Pfarrbücherei St. Petri

Buchausleihe wird offener Treff in Hüsten

Das langjährige Team der Hüstener Pfarrbücherei St. Petri: (von links) Bärbel Menn, Leiter Winfried Dröge und Martina Burgard.

Das langjährige Team der Hüstener Pfarrbücherei St. Petri: (von links) Bärbel Menn, Leiter Winfried Dröge und Martina Burgard.

Foto: Martin Schwarz

Hüsten.  Die Pfarrbücherei St. Petri schließt nach 162 Jahren. Das Mitarbeiterteam findet langfristig keine Nachfolger. Aus Räumen wird Begegnungs-Café.

In der Pfarrbücherei St. Petri, die im Petrushaus am Hüstener Markt untergebracht ist, laufen jetzt die Aufräumarbeiten, nachdem die Pfarrbücherei zum 31. Dezember 2019 geschlossen worden war. Hiermit endet nach 162 Jahren die Geschichte der Pfarrbücherei St. Petri, die zu den größten und ältesten kirchlichen Büchereien im Sauerland gehörte.

Insgesamt knapp 50 Jahre betreute Winfried Dröge die Pfarrbücherei, seit 1996 hatte er sie geleitet. Bei dieser Aufgabe wurde er fast 40 Jahre von Martina Burgard unterstützt, seit etwa zehn Jahren ist auch Bärbel Menn im Team. „Dieses Team wollte allerdings nur noch maximal ein Jahr die Pfarrbücherei betreuen und hatte keine Nachfolger“, erläutert Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dr. Norbert Albersmeier die Beweggründe für die Schließung der Pfarrbücherei. Gleichzeitig habe es aber auch Raumbedarf gegeben, weil die Pfarrei St. Petri ein „Begegnungs-Café“ im Petrushaus eröffnen will.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnerte Pfarrbüchereileiter Winfried Dröge an die Geschichte der Petri-Bücherei. Demnach ist alten Unterlagen des Borromäusvereins zu entnehmen, dass Hüsten 1857 - also vor 162 Jahren - erstmals Mitgliedsbeiträge „in Höhe von 10 Thalern“ an die Bonner Zentralstelle abführte. Der Borromäusverein ist eine 1845 gegründete katholische Medieneinrichtung, die heute im Auftrag mehrerer Diözesen katholische Büchereien durch Medienempfehlungen, Leseförderung sowie Aus- und Weiterbildung unterstützt.

Gestapo schloss 1941 die Pfarrbücherei

Aus der Bücherei-Historie berichtet Dröge: „In der Zeit des Nationalsozialismus beschlagnahmte im Februar 1941 die Gestapo den gesamten Buchbestand und schloss die Bücherei.“ Nach Durchsicht seien damals die Bücher dem Bestand der Stadtbücherei Neheim-Hüsten zugeschlagen worden, wo sie bis 1945 blieben. Im November 1945 startete ein bescheidener Neubeginn. In den Folgejahren setzte sich besonders Vikar Bohne für den Aufbau der Bücherei ein. Seit dem Tod von Büchereileiter Franz Duhme, der im Jahr 1996 nach fast 60-jährigem Einsatz für die Bücherei starb, leitete sein Neffe Winfried Dröge die Bücherei.

Ihre Blütezeit erlebte die Hüstener Pfarrbücherei in den 1990er Jahren bzw. zur Jahrtausendwende. So verfügte die Pfarrbücherei im Jahr 1999 über insgesamt 12.267 Medien. In diesem Jahr nahmen 260 Nutzer 8089 Ausleihen vor. Der ganz überwiegende Teil der Medien waren dabei Bücher, so dass im Durchschnitt ein Nutzer im Jahr 30 Bücher las. Die Ausleihe war dabei kostenfrei.

„Die Pfarrbücherei hatte sicherlich viele eifrige Stammleser“, erinnert sich Winfried Dröge. Moderne Medien wie CDs und DVDs sind dann dazugekommen.

Zuletzt nahm die Nutzerzahl ab

In den vergangenen Jahren nahm die Nutzerzahl ab - zuletzt kamen noch etwa 70 Stammleser. Im Bestand waren Ende 2018 noch 6213 Medien, davon 5561 Bücher. „Als klar war, dass die Pfarrbücherei schließen wird, wurden 2019 keine neue Medien mehr angeschafft“, sagt Winfried Dröge, der nun mit Bärbel Menn und Martina Burgard die Bücherei abwickelt. Aus Paderborn wird demnächst ein kirchlicher Mitarbeiter in Hüsten erwartet, der den Bestand sichtet. Aktuelle Literatur soll dann an andere Pfarrbüchereien im Erzbistum verteilt werden. Paderborn hatte zum Teil die Anschaffung von Medien gefördert.

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