Arbeit statt Hartz IV

Caritas-Verband will sozialen Arbeitsmarkt schaffen

In der Diskussion (von links): Christian Stockmann (Caritas-Verband), Patrick Sensburg (CDU), Dirk Wiese (SPD), Martin Schaefer (AfD) und Carlo Cronenberg (FDP).

In der Diskussion (von links): Christian Stockmann (Caritas-Verband), Patrick Sensburg (CDU), Dirk Wiese (SPD), Martin Schaefer (AfD) und Carlo Cronenberg (FDP).

Foto: Martin Schwarz

Arnsberg/Sundern.   Der Raum Arnsberg/Sundern soll zur Modell-Region für sozialen Arbeitsmarkt werden. Bundespolitiker begrüßen Vorhaben

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Wir wollen im Raum Arnsberg/Sundern eine Modell-Region für einen sozialen Arbeitsmarkt schaffen, um so Langzeitarbeitslose in unbefristete und tarifgebundene Beschäftigungsverhältnisse zu bringen.“ Dies kündigte Christian Stockmann, Vorstandsvorsitzender des Caritas-Verbandes Arnsberg-Sundern, bei einem politischen Tischgespräch mit Bundestagskandidaten an.

Bis zu 75 Prozent Förderung

Bereits seit mehr als zwei Jahren arbeitet der heimische Caritas-Verband an dem Projekt und hat sich bereits 2014/2015 der Unterstützung durch die Städte Arnsberg und Sundern versichert. Doch richtig voran ist das Projekt noch nicht gekommen, weil erforderliche bundespolitische Entscheidungen ausstehen. Denn es gilt, Mittel aus dem Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) in eine bis zu 75 Prozent hohe staatliche Förderung von unbefristeten und tarifgebundenen Arbeitsplätzen bei privaten und öffentlichen Arbeitgebern umzuschichten.

„Der Staat soll Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit finanzieren“, sagte Caritas-Chef Stockmann zu heimischen Bundespolitikern und zu einigen, von einem sozialen Arbeitsmarkt Betroffenen, die auf Einladung der Caritas zu einem politischen Tischgespräch in der Trilux-Akademie zusammenkamen.

Prinzipiell wird Vorhaben begrüßt

Wie reagierten nun - im Vorfeld der Bundestagswahl - die heimischen Bundestagesabgeordneten bzw. -kandidaten auf die Caritas-Forderung? Patrick Sensburg (CDU) und Dirk Wiese ( SPD) begrüßen prinzipiell einen sozialen Arbeitsmarkt und auch eine Modell-Region Arnsberg/Sundern. Beide sehen in dem Caritas-Konzept aber nur EINEN Baustein zur Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit. Berufliche Qualifizierungsmaßnahmen würden dadurch nicht obsolet. Der FDP-Bundestagskandidat und Müscheder Unternehmer Carlo Cronenberg wollte zum sozialen Arbeitsmark keine pauschale Bewertung abgeben. „Man müsse schon einen differenzierten Blick auf die Langzeitarbeitslosen richten, die eine unbefristte Arbeitsstelle erhalten sollen“ meinte Cronenberg.

„Differenzierte Betrachtung nötig“

Der FDP-Politiker fügte an: „Für einige ist es sicherlich eine gute Möglichkeit, eine dauerhafte Arbeitsstelle zu erhalten. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Einstellung nicht stimmt.“ Auch Sensburg forderte eine differenzierte Blickweise: „Die Betriebe fragen: Was kostet uns das und wie viel Bürokratie ist damit verbunden?“. Der Vertreter der Linken, Werner Ruhnert, der Reinhard Prange vertrat, sowie Martin Schaefer (AfD) und Christa Hudyma befürworteten prinzipiell einen sozialen Arbeitsmarkt, Annika Neumeister (Bündnis ‘90/Die Grünen) will sich zunächst noch näher informieren, um eine Bewertung abzugeben.

Der Caritas-Verband versteht den sozialen Arbeitsmarkt auch als Stellenoption für Menschen mit Handicap oder für Flüchtlinge. Klaus Röwekamp, Geschäftsführer der Trilux Licht GmbH, wies in diesem Zusammenhang auf die integrativen Arbeitsplätze im Hüstener Trilux-Werk hin. „Früher brachten wir die Arbeit zu den Behindertenwerkstätten, schon seit einigen Jahren kommen Menschen mit Handicap zu uns und leisten im Hüstener Trilux-Werk ihre Arbeit.“

Betriebe sollen sensibilisiert werden

Langzeitarbeitlose, Menschen mit Handicap oder Flüchtlinge auf dem 1. Arbeitsmarkt unterzubringen statt mit Hartz IV zu versorgen - an dieser Aufgabe bleibt der Caritas-Verband Arnsberg-Sundern auch künftig dran. Der Wohlfahrtsverband will mehr Betriebe für das Thema sensibilisieren.

Zum Thema „Vielfältige Arbeitsmarktförderung“ lädt der Caritas-Verband zu einem Unternehmerstammtisch für Dienstag, 10. Oktober, von 18.30 bis 21 Uhr in die Arnsberger Kulturschmiede, Apostelstraße 5, ein. Kontakt: Britta Kinze, Telefon 02931 / 5450554, Mail-Adresse: b.kinze@caritas-arnsberg.de

KOMMENTAR

In Kommunen den Hebel ansetzen

Nicht besonders stark war seitens der CDU, SPD und FDP die bundespolitische Unterstützung für das Bestreben des Caritas-Verbandes, im Raum Arnsberg/Sundern eine Modell-Region für einen sozialen Arbeitsmarkt zu schaffen. Aus den Stellungnahmen der Bundespolitiker, einen sozialen Arbeitsmarkt sehr differenziert zu sehen, konnte man eine eher zurückhaltende Positionierung heraushören.


Sensburg wie Wiese betonten, dass das System „Dauerhaft geförderte Arbeit statt Hartz IV“ nur als EIN Baustein im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit zu verstehen sei. Tatkräftige Unterstützung für das Caritas-Projekt hört sich anders an. Außer ideell unterstützenden Worten hörte die Caritas von Bundestagsabgeordneten bzw. -kandidaten nichts Neues. Das wird den sozialen Arbeitsmarkt nicht voranbringen.


Es muss also Druck in die Leitung. Der Hebel liegt bei den Arnsberger und Sunderner Kommunalpolitikern, die bei knapper Stadtkasse mit immer weiter steigenden Sozialausgaben konfrontiert werden. Dieser Leidensdruck kann Handlungsdruck erzeugen. Auf lokaler Ebene sind Finanzierungsmodelle und Arbeitsprofile für zu fördernde Arbeitnehmer zu entwickeln. Bundespolitisch kommt die Caritas nicht weiter.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben