Fragen und Antworten

Das ist zum Grundschulverbund Bergheim/Voßwinkel zu wissen

| Lesedauer: 11 Minuten
Blick auf die Grundschule Voßwinkel

Blick auf die Grundschule Voßwinkel

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Voßwinkel / Bergheim.  In FAQ-Art (FAQ = Frequently Asked Questions) nimmt die Stadt zu Fragen rund um einen möglichen Grundschulverbund Bergheim/Voßwinkel Stellung.

Wichtige Fragen und Antworten zum Thema „Grundschulverbund Bergheim / Voßwinkel“ hat die Fachdienstleiterin Schule der Stadtverwaltung Arnsberg, Heidi Appelhans, zusammengestellt. In dem umfangreichen Werk steht folgendes im Wortlaut:

Warum wird überhaupt ein Grundschulverbund Bergheim – Voßwinkel diskutiert?

Die Entscheidung über die Fortführung des Unterrichts an der Grundschule Voßwinkel liegt nicht bei der Stadt Arnsberg. Laut § 82 des Schulgesetzes NRW gibt es für die Schulen eine vorgeschriebene Mindestgröße. Diese liegt bei 92 Lernenden. Ausnahme: Die einzige Grundschule in einer Gemeinde (hier: Stadt Arnsberg) darf auch mit 46 Schülerinnen und Schülern geführt werden – dies kommt aber hier nicht zum Tragen.

Die Schulträger (hier die Stadt Arnsberg) sind zu einer Schulentwicklungsplanung verpflichtet. Die Entwicklung in Voßwinkel zeigt leider perspektivisch sinkende Schüler:innenzahlen. Eine demografische Prognose der Stadt Arnsberg für den Ortsteil Voßwinkel lässt hier weitere sinkende Zahlen erkennen (s.u.), die eine eigenständige Fortführung der Grundschule Voßwinkel (ohne Grundschulverbund) nach derzeitigem Stand unmöglich machen.

Zudem hat die Zahl von Schüler:innen an einer Schule auch Auswirkungen auf die Budgetierung der Schule. Diese erfolgt pro Schüler:in, über einen Finanzhaushalt wären künftig fast nur noch die Fixkosten abzudecken. Da auch die Stellenzuweisungen nach der Zahl der Schüler:innen erfolgt, ist bei sinkender Zahl der Lernenden ein Personalengpass zu befürchten, der angesichts des herrschenden Lehrkräftemangels nicht aufzufangen ist. Mit nur wenigen Lehrkräften werden auch nicht mehr alle Fachgebiete an der Schule vertreten sein können, was sich auf die Vielfalt der schulischen Bildung sowie die Unterrichtsqualität auswirkt.

Große Schwierigkeiten sind deshalb auch bei der Personalabdeckung für begleitende Arbeiten an der Schule zu erwarten, die nicht nur im Unterricht stattfinden. Aufgabenbereiche wie Medienbeauftragte/r, Sprachbildungsbeauftragte/r, Lehrer:innenrat, Steuergruppe, stellvertretende Schulleitung oder Gleichstellung sind personell neben dem Unterricht kaum noch abzudecken. Angesichts vielfältiger und steigender außerunterrichtlicher Aufgaben ist deren Aufteilung auf immer weniger Köpfe an einer Schule kaum leist- oder zumutbar.Erwartbare und kaum zu bewältigende Mehraufgaben sowie ein (zu) kleines Schulsystem mit wenigen Auswahlmöglichkeiten macht den Berufsstart für neue Kolleg:innen unattraktiv und kann perspektivisch den Lehrkräftemangel an der Schule verstärken.

Wie könnte die Umsetzung eines Grundschulverbundes praktisch aussehen (für Schüler:innen – für Lehrkräfte)?

Mit der Errichtung eines Grundschulverbundes (hier: Bergheim-Voßwinkel) sind die Auswirkungen für die Lernenden gering. Eltern und Kinder können sich mit der Anmeldung am Grundschulverbund zunächst für einen der beiden Grundschulstandorte aussprechen. Nur dann, wenn die gesetzlich festgelegte Ober- oder Untergrenze (29 bzw. 15 Kinder) für eine Klasse erreicht wäre, müsste die Schulleitung eine Umverteilung der Schüler:innen vornehmen. Diese Vorgehensweise ist vergleichbar mit Schulen, an denen mehr Schüler:innen angemeldet wurden als Kapazitäten vorhanden sind.

Von den Lehrkräften an den beiden Standorten des Grundschulverbundes wird erwartet, dass sie sich zunehmend als ein Kollegium verstehen und ein gewisses Maß an Flexibilität mitbringen. Eine gemeinsame Planung von Lehrinhalten und Konzepten, die gleichsinnige Auswahl der Schulbücher und Materialien oder die Festlegung der Stundenpläne genannt können beispielhaft für den Prozess des Zusammenwachsens sein. Dies trifft auch auf Vertretungsfälle zu.

