wer angepöbelt, belästigt oder sogar handgreiflich angegangen wird, sollte dies umgehend über den Polizeiruf 110 melden. Meine Kolleginnen und Kollegen aus der Polizeiwache sind dann schnell vor Ort. Wer mit mir direkt sprechen will, kann mich unter Telefon 02932 / 9020-3225 anrufen. Per Mail bin ich unter thomas01.schneider@polizei.nrw.de erreichbar.

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