„Kultur rockt“ in Sundern

ESC-Fieber: Über musikalische Vielfalt und Michael Schulte

Bodenständig und nah am Fan präsentiert sich Michael Schulte. Im Vorjahr sang er beim ESC, im nächsten Monat im Pferdestall in Sundern.

Bodenständig und nah am Fan präsentiert sich Michael Schulte. Im Vorjahr sang er beim ESC, im nächsten Monat im Pferdestall in Sundern.

Foto: Daniel Bockwoldt

Sundern.   „Kultur rockt“-Organisator Matthias Berghoff über Michael Schulte, seinen Auftritt in Sundern und das Format des Eurovision Song Contest.

Einer guckt besonders aufmerksam nach Tel Aviv und auf die Vorberichterstattung zum Eurovision Song Contest (ESC) am Samstag. Für Matthias Berghoff aus Sundern schlägt sich der Bogen von Israel zu seinem Pferdestall in Dörnholthausen. Der deutsche Vorjahres-Interpret Michael Schulte wird nicht nur die Fernsehzuschauer auf den ESC 2019 einstimmen, sondern am 20. Juni beim von Matthias Berghoff maßgeblich mit organisierten „Kultur rockt“-Festival im Sauerland auftreten.

Dabei hat Matthias Berghoff vor einem Jahr beim ESC 2018 in Lissabon nicht einmal live vor dem Fernseher gesessen. „Ich habe die Bilder damals erst nachher von Michael Schulte gesehen“, erinnert sich Berghoff. Damals konnte er noch nicht ahnen, das der Mann, der Deutschland auf der wohl größten musikalischen Fernsehbühne vertrat, etwas über ein Jahr später in Dörnholthausen im ländlichen Bauernhof-Flair zur Gitarre greifen würde.

Wer beim ESC singt, ist für Matthias Berghoff - einem vielseitig künstlerisch geprägten Sauerländer mit gehobenen Anspruch - keineswegs kulturell „verbrannt“. Im Gegenteil: „Der ESC ist ein richtig gutes Format geworden“, sagt Matthias Berghoff, „insbesondere der deutsche Vorentscheid hat richtig Qualität und super Musik dabei!“. Und das habe nicht nur Michael Schulte vor einem Jahr bewiesen.

Die Vielfalt mache den ESC aus. Auf der einen Seite die schrillen Auftritte mit Flammenfontänen, Lichteffekten und expressiven Kostümen. „Die Übersteigerung wird ja auch genutzt, um Botschaften zu transportieren“, so Berghoff. Und auf der anderen Seite die Typen wie der deutsche Singer-Song-Writer Michael Schulte, der im Vorjahr mit seiner Performance „You let me walk alone“ sogar auf den vierten Platz kam. „Genau das“, so Berghoff, „zeigt doch, wie facettenreich der ESC heute ist“.

Bodenständiger Künstler

Der im Jahr 2009 als You Tube-Künstler gestartete Michael Schulte war in Lissabon das Gegenprogramm zum sonst so glimmernden ESC-Zirkus. Er präsentierte Feinfühligkeit, Bodenständigkeit und Authentizität. Und genauso erlebte Matthias Berghoff den inzwischen berühmten Künstler auch jetzt bei den Gesprächen über einen „Kultur rockt“-Auftritt. „Obwohl das Schulte-Fieber weiter anhält, ist er auf dem Boden geblieben und ist äußerst sympathisch“, so die Organisatoren des Sunderner Festivals. Also genau der richtige Mann für den Pferdestall in Dörnholthausen - dort, wo es ganz nah an das Publikum geht und wo der Kontakt und die Begegnung mit den Fans zum Programm gehört. „Man merkt halt, dass er kein gecasteter Act ist, sondern ein absoluter Vollblutmusiker“, schwärmt Matthias Berghoff. Emotional wird es werden in Dörnholthausen. Schultes aktuelle Single „Back to the start“ ist ein Blick des Buxtehuder Musikers zurück auf seine Kindheit. Ähnlich wie beim ESC-Song im vergangenen Jahr, der den frühen Tod des Vaters thematisierte.

Noch weiß Matthias Berghoff nicht, ob er am Samstag den ESC-Entscheid live vor dem Fernseher verfolgen kann. „Hier kommen wir ja langsam in die Hochphase der Vorbereitung unseres Festivals“, so der Sunderner. Ein schlechtes Wort über den ESC kommt nicht aus seinem Munde. „Das Format zeigt die Vielfalt von Europa und hat Potenzial“, sagt er, „wenn wir die Künste gemeinsam gegen Krieg und Gewalt nutzen, dann wird doch vieles einfacher auf der Welt“.

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