Die bereits vorhandene und funktionierende Betreuung der Schülerinnen und Schüler an den beiden Standorten im Grundschulverbund kann fortgesetzt werden. D.h. dass sowohl eine OGS-Betreuung sowie eine bestehende Übermittagsbetreuung auch im Grundschulverbund bestehen bleiben und von den Lernenden nach Anmeldung genutzt werden kann. Die endgültige Entscheidung darüber trifft dann letztlich die Schulkonferenz des Verbundes.

 In Planung: Die Zusammenarbeit der Lehrkräfte an beiden Schulstandorten des Grundschulverbundes wird durch externe Beratung im Prozess der weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit professionell begleitet.

Welche Vorteile gibt es bei einem Grundschulverbund?

Ein Grundschulverbund Bergheim – Voßwinkel sichert nach aktuellem Stand zunächst vor allem das Fortbestehen der Grundschule Voßwinkel. Damit würden die oben beschriebenen und befürchteten Auswirkungen (Lehrkräfte-Schlüssel, Budgetierung je Schüler:innenzahl, Einschränkungen bei der Unterrichtsvielfalt usw.) N I C H T eintreten. Die Grundschule Voßwinkel könnte im Rahmen des Verbundes weiter bestehen bleiben und den Familien im Dorf auch weiterhin einen Grundschul-Standort in Voßwinkel anbieten. Die Kinder könnten in ihrer gewohnten Umgebung, in ihrem sozialen Umfeld lernen und ihre sozialen Kontakte halten.

Welche Auswirkungen hat der Grundschulverbund, um die Grundschule Voßwinkel zu erhalten?

Laut Schulgesetz kann die Grundschule Voßwinkel als Teil-Standort des Verbundes Bergheim-Voßwinkel weitergeführt werden, wenn es von der Gemeinde (hier: Stadt Arnsberg) für erforderlich gehalten wird. Beide Schulen sind Bekenntnisgrundschulen. Auch die pädagogischen Schulkonzepte - wie jahrgangsübergreifendes Lernen - können weiterhin berücksichtigt und praktiziert werden. Der Name der Grundschule Voßwinkel würde sich ändern müssen. In einem Grundschulverbund darf kein Eigenname verwandt werden, sondern nur der Ortsteil. Im weiteren Prozess wird über die Namensgebung in einem gemeinsamen Prozess entschieden.

Welche Rolle spielt der Kindergarten in Voßwinkel für die Situation?

Die Stadt Arnsberg veröffentlicht seit vielen Jahren sog. Demografiepläne, die die demografische Entwicklung in der Stadt dauerhaft beobachten. Die Daten sind auf einzelne Ortsteile bezogen und in den Demografieberichten der Stadt Arnsberg nachzulesen. Der letzte Demografiebericht ist im Jahr 2021 entstanden. Danach ist die Anzahl der Kinder und Jugendlichen in Voßwinkel nicht mehr auf dem Niveau der 80-er und 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die erforderlichen Zahlen für den Fortbestand einer Grundschule in Voßwinkel sind in den letzten Jahren permanent unterschritten worden (d.h. es gab nicht genügend Schüler:innen).

Auf die auch in Voßwinkel bestandenen Engpässe in der Kindertagesbetreuung hat die Stadt Arnsberg mit einem umfassenden Ausbauprogramm reagiert. Konkret in Voßwinkel wird eine Entspannung durch die Neuplanung der Kita Bachum und den Ausbau auf eine 4-gruppige Einrichtung erwartet.

Konkrete Angaben zu den Zahlen können Mitte Februar 2022 gemacht werden, da dann das derzeit laufende Anmeldeverfahren für alle Kindertageseinrichtungen im Stadtgebiet abgeschlossen sein wird.

Welchen zeitlichen Spielraum gibt es für die Entscheidung?

Die Entscheidungsfindung bezüglich des Grundschulverbundes Bergheim – Voßwinkel erlaubt keinen Aufschub mehr. Schon im November 2020 hat die Bezirksregierung Arnsberg als Aufsichtsbehörde von der Stadt Arnsberg schriftlich nach schulorganisatorischen Maßnahmen für die Grundschule Voßwinkel gefragt und diese eingefordert. Im Juni 2021 wurde erneut seitens der Bezirksregierung schriftlich nachgefragt. Wenn die Stadt Arnsberg nicht tätig wird, d.h. keine schulorganisatorischen Maßnahmen ergreift, handelt sie rechtswidrig. Eine Entscheidung über die Errichtung des Grundschulverbundes ist unabwendbar.

Mit der erfolgten digitalen Informationsveranstaltung wird über den Verbund Bergheim – Voßwinkel jetzt zunächst weiter in den Bezirksausschüssen Bergheim und Voßwinkel beraten. Danach wird über den Grundschulverbund im Rat der Stadt Arnsberg am 23.06.2022 beraten und entschieden.

