Naturdenkmal

Bruchhausener Eiche beschäftigt drei Behörden

Blick auf das Baugrundstück im Bruchhausener Deinscheid – im Hintergrund die geschützte Eiche. Foto:Ted Jones

Blick auf das Baugrundstück im Bruchhausener Deinscheid – im Hintergrund die geschützte Eiche. Foto:Ted Jones

Bruchhausen/Hochsauerlandkreis.   Naturdenkmal grenzt direkt an Neubauvorhaben. Kreis billigt entschärfte Variante, Naturschutzbeirat nicht. Jetzt entscheidet Bezirksregierung.

Ein geplantes Bauvorhaben im „Entendorf“ Bruchhausen beschäftigt inzwischen drei Behörden. Derzeit ist die Bezirksregierung am Zug, nachdem sich zuvor bereits Stadtverwaltung Arnsberg und HSK-Kreisverwaltung mit dem Verfahren beschäftigt haben.

Auch der Kreistag hat den Fall in seiner jüngsten Sitzung erörtert, denn es geht um Naturschutz­belange. Der „Stein des Anstoßes“ ist in diesem Fall aus Holz – es handelt sich um eine uralte Eiche. Den genauen Sachverhalt schildert die Verwaltung des HSK wie folgt:

Komplexer Vorgang

Ein privater Bauherr hat für die Errichtung eines Wohnhauses direkt neben der westlichen der beiden im Landschaftsplan Arnsberg als Naturdenkmal (Ziffer 2.2.2.7) ausgewiesenen Eichen eine baurechtliche Genehmigung beantragt. Das Grundstück am „Deinscheid“ wurde bisher als Spielplatz ­genutzt. Die Stadt Arnsberg hat die Fläche verkauft und zur Bebauung planungsrechtlich freigegeben.

Doch um das Bauvorhaben realisieren zu können, ist eine Befreiung von den Verboten des Landschaftsplans Arnsberg notwendig – eine Entscheidung, die von der Unteren Naturschutzbehörde beim Hochsauerlandkreis zu treffen ist. Nach den Festsetzungen des Landschaftsplans Arnsberg ist es nämlich u.a. verboten, den Traufbereich eines Naturdenkmals zu befestigen oder im Bereich eines Naturdenkmals Aufschüttungen, Verfüllungen, Abgrabungen, Ausschachtungen oder anderweitige Veränderungen der Bodengestalt vorzunehmen. Der „Häuslebauer“ hat das zur Kenntnis genommen – und seine ursprünglich vorgelegte Planung abgewandelt:

Statt eines relativ großen Einfamilienhauses mit frei stehender Garage – lediglich drei Meter vom geschützten Baum entfernt – soll nun eine „abgespeckte“ Variante realisiert werden: Die der Kreisverwaltung vorliegende und mit ihr bereits abgestimmte Alternativ-Planung sieht vor, das Wohnhaus deutlich zu verkleinern und die Garage auf der vom Naturdenkmal abgewandten Hausseite zu platzieren. Außerdem soll nur die vom Baum abgewandte Hälfte des geplanten Hauses unterkellert werden. Die der Eiche zugewandte Hausseite würde aufgeständert, um das den Baum umgebende Erdreich unverändert zu erhalten. Das Haus wäre sechs Meter vom Stamm entfernt.

Die Untere Naturschutzbehörde hält das Vorhaben unter den neu beantragten Voraussetzungen für genehmigungsfähig. „Erhebliche Gefahren für den Erhalt des Baumes werden nicht gesehen“, heißt es dazu aus dem Kreishaus.

Entscheidung steht derzeit noch aus

Doch der Naturschutzbeirat beim HSK – dessen Mitglieder bereits im Vorfeld Widerspruch eingelegt hatten – bleibt bei seiner ablehnenden Haltung: In einer ­Stellungnahme äußert der Beirat die Befürchtung, zur Vorbereitung des Bauvorhabens müssten alle in Richtung geplanter Baufläche weisenden Äste bis zur halben Baumhöhe entnommen werden. Während der Bauphase würden mit Sicherheit Wurzeln und Äste beschädigt. Außerdem hegen die Naturschützer den Verdacht, die Eiche werde voraussichtlich in einigen Jahren aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden müssen. Und was nun?

Frist von sechs Wochen

Das Landesnaturschutzgesetz sieht für solche Fälle vor, die höhere Naturschutzbehörde entscheiden zu lassen – und zwar innerhalb einer Frist von sechs Wochen. Zuständig ist demnach die Bezirksregierung. „Der Vorgang liegt dort seit dem 14. Juli vor“, gibt Martin Reuther auf Anfrage Auskunft. Eine Entscheidung stehe aber noch aus, so der Sprecher der HSK-Kreisverwaltung weiter – und betont erneut, aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde (HSK) seien keine Gründe erkennbar, die nach der geänderten Planung eine Ablehnung des Antrags naturschutzfachlich rechtfertigen. Auch die – im Vorfeld bereits eingebundene – höhere Naturschutzbehörde (Bezirksregierung) habe seinerzeit signalisiert, die Bedenken des Naturschutzbeirates nicht zu teilen.

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