Rathaus-Sanierung

Denkmalschutz: Sanierung von Arnsberger Rathaus in Gefahr

Das Rathaus von Innen.

Foto: Ted Jones

Das Rathaus von Innen. Foto: Ted Jones

Arnsberg.   Das Sanierungskonzept für Arnsberger Rathaus ist plötzlich gefährdet. Der Grund: Landschaftsverband Westfalen Lippe beantragte Denkmalschutz.

Die über einen Architektenwettbewerb ausgewählten Pläne zu Sanierung und Umbau des Arnsberger Rathauses geraten in Gefahr. Der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) beantragte die Eintragung des 1968 in Betrieb genommene Gebäudes in die Denkmalliste. Die Politik fürchtet nun, dass die Anforderungen des Denkmalschutzes den ohnehin schon auf 30 Millionen Euro veranschlagten Kostenrahmen der Maßnahme sprengen werden. Die Verwaltung kündigt an, in der kommenden Woche mit der Baukommission und dem Ältestenrat den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen zu beraten.

Als erste Infos über den LWL-Antrag durchsickerten, regierte das Kopfschütteln. Der Rathausbau in seiner jetzigen Form wird vom Otto-Normal-Bürger nicht als Schönheit bewertet. „Wir sind der Auffassung, dass es ein Denkmal ist“, sagt LWL-Sprecher Markus Fischer. Es gehe nicht um Geschmäcker. „Ein Denkmal ist ein Geschichtszeugnis in Stein“, so Fischer, „und es muss nicht immer schön sein“. Jetzt steht ein Antrag im Raum, der schützenswerte Elemente benennt, auf die der im Wettbewerb ermittelte Planungsentwurf keine Rücksicht nahm.

LWL beantragt Aufnahme in die Denkmalliste ausgrechnet bei der Stadt

Kurios: Der LWL beantragt die Aufnahme des Rathauses in die Denkmalliste ausgerechnet bei der Stadt Arnsberg - gleichzeitig untere Denkmalbehörde und Bauherr der Sanierung. Ein Ablehnung ist nicht leicht. Es bedarf dafür „überzeugende inhaltliche Gründe“. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt die Stadt: „Die Verwaltung beurteilt die städtebauliche, stadthistorische und architekturhistorische Bedeutung des Hauses allerdings anders und hat dies dem LWL gegenüber auch schriftlich begründet.“

Die Denkmalpfleger sehen in dem jetzigen Bau „ein Verwaltungsgebäude von herausragender Qualität“ und ein „westfalenweit wichtiges Zeugnis des Rathausbaus der 60er-Jahre“. Stadtgeschichtlich stünde das Gebäude für die kurze Phase der Stadt Neheim-Hüsten (1941-1974) und für „das Selbstverständnis der jungen Stadt Neheim-Hüsten als moderner Standort am Rande des Ruhrgebiets“. Architekturgeschichtlich überzeuge das Rathaus mit aufwändig gestalteten Fassaden, Betonstreben, Metallköpfen und Farbfassung als „typischer Vertreter des 1960er-Jahre-Stils, der sich aus der Masse vieler anderer Rathäuser hervorhebt“. Kunstgeschichtlich wird auf die von Josef Rikus geschaffenen Betonplastiken und die Bronzeplastiken auf der Eingangstür zum Ratssaal verwiesen. „Das sind hochwertige Kunstwerke“, sagt Markus Fischer.

„Sanierung nachwievor möglich“

Die Fachabteilungen der Stadtverwaltung haben bereits mehrere Gesprächsrunden mit den LWL-Denkmalpflegern geführt. Bei einer Unterschutzstellung des Rathauses, so die Verwaltung in einer Stellungnahme, müsste das neue Konzept in einigen Bereichen angepasst oder überarbeitet werden. „Trotzdem wäre eine Sanierung des Gebäudes in Einzelabstimmung mit dem LWL nach wie vor möglich“, so die Stadt. Der Einfluss auf die Zeitplanung und die Kostenstrukturen sei noch nicht zu beziffern. „Genau hier liegt natürlich die Falle!“, weiß auch Bürgermeister Ralf Bittner. Er werde auch daran gemessen, dass der Kostenrahmen eingehalten werde.

Das Thema, so Bittner, sei aber nicht im Konfrontationskurs mit dem LWL zu klären. „Wir wollen gemeinsam eine Lösung“, so Bittner. LWL und Stadt hätten eine langfristige Nutzung eines 50 Jahre alten Gebäudes mit zeitgemäßen Arbeitsplätzen im Blick. Der LWL verteidigt seinen Antrag: „Wir müssen rechtzeitig unter Schutz stellen, um zu erhalten“, so Markus Fischer, „die Geschmäcker ändern sich zwar, doch ist das nicht das Kriterium für den Denkmalschutz“.

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