Wie und wo arbeiten die beiden Schulen schon zusammen?

Zwischen der GS Bergheim und der GS Voßwinkel gibt es seit eineinhalb Jahren bereits eine gut funktionierende Kooperation. Diese wird von der gemeinsamen Schulleitung (seit Mitte 2020) unterstützt und gefördert. Beide Schulen haben darüber hinaus seit Jahren eine gemeinsame Sozialpädagogische Fachkraft und einen gemeinsamen Hausmeister. Die Sekretärinnen beider Schulen stehen in engem Kontakt und kooperieren.

Beide Schulen nutzen das gleiche Lernmanagement (It´s learning) und verfügen über abgestimmte Kommunikationsformen. Beide Schulen arbeiten in ihrer Organisationsform „jahrgangsübergreifend“ in der Schuleingangsphase (1. und 2. Klasse) sowie in den Klassen 3. und 4. zusammen. Bei beiden Schulen handelt es sich um katholische Bekenntnisgrundschulen, die an ihren Standorten einen ähnlichen Kreis von im ländlichen Raum lebenden und wohnenden Kindern und Familien haben.

Im fachlichen Bereich gibt es einen kollegialen Austausch und seit November 2021 gemeinsame Steuergruppen-Meetings der Lehrkräfte. Die schulinternen Lernpläne außerhalb der Hauptfächer sind so gestaltet, dass sie bereits für beide Standorte konzipiert sind, bei Hauptfächern liegen aktuell noch unterschiedliche Lehrwerke zu Grunde. Im, durch die Corona-Pandemie erforderlichen, Distanzunterricht gab es ein gemeinsames Lern-Konzept als Grundlage, das von den Eltern beider Schulen positiv bewertet worden ist. Auch Eltern-Informationen zu wichtigen Themen rund um Corona konnten in gemeinsamen Video-Konferenzen weitergegeben werden.

Gibt es mit dem GV eine dauerhafte Sicherung der GS Voßwinkel?

Eine dauerhafte Sicherung des GS-Standortes Voßwinkel hängt letztendlich von der Entwicklung der Schulanmeldungen ab. Zwischen den Jahren 2022 und 2040 ist nach der Bevölkerungsprognose von einer Zahl der unter 6-Jähren zwischen 47 und 53 auszugehen, ab 2022 liegt sie konstant knapp über 50 Kinder. Die Zahl der Grundschulkinder schwankt im gleichen Zeitraum zwischen 67 und 76, ab dem Jahre 2030 wird eine stabile Zahl von über 70 Kindern prognostiziert. Der Grundschulstandort Voßwinkel ist damit auch als Teilstandort im GV Bergheim – Voßwinkel so sicher bzw. unsicher wie aktuell.

Was passiert, wenn der Grundschulverbund nicht realisiert werden kann oder soll?

Ohne eine klare Entscheidung der Politik für den Verbund Bergheim – Voßwinkel bleibt nur das Auslaufenlassen der Schule in Voßwinkel. D.h. es sind keine Anmeldungen mehr möglich, und die letzten Schüler:innen verlassen die Schule nach der vierten Klasse. Danach wäre die St. Urbanus-Grundschule in vier Jahren Geschichte.

Welche Möglichkeiten hat die Stadt Arnsberg, den Bestand der GS Voßwinkel zu sichern?

Die Stadt Arnsberg präferiert den weiteren Bestand der Grundschule Voßwinkel als im Dorf integriertes, wohnortnahes schulisches Angebot. Dieses kann bereits kurzfristig nur als Grundschulverbund umgesetzt und realisiert werden. Die Möglichkeiten der Stadt Arnsberg, Einfluss auf die demografische Entwicklung zu nehmen, sind begrenzt. Eine Verbindung zu möglichen Baugrundstücken herzustellen, auf denen Familien bauen und ihre Kinder großziehen, bis sie in die Grundschule gehen können, ist nicht angemessen. Demografieberichten zufolge wird die Auswirkung von Baugebieten zur Bedarfssteigerung von Kita- und Schulplätzen überschätzt. So ist bei 50 neuen Wohneinheiten „nur“ mit einem zusätzlichen Bedarf an 10 bis 15 Kita- und möglicherweise späteren Schulplätzen zu rechnen.

Die Stadt Arnsberg würde gerne zwischen der Heiligenhausstraße und der Füchtener Straße kurzfristig die Erschließung von rund 15 Bauplätzen ermöglichen. Das Grundstück ist jedoch nicht im städtischen Besitz und die bereits seit längerem erfolgten Versuche der Stadt, das Grundstück zu erwerben, sind bislang gescheitert. Kurzfristige Auswirkungen auf die demografischen Prognosen für Voßwinkel wären dadurch jedoch zunächst nicht zu erwarten.

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