Tourismus

Corona: Arnsberger Biker sorgt sich um sein Team in Indien

In Sachen Fortbewegung hat es bei Peter Paolo Dos Santos, dem Road Captain, inzwischen eine Transformation gegeben: Heute zählt das E-Bike zu einem beliebten Verkehrsmittel für ihn.

In Sachen Fortbewegung hat es bei Peter Paolo Dos Santos, dem Road Captain, inzwischen eine Transformation gegeben: Heute zählt das E-Bike zu einem beliebten Verkehrsmittel für ihn.

Foto: Frank Albrecht

Arnsberg.  In Indien organisiert Peter Paolo Dos Santos Bike-Touren. Normalerweise. Corona hat die Branche lahm gelegt.

Den Sommer hatte sich Peter Paolo Dos Santos anders vorgestellt. Über 30 Jahre war er als führender Kopf seiner eigenen Firma der „Classic Bike Adventure“ verpflichtet, hat geführte Motorrad-Touren zunächst in Indien und dann auch in anderen Ländern Asiens angeboten. In seinem Wunsch-Land Indien baute er ein Gästehaus und knüpfte seine Netzwerke.

Ab März hat die Corona-Pandemie auch sein Business getroffen und das Leben des heute 61-Jährigen geprägt und verändert. Und wenn er nicht – wie gerade – im Sauerland ist, dann gehört seine Leidenschaft der Region Himalaya, wo Peter Paolo Dos Santos inzwischen ein Haus besitzt. „Noch im März hatten wir schon für den Rest des Jahres geplant, zwei Motorradtouren sollte es zunächst geben“, erinnert er sich beim Kaffee in der Arnsberger Altstadt.

Rückflug nach Deutschland

Doch dann kam Corona, und ganz Indien befindet sich seitdem im Lockdown. „Die Menschen leiden, und auch wir haben es nur gerade so eben geschafft, das Land noch zu verlassen“, sagt er. Erst habe er ja noch gehofft, dass sich die Situation zum Sommer wieder verbessert, aber als Mitte Juni die große Infektionswelle in Indien ausbrach, gab es nur noch eins: Nichts wie weg.

„Ich habe gespürt, dass es Zeit ist die Koffer zu packen“, sagt Dos Santos. Während in Deutschland das Leben geordneten Bahnen läuft, wütet Corona in Indien. Weltweit gebe es dort eine der höchsten Infektionsraten, hat sich Dos Santos informiert. „Das politische System in Indien hat versagt“, klagt der Motorradfahrer an.

Mit einigen anderen Deutschen sei er mit dem letzten Flug aus dem Land gekommen und habe über Umwege den Frankfurter Flughafen erreicht. „Ich habe dann einen freiwilligen Test auf eigene Kosten gemacht und bin in eine Arnsberger Ferienwohnung gezogen“, beschreibt Dos Santos.

Sein junges Leben hat sich hier abgespielt, Abitur in Arnsberg, die Familie lebt auf dem Schreppenberg. Alle zwei Jahre gehören in Arnsberg die legendären „Classic Bike Revival“-Partys in Muffrika zu beliebten Veranstaltungen. In den letzten 15 Jahren habe es dort zehn Partys mit Live-Musik und Austausch gegeben. An der Freien Universität in Berlin hat er Diplom-Psychologie und -Pädagogik studiert, Wissen, das ihm beim Umgang mit Motorrad-Kunden und Menschen in Indien viel genutzt habe.

1989 hatte alles mit ersten Motorradtouren in Indien begonnen, Dos Santos baute seine Firma erfolgreich aus und setzte eine stolze Summe im Jahr mit den Angeboten um. Sein Unternehmen hat zehn feste Mitarbeiter, die jetzt in der Krise noch weiter von ihm unterstützt werden. „Diese Menschen haben mir gegeben, jetzt helfe ich“, ist sein Motto.

Über Social Media hält er den Kontakt zu Freunden in das ferne Land, sieht zu, dass vor allem die Mitarbeiter gut versorgt sind. Dazu gebe es in Indien sogar eine gesetzliche Verpflichtung: Der Arbeitgeber zahle die Krankenkassenbeiträge seiner Angestellten. Doch das allein reicht ihm nicht – für die Schulbildung von Mitarbeiter-Kindern im Land hat er zwölf private Patenschaften übernommen.

Peter Paolo Dos Santos schaut genau, wie er die Unterstützung im privaten Umfeld umsetzen kann. Auch für die Umwelt – die Plastik-Trinkflaschen von den Touren hat er verbannt und setzt längst auf Metall.

Hassliebe zum Land

„Es gibt eine wahre Hassliebe zu Indien“, sagt er, einerseits die überfüllten Städte mit ihrem Chaos, andererseits die freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Aber er habe derzeit Angst in Indien, ein Leben dort sei für ihn momentan unvorstellbar. Und obwohl er seine Firma erfolgreich verkauft hat, will er den neuen Eigentümern noch für zwei Jahre Starthilfe leisten. Zurzeit arbeitet er auch noch als Coach, bietet individuelle Therapien als eine Form von Lebensberatung an. Lebenserfahrung hat er ja genug gesammelt.

Während in Indien die Motoren der 35 Enfield-Maschinen, die aus Beständen des Indischen Militärs stammen, kalt bleiben, hat Peter Paolo Dos Santos den Glauben an eine Zukunft in Asien nicht verloren. „Ich hoffe darauf, dass 2021 wieder was geht.“

Für November 2020 hofft er auf drei Motorrad-Touren in Zypern. Weitere Touren, Angebote nur für Frauen, spirituelle Touren – sein Kopf ist noch voll von Ideen, die nur darauf warten umgesetzt zu werden. In den nächsten Wochen wird Peter Paolo Dos Santos aber zunächst in Deutschland Wurzeln schlagen, sein Netzwerk pflegen, der Leidenschaft des Fotografierens nachgehen und die Kontakte zu seinem 30-jährigen Sohn vertiefen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben